Als Tierfreund bin ich ja dagegen, dass Säue durch Dörfer gejagt werden. Die Sau des heutigen Tages war die PKW-Maut, die aus Rechenübungen des Bundesverkehrsministeriums in die Presse geraten ist. War wohl viel Lärm um nichts, wie sich mittlerweile herausstellt, die Bundeskanzlerin ließ dementieren. In den Nachrichten von B5 aktuell hieß es noch:

Gleichzeitig räumte die Sprecherin aber ein, dass man im Ministerium darüber nachdenke, wie sich die anstehenden Straßenreparaturen finanzieren lassen. (Hörbeleg, 18.04.2011, 20:16 Uhr)

Von allen Lesarten des Verbs einräumen ist meines Erachtens diejenige mit der Bedeutung ‚zugeben, zugestehen, eingestehen‘ die einzige, die in diesem Kontext einigermaßen passt. Aber was soll sie in diesem Satz? Muss ein Ministerium jetzt schon eingestehen, dass es seine Arbeit macht? Und zur Arbeit eines Ministeriums gehört es ja wohl, sich unterschiedliche Wege zu überlegen und gegeneinander abzuwägen, wie bestimmte Maßnahmen umgesetzt und bezahlt werden können. Dieses einräumen klingt mir ganz wie eine journalistische Trotzreaktion: Wir haben den ganzen Tag lang heiße Luft gesendet, weil wir zu quotengeil sind, um Gerüchte erst einmal zu hinterfragen, aber die Schuld daran schieben wir lieber auf andere. Liebe Leute, nehmt doch bitte etwas Rücksicht auf die Säue.

Für alle, denen dieser Post bis hierher zu viel Journalisten-Bashing und Unterstützung unseres Verkehrs-Ramsauers (über die ich mich selbst am meisten wundere) und zu wenig Linguistik oder Lexikographie enthielt, noch die folgende Information: Maut ist ein urdeutsches Wort, wie ein Blick in das Etymologische Wörterbuch zeigt: Im Kluge wird es auf ein germanisches *mōta ‚Abgabe, Entschädigung für Durchfahrt und Hilfe‘ zurückgeführt. Sowohl im Kluge als auch im (oben verlinkten) Pfeifer wird die Form des Althochdeutschen (mūta) als Althochdeutsch-Bairisch gekennzeichnet, im Kluge auch noch das Mittelhochdeutsche maut (laut Kluge schon in der diphthongierten Form). Mauten waren also in Deutschland schon ein Weg, an Geld zu kommen, als es Deutschland noch gar nicht gab. Und es ist auch keine rechte Überraschung mehr, dass der Vorschlag aus dem Hause eines CSU-Politikers kommt …