Die Partikeln gehören mit Sicherheit zu den Elementen in der deutschen Sprache, die den Germanistikstudierenden — und nicht nur diesen — das Leben schwer machen. In der Schule hat man von dieser Wortart üblicherweise nichts gehört — und in den üblichen Wörterbüchern ist die Beschreibung bestenfalls inkonsistent.

Zum Beispiel im Deutschen Wörterbuch von Wahrig (hier anhand der 8. Aufl. 2006 auf CD-ROM). Dieses enthält einen Rahmentext „Lexikon der Sprachlehre“, in dem s.v. Partikel gesagt wird:

Der Begriff P[artikel …] bezeichnet
1) im weiteren Sinn alle unflektierbaren Wortarten, also →Präpositionen, →Konjunktionen, →Adverbien und →Interjektionen;
2) im engeren Sinn nur solche unflektierbaren Wörter, die – im Gegensatz zu Adverbien, Präpositionen, Interjektionen und Konjunktionen – nicht als selbstständiges Satzglied stehen können.
Man unterscheidet dabei zwischen
a) Abtönungs- oder Modalpartikeln (aber, denn, doch, wohl, eben)
b) Gradpartikeln (nur, einzig, auch, ferner, sogar, selbst, noch, erst)
c) Negationspartikeln (nicht, kein)
d) Steigerungspartikeln (außergewöhnlich, höchst, ziemlich, weitaus)
[…]

An dieser Beschreibung ist zunächst einmal nichts auszusetzen. Wie sieht es aber nun im Wörterverzeichnis aus. Die unter a) genannten Beispiele (aber, denn usw.) werden dort auch jeweils als Abtönungspartikeln bezeichnet. Die unter b) genannten nur, auch, erst werden ebenfalls als Abtönungspartikeln bezeichnet (und den gewählten Beispielen entsprechend ist das korrekt), nicht als Gradpartikeln. Ebenfalls nicht als Gradpartikel, sondern schlicht als Partikel bezeichnet wird einzig (das mit dem Synonym nur beschrieben wird). Bei ferner, sogar, selbst, noch wird gar keine Partikel-Lesart aufgeführt, sondern es werden die Adverbien bemüht. Unter c) wird nicht als Adverb und wiederum als Abtönungspartikel aufgeführt, nicht [!] als Negationspartikel (de facto ist hier wie oben die Adverb-Lesart die eigentliche Partikel-Lesart). Das oben noch als Negationspartikel genannte kein ist im Artikel nur noch Indefinitpronomen. Unter d) schließlich ist außergewöhnlich nur Adjektiv, höchst, ziemlich und weitaus sind Adverbien. Die Termini Grad-, Negations- oder Steigerungspartikel werden in den Artikeltexten also gar nicht verwendet. Stattdessen fungiert die Wortart Adverb als Dach für viele der eigentlichen Partikeln, womit der im oben zitierten „Lexikon der Sprachlehre“ genannte „weitere Sinn“ des Terminus Partikel einigermaßen auf den Kopf gestellt wird.

Wer nun aber glaubt, im Duden-Universalwörterbuch (5. Aufl. 2003 auf CD-ROM) besser beraten zu werden, irrt. Hier die relevanten Wortartenzuordnungen in diesem Wörterbuch:

  • aber: Partikel
  • denn: Partikel und eine nicht terminologisch benannte weitere Kategorie, m.E. verwandt mit den Abtönungspartikeln
  • doch: Partikel
  • wohl: Partikel
  • eben: Partikel
  • nur: Partikel
  • einzig: Adverb
  • auch: Partikel
  • ferner: Adverb
  • sogar: Adverb
  • selbst: Adverb
  • noch: Partikel
  • erst: Partikel
  • nicht: Partikel
  • kein: Indefinitpronomen
  • außergewöhnlich: Adjektiv
  • höchst: Adverb
  • ziemlich: Adverb
  • weitaus: Adverb

Wie im Wahrig wird fleißig die Kategorie Adverb zugeteilt — hier würde ich gerne einmal das zugrundeliegende Corpus sehen. Mit einer weiteren Gliederung in Abtönungs- oder Gradpartikeln wird gar nicht erst angefangen — was man aber von einem Wörterbuch vielleicht auch nicht unbedingt erwarten muss. Im Umtext „Kurze Grammatik der deutschen Sprache“ wird der Terminus Partikel gar nicht verwendet — das ist unschön, da dieser Terminus dann ja in den Artikeln als Wortartbezeichnung vorkommt. Immerhin kommt man so aber nicht in die Verlegenheit, einen Widerspruch zwischen der Beschreibung im Wörterverzeichnis und der Beschreibung in einem linguistisch-terminologischen Umtext zu fabrizieren, was man den Wahrig-Machern wirklich vorwerfen muss.

Bewanderte mögen nun noch einwerfen, dass es ja noch das Lexikon deutscher Partikeln von Gerhard Helbig gibt (erschienen 1994, und inzwischen muss man dafür offensichtlich Mondpreise bezahlen), oder das erst kürzlich erschienene (und noch teurere) Wörterbuch deutscher Partikeln von René Métrich und Eugène Faucher. Ich bin mir aber fast sicher, dass keine Studentin und kein Student der Germanistik diese beiden Werke auf dem heimischen Schreibtisch stehen hat. Mit den Standardwörterbüchern kommt man aber in der Partikelfrage nicht sehr weit.