Das DWDS hat eine neue Benutzeroberfläche: Die vormalige Beta-Version ist jetzt zur Hauptversion geworden. Der erste Eindruck ist: hübsch.

Früher gab es dort den WDG-Artikel, ein paar Belege aus dem DWDS-Corpus, einen Kasten mit bedeutungsverwandten Wörtern (Synonyme, Hyperonyme, Hyponyme) und eine grafische Darstellung der Kollokationen des aktuellen Suchworts.

Jetzt besteht die Standardansicht des DWDS — das anscheinend auch nur noch DWDS heißt und nicht mehr Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts – aus sechs “Panels”, in denen jeweils ein Aspekt beleuchtet wird: ein Wörterbuchartikel (der gegenüber dem WDG-Artikel — und die WDG-Artikel sind schon sehr übersichtlich — grafisch noch einmal aufbereitet wurde und außerdem um eine Audio-Ausspracheangabe erweitert wurde); ein Ausschnitt aus einer durchgesehenen, korrigierten und ergänzten Version des Etymologischen Wörterbuchs des Deutschen von Wolfgang Pfeifer et al.; ein Ausschnitt aus dem Open Thesaurus (www.openthesaurus.de); der altbekannte Ausschnitt aus dem DWDS-Corpus und daneben ein Ausschnitt aus dem ZEIT-Corpus und schließlich das DWDS-Wortprofil zu dem gesuchten Wort: In Form einer Wortwolke werden häufig mit dem Suchwort vorkommende Ausdrücke präsentiert, die Auswahl kann nach bestimmten Kriterien eingeschränkt werden.

Neben dieser Standardansicht gibt es noch:

  • die “Statistiksicht”, in der statistisch relevante Panels präsentiert werden: Wortverlaufsstatistik, Korpusfrequenzen, Wortprofil;
  • die “LEO-Sicht”, in der nur zwei Panels gezeigt werden: das DWDS-Wörterbuch und das Etymologische Wörterbuch — schön übersichtliche kleine Häppchen also, für alle, die nicht von zu vielen Daten verwirrt werden möchten …;
  • die Ansicht “DWDS-Zeitungskorpora”, in der Ergebnisse aus der ZEIT, der Berliner Zeitung, dem Berliner Tagesspiegel und den Potsdamer NN gezeigt werden;
  • die Ansicht “DWDS-Referenzkorpora”, in der Ergebnisse aus ausgewählten anderen Corpora gezeigt werden (teilweise erst nach kostenloser Anmeldung).

Die Panels sind innerhalb ihres Bereichs frei horizontal und vertikal neben- und übereinander anordenbar; außerdem können zu jeder Ansicht noch weitere Panels hinzugefügt werden: Zusätzlich zum DWDS-Wörterbuch gibt es etwa noch das “alte” WDG und es sind auch noch mehrere Corpora abrufbar. Wenn man angemeldet ist, können diese selbst zusammengestellten Ansichten auch gespeichert werden.

Da immer zwei Panels nebeneinander dargestellt werden, ist der Platz pro Panel etwas beschränkt, was leider dazu führt, dass man hie und da horizontal scrollen muss. Bei Bedarf lässt sich aber jedes Panel auch auf die ganze Seitenbreite vergrößern und wird dann alleinstehend angezeigt.

Es gibt eine Suchhistorie und auch die Möglichkeit, flektierte Formen in den Corpora über deren Wortstämme oder nach Wortarten zu suchen (das war aber im “alten” DWDS auch schon möglich).

Bei allem technischen Fortschritt ist aber anzumerken, dass sich die Entwicklung darauf beschränkt: auf den technischen Fortschritt. Inhaltlich bleibt das DWDS-Wörterbuch ein Wörterbuch des 20. Jahrhunderts — und selbst da gibt es gegen Ende hin schon Lücken: Wer nach Internet, Maus (i.S.v. Computermaus) oder Hip-Hop sucht (der Rock and Roll ist enthalten), wird im Wörterbuch-Panel nicht fündig; und der Computer wird als “Neuwort” und mit der grafisch auf halbem eindeutschenden Wege stehen gebliebenen Schreibvariante Komputer verzeichnet. Beim WDG war eben doch 1977 Schluss.

Alles in allem aber trotzdem — wie gesagt –: hübsch. Das DWDS steckt damit technisch, wie das Weglassen des “Untertitels” andeutet, die Nase ins 21. Jahrhundert. Ich bin mir sicher, dass das DWDS in dieser neuen Form die Beliebtheit, die es als Arbeitswerkzeug jetzt schon hat, noch ausbauen kann.

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