Ich hatte ja angekündigt, ein paar Wörter vorzustellen, die nicht ganz so im Fokus stehen. Das nächste hier hatte ich eine Weile lang als „Überraschungskandidaten“ in Sinn:

Cablegate

Das Wort Cablegate bezeichnet die Veröffentlichung von Depeschen US-amerikanischer Botschaften durch WikiLeaks Ende 2010. So weit war das noch keine Arbeit für mich, denn dass stammt alles, inklusive einer ganz übersichtlichen Darstellung der Wortherkunft, aus dem entsprechenden Wikipedia-Artikel, den es seit dem 29.11.2010 gibt:

Veröffentlichung von Depeschen US-amerikanischer Botschaften durch WikiLeaks
(Weitergeleitet von Cablegate)

Die Veröffentlichung von Depeschen US-amerikanischer Botschaften durch WikiLeaks, ab dem 28. November 2010[1] wird auch Cablegate genannt (analog zu Watergate; diplomatic cable, dt. Drahtberichte, bezeichnet diplomatische Berichte, Dossiers und Depeschen, die früher per „Kabel“, also per Telegrafie übermittelt wurden[2]).

Das sind im Prinzip schon ein paar Punkte für dieses Wort: Es ist neu, es ist englisch und es gibt einen Wikipedia-Artikel dazu, der noch nicht von eifrigen Wächtern über die Relevanz der Inhalte gelöscht wurde — was also zumindest ein Hinweis auf einen gewissen Bekanntheitsgrad und eine gewisse Verbreitung ist.

Dass Skandale seit Watergate gerne eine Bezeichnung mit -gate erhalten, ist wohl bekannt. Und nicht nur Skandale — nach einer Durchsicht der Verwendung einiger dieser „Gates“ ist man versucht zu konstatieren, dass auch jede Provinzposse gerne als „Gate“ in den Rang einer international aufsehenerregenden Affaire gehoben wird. Es folgt eine Übersicht über einige „Gates“ von größerer oder weniger großer Bedeutung:

Für den Innenminister, der bisher so unangenehme Vorfälle wie die gewaltsamen „Poll Tax“-Demonstrationen und den IRA-Raketenanschlag auf Downing Street politisch überlebt hat, könnte die Aufklärung von „Bakergate“ nun zu dem Ereignis werden, das ihm den Rest gibt. (Die Presse, 25.11.1991; Die Polizei, die IRA und ein Ausbruch)

Im Bankskandal «Baligate» waren Politikern aus dem Gefolge von Präsident B. J. Habibie knapp 70 Mio. $ überwiesen worden. (St. Galler Tagblatt, 05.10.1999, Ressort: TB-WIR (Abk.); Politik lähmt Indonesiens Aufschwung)

Da war Kulturminister David Mellor, den seine – abgehörte -Affäre mit einer Schauspielerin und von Privatpersonen bezahlte Auslandsreisen den Kragen kosteten, da waren verbale Ausrutscher des Premiers wie „Bastardgate„, als er drei seiner eigenen Kabinettsminister als „Schweinehunde“ bezeichnete. (Die Presse, 10.02.1994; John Majors Pechsträhne als politisches Handikap)

Guttenberg steht nicht allein Auch Minister der SPD kauften Gesetzentwürfe BERLIN — Das Wort von „Beratergate“ macht die Runde. (Nürnberger Zeitung, 14.08.2009, S. 4; Guttenberg steht nicht allein – Auch Minister der SPD kauften Gesetzentwürfe)

Längst machte das Wort vom „Bertiegate“ die Runde – eine Anspielung auf den Watergate-Skandal, der einst zum Rücktritt des US-Präsidenten Richard Nixon führte. (Nürnberger Zeitung, 03.04.2008, S. 6; Irischer Premier tritt zurück – „Bertiegate“ kostet Bertie Ahern das Amt )

Israels Höchstgericht befaßt sich mit ,Bibigate` (Vorarlberger Nachrichten, 02.05.1997, S. A2, Ressort: Politik; Israels Höchstgericht befaßt sich mit ,Bibigate`)

Franz Fegeler über Mitgliedsbeiträge, Spenden und Staatszuschüsse „Bimbesgate„. Es war der Altkanzler Helmut Kohl, der das in seiner rheinland-pfälzischen Heimat gebräuchliche Wort „Bimbes“ für Geld in den Sprachgebrauch der CDU-Führung einbrachte, als es der Partei finanziell noch glänzend ging. Jetzt bemüht sich die Union darum, aus dem von Kohl mitverursachten Spendensumpf herauszukommen. (Vorarlberger Nachrichten, 17.03.2000, S. A2, Ressort: Politik; HINTERGRUND)

Hinzu kommt ein Ereignis, das mittlerweile als „Blabbergate“ („Plauder-Affäre“) bezeichnet wird. (Frankfurter Rundschau, 27.10.1998, S. 2, Ressort: NACHRICHTEN; Kanadas Regierung schafft es mit viel Mißgeschick, den Polizeieinsatz beim Apec-Gipfel zum Dauerbrenner zu machen)

Holland Börsenaffäre eskaliert zum „Börsengate„. (Die Presse, 05.12.1997, Ressort: Economist; Hollands Finanzskandal wird zum „Börsengate“)

Von „Camillagate“ weiß man bisher nur, daß es „von einem gewöhnlichen Mitglied des Publikums“ mitgeschnitten worden sei, wie „Mirror“ Chef Stratt erklärte. (Salzburger Nachrichten, 19.01.1993; Das spätpubertäre Liebesgeflüster von Thronfolger Charles mit …)

Tatsächlich hat ihm die Welt ein paar Enthüllungen zu verdanken, zum Beispiel „Cannabisgate„. Vor vier Jahren kriegte der Journalist heraus, dass der Jungprinz Harry für einen Tag in die Drogenklinik musste, nachdem er heimlich Haschisch geraucht hatte. (Rhein-Zeitung, 10.08.2006; Abhöraffäre erschüttert das britische Königshaus)

Nach «Climategate» folgt nun «Glaciergate». (St. Galler Tagblatt, 26.01.2010, S. 8; Seitenblick)

[W]er die Fia und die Formel-1-Politik kennt, den konnte das Urteil des Fia-Weltrats gegen Renault im Fall „Crashgate“ beim Singapur-Grand-Prix 2008, als Nelson Piquet junior auf Anweisung seiner Teamchefs einen Unfall verursachte, um seinem Teamkollegen Fernando Alonso zum Sieg zu verhelfen, nicht wirklich überraschen. (Nürnberger Nachrichten, 22.09.2009, S. 19; Akt der Gnade für Renault – Zwei Jahre zur Bewährung, aber lebenslang für Briatore )

Nach „Dianagate“ jetzt auch „Charlesgate“ – und demnächst womöglich auch „William und Harry-Gate„, falls die königlichen Sprößlinge irgendwelche Mobiltelephone in die Finger bekommen? (Die Presse, 14.11.1992; „Ich liebe Dich, Camilla“ )

Dass Günther Becksteins Gemahlin Marga als Fränkin weder mit der oberbayerischen Tracht noch mit dem Münchener Massenbesäufnis viel anzufangen wusste, hatte für aufgeregte Debatten gesorgt. Nicht auszuschließen, dass „Dirndlgate“ den früheren Regenten sogar Stimmen kostete. (Mannheimer Morgen, 21.11.2008, S. 4; Karin Seehofers heikler Gang ins Rampenlicht)

In Großbritannien sprach der „Daily Mirror“ von einem „Ferrarigate“. (Hannoversche Allgemeine, 15.09.2007, S. 28; „Silberpfeile“ kämpfen um ihren guten Ruf)

Analog der Watergate-Affäre, die Präsident Nixon das Genick brach, heißt der Scott-Report im Sprachgebrauch der politischen Kommentatoren nun „Irakgate„. (Nürnberger Nachrichten, 28.02.1996, S. 2; Wilde Debatte um anrüchige Waffengeschäfte mit Saddam Hussein im britischen Unterhaus)

Nicht als der einzige US-Präsident, der zwangsweise sein Amt aufgeben mußte, der im Mittelpunkt von „Watergate“ stand, jenem Skandal, an dem seither jeder andere gemessen wird -„Irangate„, „Irakgate“ oder nun „Whitewatergate„. (Die Presse, 25.04.1994; „Ich fürchte das Urteil der Geschichte nicht“)

Die Redakteure schreiben von „Kofigate“ für die Misswirtschaft im Öl-für-Lebensmittel-Programm – eine Anspielung auf den Watergate-Skandal. (Rhein-Zeitung, 31.03.2005; Bericht entlastet Annan im UN-Skandal)

Kremlgate oder Seifenoper (Frankfurter Rundschau, 19.04.1999, S. 3, Ressort: DIE SEITE 3; Rußlands oberster Ankläger könnte dem größten Skandal während der Präsidentschaft Jelzins auf der Spur sein)

Die Linken sprechen bereits von „Merkels Kundusgate“ – eine Anspielung auf die Watergate-Affäre. (Hamburger Morgenpost, 15.12.2009, S. 5; Linke „Kundusgate“ für die Kanzlerin)

So war es zum Beispiel beim sogenannten „Möbelgate„. Als Anfang Februar Anzeigen einer Möbelfirma mit dem Konterfei des Präsidenten erschienen, ließ Kwasniewski wissen, daß er nichts dabei finde, wenn ein Präsident eine „gute Exportfirma unterstützt“. (Frankfurter Rundschau, 28.02.1998, S. 2, Ressort: NACHRICHTEN; Polens Präsident soll zehn Millionen Dollar verschoben haben / Die vielen Affären schaden seiner Popularität nicht)

Lewinskygate (Die Presse, 01.08.1998, Ressort: Ausland; Clintons Sex-Affäre läßt die Bevölkerung kalt)

Es wurde nichts mit «Monicagate», ein Mediengate ist’s geworden – doch tagelang beherrschte «die Affäre» das Geschehen, lähmte die Regierung, entfachte beinah‘ eine Staatskrise. (St. Galler Tagblatt, 07.02.1998, Ressort: TB-AUS (Abk.); Aufatmen im amerikanischen Winter)

Irangate, Monicagate – jede Affäre trägt heute den Zusatz, der von dem Namen des Apartmentkomplexes Watergate herrührt, in dem die Einbrecher im Auftrag des Präsidenten ihr Unwesen trieben. (Rhein-Zeitung, 09.08.1999; Dunkler Schatten von gestern)

Janet Jackson wird von Justin Timberlake beim Super Bowl am 1. Februar das Top abgerissen. „Nippelgate“ (Hannoversche Allgemeine, 29.12.2007, S. 10) (auch: Nipplegate)

Aber dass der Medienunternehmer Berlusconi, der mit Fernsehformaten wie „Tutti Frutti“ nackte Brüste zur TV-Alltagsware gemacht hat, Angst vor einem italienischen „Nippelgate“ haben sollte, wäre schon komisch. (Hannoversche Allgemeine, 11.08.2008, S. 6)

Zum Streit zwischen CSU-Chef Edmund Stoiber und der Fürther Landrätin Gabriele Pauli Bericht und Kommentar vom 23.12. über »Pauligate« klingen ja sehr nach Kriegsberichterstattung. (Nürnberger Zeitung, 30.12.2006; Die CSU hat ein strukturelles Problem)

«Pornogate» nennen die Jurassier die Affäre, die Anfang März am Image des Kantons gekratzt hat. (Die Südostschweiz, 30.06.2009; Jurassische Porno-Surfer mit verschiedenen Strafen bedacht)

Russiagate“ nennen US-Medien die mafiosen Machenschaften, in die jetzt auch russische Spitzenpolitiker verwickelt sind. (Frankfurter Rundschau, 28.08.1999, S. 7, Ressort: NACHRICHTEN; Auch Präsident Jelzin und sein Clan sehen sich jetzt mit Vorwürfen konfrontiert, Kredite und Bestechungsgeld abgezweigt zu haben)

Salzachgate: FP forschte im SP-Computer SALZBURG. (TT, APA). Der elektronische Zugriff von Mitarbeitern des freiheitlichen Salzburger Landesrates Karl Schnell auf Dateien im Computer von SP-Landesparteichef Gerhard Buchleitner löste gestern einen handfesten Skandal aus. (Tiroler Tageszeitung, 03.10.1997, Ressort: Seite 1; Salzachgate: FP forschte im SP-Computer)

[D]ie meisten Politiker beider Parteien wollen das düstere Kapitel „Sexgate“ lieber heute als morgen geschlossen wissen. (Zürcher Tagesanzeiger, 19.08.1998, S. 3, Ressort: Hintergrund; Mitleid wäre tragisch)

Kurz nach dem Londoner „Tobaccogate„, der Diskussion über Tabakwerbung im Formel-I-Sport, ergriff die Labour-Regierung unter Premierminister Tony Blair der Katzenjammer. (Die Presse, 28.11.1997, Ressort: Chronik; Katzenjammer um Ex-Streuner Humphrey)

Auf den ersten Blick vier belanglose Sätze – doch sie lösten ein kleines Erdbeben aus. Denn der 25-jährige Basketball-Profi des NBA-Klubs Millwaukee Bucks verriet über das soziale Netzwerk Twitter nichts weniger als die Halbzeitansprache seines Trainers. […] Der Begriff „Twittergate“ war geboren. (Hannoversche Allgemeine, 05.11.2009; Stummer Vogel)

Erst als Vandenbroucke öffentlich erklärte, im Büro von Claes habe Mange 1989 der damaligen Parteispitze von einer Agusta-Offerte berichtet, funktionierte sein Gedächtnis wieder. Seither macht in Belgien das Wort von „Willygate“ die Runde. (Nürnberger Nachrichten, 24.03.1995, S. 2; Schmiergeldaffäre: Auch Belgiens Außenminister trat zurück – Claes in Not wg)

Ein Zitat möchte ich aufgrund der aktuellen Ereignisse in Deutschland noch gesondert hervorheben — es stammt aus dem Jahr 1999:

Der Dioxin-Skandal wird von vielen professionellen Belgien-Beobachtern als Wecker gesehen. „Chickengate“ rupfte die belgischen Konsumenten nämlich in einer Art, die der Affäre Dutroux sehr ähnlich ist. Nachdem die Behörden am 28. Mai den ersten Schritt getan und die Supermärkte dringend aufgefordert hatten, Hühner und Eier aus Belgien aus den Regalen zu entfernen, hagelte es Fragen, auf die eine eher hilflos wirkende Regierung mit immer neuen Vorsichtsmaßnahmen reagierte – und dadurch die Bevölkerung noch mehr verunsicherte. Klare Antworten fehlen aber bis heute. Wie gelangte das Dioxin wirklich in das alte Öl, das für die Erzeugung von Tiermehl und Futtergranulaten verwendet wird? War es ein Unfall mit einem verschmutzten Tanker, oder war es Betrug? (Die Presse, 12.06.1999, Ressort: Spectrum)

Im Gegensatz zur Verwendung von -gate als gebundenem Wortbildungselement, wie es in den obigen Fällen vorliegt, ist die Verwendung von Watergate, dem ursprünglich zugrundeliegenden Wort, auf das ja auch in vielen der oben zitierten Artikeln wie auch bei Wikipedia ausdrücklich Bezug genommen wird, eher selten:

Hugh Rodham, der Bruder der amerikanischen First Lady Hillary Clinton, steht im Mittelpunkt eines möglichen „Florida-Watergate„. (Die Presse, 21.04.1994; IN KÜRZE)

Als im März eine Warschauer Wochenzeitung enthüllte, daß Polen seit der Zeit der letzten kommunistischen Regierung insgeheim und illegal versucht hatte, seine Auslandsschulden beim Londoner „Klub der kommerziellen Banken“ unter Preis zurückzukaufen, da ahnte kaum jemand, daß dies der Anfang einer Art Polen-Watergate war. (Die Presse, 18.11.1991; Ein Herz für Österreich)

Dass das Wortbildungselement -gate schon über lange Jahre hinweg relativ produktiv genutzt wird, und zwar nicht nur im Englischen, aus dem sicherlich zahlreiche der oben genannten Beispiele als Zitatwörter entnommen sind, sondern auch als Konfix im Deutschen (Möbelgate, Dirndlgate usw.), steht also außer Frage. Hier geht es aber nicht um -gate, sondern um Cablegate. Da „Cablegate“ erst Ende 2010 war, bringen herkömmliche Corpora nichts, daher müssen wieder Google, Google-News und Co. bemüht werden. Vermutlich gibt es das Wort tatsächlich erst seit dem 28.11.2010, der erste Eintrag im Archiv der New York Times ist beispielsweise dann zu finden; ich habe etwas Schwierigkeiten mit dem englischen Google-News: dort werden die ersten Einträge für „cable gate“ erst zum 03.12. und für cablegate erst zum 18.12. angezeigt (!?), und auch die Google-Suche nach Zeiträumen spielt mir einen Streich, siehe:

2010-12-05: Cablegate: News from the infowar front [Update 1], page 1
5 posts – 4 authors – Last post: 12 May 2010
2010-12-05: Cablegate: News from the infowar front

Ich suche zwar auf google.com und auf Google in Englisch — aber mit den Datumsformaten scheint es trotzdem nicht zu klappen. Die Meldung vom 2010-12-05 ist eben nicht am 12. Mai, sondern am 05. Dezember geschrieben worden. Tss …

In den deutschen Google-News ist Cablegate der Senkrechtstarter unter den ganz, ganz neuen Wörtern mit Geburtsjahr 2010: Von 0 auf 114 in nur rund einem Monat. Auch die allgemeine Google-Suche für 2010 bringt für Deutschland, Österreich und die Schweiz relativ hohe Suchergebniszahlen im Vergleich zu anderen Anglizismuskandidaten (absolut jeweils im fünfstelligen Bereich, für D im hohen, für CH im niedrigen).

Zu grammatischen Eigenschaften von Cablegate: Das Wort bezeichnete die Wikileaks-Veröffentlichung am 28.11. Es hatte oder hat damit Ähnlichkeit zu einem Namen, der sich auf ein ganz bestimmtes Objekt bezieht (übrigens auch im Englischen, wo daher nicht selten auch Großschreibung vorliegt). Eine Verwendung als Gattungsbezeichnung ist zwar bei manchen, aber bei weitem nicht allen der oben zitierten anderen „Gates“ zu finden, etwa:

Manche sprachen gar von einem „Climategate“. (Nürnberger Nachrichten, 01.04.2010, S. 4; Unterhaus rehabilitiert die Klimaforschung – Ausschuss: Kein „Climagate“)

Es wurde nichts mit «Monicagate», ein Mediengate ist’s geworden (St. Galler Tagblatt, 07.02.1998, Ressort: TB-AUS (Abk.); Aufatmen im amerikanischen Winter)

Auch von einem Watergate an der Weichsel ist die Rede (Mannheimer Morgen, 03.09.2007; Chaos in Warschau)

Für Cablegate finde ich nur einen Beleg für die Verwendung mit unbestimmtem Artikel, aus einem Kommentar zu einer Meldung:

„Potentielle Unterstützer sollen womöglich von einer Kooperation mit WikiLeaks abgeschreckt werden.“ Das ist das Ziel der CIA… Konnte man in einem Cablegate nachlesen.“ (gulli.com, 11.01.2011)

Hier wird Cablegate als Bezeichnung verwendet für ein … ja, was eigentlich: Für eines der vielen Dokumente, die veröffentlicht wurden (was auch die folgende Kommentatorin vermutet, sie spricht von einem „Cablegate-Dokument“)? Für eine andere Wikileaks-Veröffentlichung?

Etwas häufiger ist die Verwendung im Plural, etwa bei diesem Artikel:

Wir können sicherlich weitere Cablegates erwarten aber wir können auch davon ausgehen dass die Offenheit und Grenzenlosigkeit der digitalen Revolution auf allen Seiten eingegrenzt wird. (heise.de, 29.11.2010, [fehlende] Kommasetzung i. Orig.)

oder in einigen Kommentaren, Foren- und Blogeinträgen, die Google zwar anzeigt, die dann aber auf der verlinkten Seite oft nicht mehr vorhanden sind … Ein Eintrag, den ich finden konnte, sieht ausschnittsweise so aus:

Ich finde das, was in den Cablegates bisher veröffentlicht worden ist ist weit weniger beunruhigend und skandalös als die Reaktion der USA auf Assanges Handeln. (forum.pharmapoint.at)

Ähnlich wie bei dem Kommentar aus gulli.com scheint mir bei dem letzten Kommentar die Lesart Cablegate ‚ein Dokument aus der Masse geleakter (US-Botschafts-)Dokumente‘ wahrscheinlich zu sein; bei dem Eintrag von heise.de (der ja bereits einen Tag nach der Wikileaks-Veröffentlichung geschrieben wurde) scheint mir die Bedeutung Cablegate ‚Veröffentlichung von (mehreren) Geheimkommunikaten‘ naheliegender zu sein.

Insgesamt sind diese Fälle allgemeiner Verwendung, bei denen sich Cablegate nicht auf „das“ Cablegate am 28.11. bezieht, eher selten, so dass es noch unklar ist, ob sich diese Bezeichnung verselbständigen und vom 28.11. und von Wikileaks loslösen wird. Ich halte das Wort für einen spannenden Kandidaten, habe aber auch meine Zweifel.