durchfaven

Es handelt sich um ein Twitter-Phänomen, deswegen soll hier auch ein Tweet zur Definition dienen:

durchfaven durch·fa·ven [ˈdurchfeɪvən] Eine Person auf Twitter in Folge mit mindestens 20 Sternen zu beschmeißen… (twitter.com: echt)

Oder, wie es der Vorschlagende im Sprachlog formulierte: „das massenhafte Favorisieren von Tweets eines einzelnen Users“.

Das Partikelverb durchfaven besteht aus der präpositional-adverbialen Verbpartikel durch und dem Basisverb faven, das es schon etwas länger gibt (verifizierbar: „Alle Leser welche … uns bei Technorati faven erhalten einen … Gutschein geschenkt“, Beleg vom Oktober 2007, kabel-blog.de) und das mit twick.it bedeutet: „einen Tweet zu seinen Favoriten (Lesezeichen) hinzufügen“. Durchfaven ist zweiwertig: Ich habe xyz durchgefaved. Die im Beispielsatz verwendete „hybride“ Partizipform durchgefaved mit ge- und englischer Endung -ed ist häufiger zu finden als die deutsche Normalform des Partizips schwacher Verben mit ge-…-t. Das ist ein Zeichen dafür, dass hier noch Unsicherheiten bestehen, wie das Wort im Deutschen zu verwenden ist. Die vom Vorschlagenden erwähnte Analogie von durchfaven zu durchficken mag für manche Twitter-Benutzer reizvoll sein („Mir scheint, manch eine/r von Euch müßte mal wieder so richtig durchgefaved werden.“, twitter.com: mbukowski), für diese Wahl ausschlaggebend ist sie nicht.

Kriterium ‚teilweise aus englischem Lehngut bestehend‘: erfüllt.

Meldungen im Google-News-Archiv für durchfaven, durchgefaved, durchgefavet und andere Formen: 0.

Verlauf bei Google Trends oder Google Insights: „Das Suchvolumen ist zu gering, um Grafiken anzeigen zu können.“

Kein Wikipedia-Eintrag, kein Wiktionary-Eintrag, kein Eintrag im wissen.de-Lexikon, keine Fundstelle im Forum von Spiegel Online oder Brigitte.

Summe aller Google-Ergebnisse für alle Flexionsformen von durchfaven im Präsens und Perfekt, mit Getrennt- und Zusammenschreibung der beiden Konstituenten, ohne Einschränkung des Suchzeitraums und ohne Einschränkung der zu durchsuchenden Top-Level-Domain: 424. Ich habe die Suche nicht auf 2010 beschränkt, das wäre zu deprimierend gewesen. Und die Treffer aus dem Sprachlog und den Blogs der Jury sind enthalten.

Mit anderen Worten: Kaum einer sucht nach diesem Wort und kaum einer benutzt es.

Kriterium ‚ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gelangt‘: nicht erfüllt.

Ich sage es mal so: Ich würde mich sehr wundern, wenn es durchfaven bei unserer Wahl weit bringen würde. Es hätte bei so wenigen Belegen eigentlich gar nicht in die zweite Runde zu kommen brauchen, aber dass es so weit gekommen ist, ist auch meine Schuld — ich habe kein Veto eingelegt. Vielleicht wird das Wort in der Twitter-Gemeinde wirklich häufiger verwendet als dies die Zahlen nahelegen, Fakt ist, dass durchfaven derzeit auf eine sehr kleine Community beschränkt ist und im Jahr 2010 meines Erachtens bei weitem nicht den Einschlag hatte, der es rechtfertigen würde, zum Anglizismus des Jahres zu werden.

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