Wer gerne Sprachen lernt, aber etwa Ido, Pirahã oder Französisch für viel zu gewöhnlich hält, bekommt vielleicht nach der Lektüre dieses kleinen Beitrags aus geo.de Lust, sich mit ROILA, der Robot Interaction Language, zu beschäftigen. Eine Wörterliste mit rund 800 Einträgen sowie eine Grammatik sind bereits vorhanden.

Ich konnte es mir nicht verkneifen, die ROILA-Wörter mit den englischen Äquivalenten zu vergleichen. Welche Unterschiede lassen sich erkennen zwischen einer gewachsenen natürlichen Sprache und einer für die Kommunikation mit Maschinen konstruierten Sprache?

Länge der Wörter in Buchstaben:
ROILA: 5,8 — Englisch: 5,1

Länge der Wörter in Silben (annähernd):
ROILA:  2,8 — Englisch: 1,7

Insbesondere die Aufteilung der Vokale (a, e, i, o, u und, wegen des Englischen, auch y) ist auffällig. Die folgende Übersicht zeigt die Anzahl der Vokale insgesamt innerhalb der Vokabular-Liste:
a: 474 (ROI) vs. 312 (engl.)
e: 444 (ROI) vs. 505 (engl.)
i: 450 (ROI) vs. 277 (engl.)
o: 435 (ROI) vs. 307 (engl.)
u: 471 (ROI) vs. 132 (engl.)
y: 0 (ROI) vs. 68 (engl.)

Während im Englischen eine hohe Schwankung in der Häufigkeit der Vokale zu sehen ist, werden in ROILA alle Vokale — mit Ausnahme von y — in sehr ähnlicher Zahl verwendet. Vom vokalischen Klang unterscheiden sich die Wörter beider Sprachen also deutlich.

Ganz interessant auch die Verteilung von Konsonantlauten,
insbesondere die der Plosive:
b: 211 (ROI) vs. 82 (engl.)
p: 222 (ROI) vs. 119 (engl.)
d: 0 (ROI) vs. 132 (engl.)
t: 230 (ROI) vs. 341 (engl.)
g: 0 (ROI) vs. 112 (engl.)
k: 219 (ROI) vs. 57 (engl.)

Auch hier, wie bei den Vokalen, ähnliche Zahlen bei den Fortis-Plosiven p, t und k; die Lenis-Plosive d und g werden im gezeigten ROILA-Vokabular nicht verwendet. Erstaunlicherweise aber b, und zwar sogar mit p innerhalb desselben Wortes, etwa in pubowu, pebafe, bosipu, tupebe, pabipe, pejabu, pawoba u.a. (vor allem das erste und letzte der genannten Wörter werden die Kommunikation zwischen Spaniern und Robotern vermutlich leicht erschweren …).

Die Buchstaben (und „Laute“, wie auch immer sie dann im Detail klingen) f (ROI 231, engl. 77), w (ROI 209, engl. 83) und j (ROI 215, engl. 6) kommen in sehr unterschiedlichen Verhältnissen in der ROI und im Englischen vor, s in der ROI (198) etwas seltener als im Englischen (239). Überhaupt nicht gefunden werden für die ROI c, h, q, x, z — alles Buchstaben, die für etwas „unsichere“ Laute stehen –, und v sowie r, die vermutlich dem Ko-Frikativ bzw. Ko-Liquid f und l weichen mussten.

Zum Schluss noch zwei Anagramme: patap (engl. ‚crazy‘) und pofop (engl. ‚over‘).

Wir haben also:

  • im Schnitt längere Worter in der ROI
  • eine höhere Vokalvielfalt in der ROI
  • keine Verwechslungsgefahr zwischen d/t und g/k und
  • eine insgesamt niedrigere Konsonantenzahl in der ROI.

So sollen uns nun also die Roboter verstehen: Wir müssen „ihre“ Sprache lernen, weil wir es nicht schaffen, ihnen unsere Sprache beizubringen.