In der Tagesschau vom 05.07.:

Über die Zukunft von NRW sprachen am Nachmittag die künftigen Hausherrinnen von SPD und Grünen in Düsseldorf.

Vorher war vom Hausherr Rüttgers die Rede. Danach von den „Hausherrinnen“. Das Wort steht so (im Singular natürlich) auch im Wörterbuch, genauer gesagt in den Duden-Wörterbüchern mit ihrer extensiven Auslegung der Geschlechtergerechtigkeit, siehe Amateurfußballerin, Bergarbeiterin, Briefmarkensammlerin, Trickbetrügerin, Zoodirektorin usw. Netter (im Sinne von: interessanter) Fall in der Problematik weiblicher Personenbezeichnungen (oder: der Problematik der Bezeichnung weiblicher Personen, ist das ein Fall à la doppelstöckiger Hausbesitzer?):

Herr vs. Frau (à la Herr und Frau Müller): Hausherr vs. HausfrauHausfrau ist so auf die keine sozialversicherungspflichtige Arbeit leistende Gattin und Mutter festgelegt, dass dieses Wort kein Pendant zu Hausherr sein kann.

Herr vs. Dame (à la Sehr geehrte Damen und Herren): Hausherr vs. Hausdame — das DWDS gibt als Synonym Haushälterin, das LGWDaF Wirtschafterin; die beiden Politikerinnen fänden es wohl etwas befremdlich, so bezeichnet zu werden. Siehe aber nächster Absatz.

Also Herr vs. Herrin. Eine im Prinzip nicht weiter spektakuläre Bildung; bemerkenswert aber die Bedeutungsunterschiede nach dem Austausch des „weiblichen“ Grundwortes. In Agricola/Agricola: Wörter und Gegenwörter (Leipzig 1977) wird als Gegenwort zu Hausherr im übrigen „Dame des Hauses“ genannt — was aber wohl nicht mit der Hausdame (s.o.) zu verwechseln ist — oder hat sich die Bedeutung in den vergangenen 30 Jahren so sehr geändert?

Wie sieht es aber mit dem jeweils männlichen Gegenpart aus: der Hausfrau steht der Hausmann gegenüber (im Rechtschreib-Duden erst seit der 19. Auflage (1986)). Der Haushälterin steht der Haushälter gegenüber, und der Hausherrin eben der Hausherr, wobei die -herrin erstmals im Rechtschreib-Duden von 1991 (20. Aufl.) verzeichnet ist (obwohl etwa im DWDS-Corpus schon früher belegt, oder etwa bei Jean Paul: „daß die Hausherrin sich bei der Buchbinderin über das Außenbleiben des Mietzinses greulich aufgehalten“ (Siebenkäs)). Der Hausdame steht … ja, wer eigentlich gegenüber? Wird das auch durch den Hausherrn abgedeckt? Das würde nun weitere und intensivere Recherchen erfordern (meine Intuition hilft mir jedenfalls hier nicht weiter, das ist wohl nicht mein Milieu). Es erscheint mir aber durchaus möglich, dass wir da eine Lücke haben — entweder haben wir keine männlichen Hausdamen, oder wir haben keine eigene Bezeichnung dafür außer Hausherr. Und ob jemand der Verwalter oder der „Chef“ ist, das ist doch ein gewisser Unterschied.

So viel zu diesem kleinen Tagesschau-Satz für heute abend; der letzte Gedanke bleibt jetzt einfach im Raume stehen. Falls jemand meine Lücke schließen kann, bin ich natürlich sehr dankbar.