Mir kam ein Werbezettel ins Haus geflattert, auf dem die Firma M-net ihr Produkt Maxi DSL mit einer Abbildung aus einem Wörterbuch und der Frage bewirbt: „Kun|den|zu|frie|den|heit … für Ihren DSL-Anbieter ein Fremdwort?“

Mal abgesehen davon, dass im Fragetext der (nach Wiegand so genannte) funktionale Angabezusatz zum Wortakzent und der Vokalquantität fehlt (mit anderen Worten: der Punkt unter dem u von Kun) — die Abbildung, die dazu gezeigt wird, und in der die Stelle, an der das Wort Kundenzufriedenheit „fehlt“, farblich umringelt ist, stammt aus dem Rechtschreib-Duden von 1991 (20. Auflage), ist also gut 20 Jahre alt. Was will uns das sagen? Sind die Konkurrenten M-net alle 20 Jahre hinterher? Oder war der einzige Duden, den man bei M-net auftreiben konnte, schon so alt (in der modernen Internetsprache braucht man so was ja nicht mehr LOL OMG ;-) !!!1!)? Das war im übrigen der letzte Rechtschreib-Duden vor der Rechtschreibreform — ein subtiles Statement gegen dass mit zwei s? Es war aber auch der erste Duden nach der Wiedervereinigung — ein Symbol für das Zusammenwachsen des Landes durch moderne Kommunikationstechnik? Ja, man könnte da schön schwadronieren und interpretieren. Vermutlich gibt es einfach grafische Gründe für die Wahl dieses Wörterbuchs, da der entsprechende Eintrag dort gut verwendet werden konnte.

Für das Wort Kundenzufriedenheit gibt es übrigens bis dato noch keinen Artikel im Rechtschreib-Duden — und erklärt würde es dort auch nicht. Es gibt auch keinen Artikel im Universalwörterbuch, oder im Großen Wörterbuch der deutschen Sprache. Und auch nicht im Fremdwörterbuch, in dem das Wort nach der Logik der Werbung dann ja eigentlich zu finden sein müsste (obwohl es komplett aus ziemlich „alten“ deutschen Bestandteilen gebildet ist, was wiederum natürlich erklärt, warum man es nicht im Fremdwörterbuch findet). Da mag sich der besorgte Sprecher fragen: Wenn das Wort nicht im Duden steht, gibt es es dann überhaupt? Und welches Wörterbuch benutzt dann M-net, denen dieses Wort angeblich nicht fremd ist? Vielleicht ja das Pons-Rechtschreibwörterbuch, denn darin ist der Ausdruck verzeichnet. Glück gehabt. Ich hatte ja schon befürchtet, dass Kundenzufriedenheit im Deutschen gar nicht existiert.

PS: Die richtige Antwort lautet natürlich: Es gibt selbstverständlich im Deutschen auch Wörter, die nicht im Wörterbuch stehen. Warum sollte man Kundenzufriedenheit auch im Wörterbuch aufnehmen? Das Wort ist aus seinen Bestandteilen heraus verständlich — und die sind im Wörterbuch verzeichnet. Wenn man aber anfangen wollte, alles ins Wörterbuch zu schreiben, was möglich ist, käme man von der Kundenzufriedenheit über die Kundenzufriedenheitsumfrage bis zur Kundenzufriedenheitsumfragenauswertung und so weiter. Die Konkurrenten von M-net sind dahingehend sehr vernünftig, wenn sie dieses Wort nicht eigens in ihr Rechtschreibwörterbuch schreiben. Das ist allerdings keine Aussage über die Qualität der Internetanbindung, denn davon habe ich keine Ahnung.