Die Wörterbücher des Wörterbuchnetzes sind seit einiger Zeit mit einer neuen Technik verbandelt: Wie dies von anderen Anbietern schon einigermaßen bekannt ist, werden nun auch hier ajaxmäßig während der Eingabe potentielle „Treffer“ inkrementell angezeigt; außerdem ist nach meinem Eindruck die Suchfunktion bzw. die Ergebnisanzeige deutlich schneller geworden. Das ist alles sehr schön und ich möchte die neuen Funktionen uneingeschränkt loben.

Uneingeschränkt? Nein, ein paar Details sind mir dann doch noch aufgefallen: Wer das Deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm kennt (oder andere Grimm’sche Schriften), der weiß, dass dort anstelle des ß die Kombination sz verwendet wird (grosz statt groß usw.). Wer das nicht weiß, nicht daran denkt oder sich auf die schlaue neue Technik verlässt, der kommt in der Internet-Version nicht weit: Man hätte ja erwarten können, dass diese Fehlerquelle erkannt und automatisiert zu beseitigen versucht wird. De facto ist es aber so, dass, wer „groß“ als Suchwort eingibt, lediglich das Ergebnis „Grosselbeere“ erhält. Dasselbe bei „gross“ (für die Schweizer). Man muss schon in Grimm’scher Weise „grosz“ eingeben (oder „gros“ und dann in der Ergebnisliste „unter den Falz“ scrollen), um zum gesuchten Eintrag zu kommen.

Das liegt daran, dass im Wörterbuchnetz offensichtlich jedes ß automatisch zu ss erweitert wird, womit man in fast jedem deutschen Wörterbuch gut fahren würde, nicht aber im Deutschen Wörterbuch. Das Wörterbuchnetz enthält aber noch andere Komponenten, etwas Adelungs Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. Hier zeigt sich, dass diese Zuordnung ß-ss auch andersherum funktioniert: Wer nach „gross“ sucht, erhält automatisch „groß“. Das ist so weit nicht zu kritisieren. Seltsam ist nur, dass, wer nach „weissagen“ sucht, als Ergebnis „weißagen“ erhält, obwohl das Original hier deutlich zwei s zeigt. Hier war die Technik offensichtlich etwas zu schlau (oder es gibt tatsächlich noch eine Ausgabe des Wörterbuchs, in dem das so steht).

Eine weitere technische Unterstützung ist die der Ersetzung von ä zu ae, ö zu oe, ü zu ue und umgekehrt. Wer also nach „Baer“ sucht, erhält als Ergebnis auch „Bär“. Und wer „Pösie“ sucht, findet „Poesie“. Man könnte jetzt kritisieren, dass, wer im DWB „zuerkennen“ finden will und „zuer“ eingibt, sich erst durch „Zürbe“, „Zürbel“, „Zürbelnusz“ usw. bis zum gesuchten Wort duchsuchen muss. Der/die Suchende könnte aber auch einfach noch ein „k“ zusätzlich eingeben und wäre damit schon fast am Ziel. Die Vorteile überwiegen hier wahrscheinlich die Nachteile. Die Sache mit dem ß, an der könnten sie aber noch etwas drehen …