PONS bereitet sein Wörterbuch der Jugendsprache 2012 vor. Oder, besser gesagt: lässt vorbereiten. Der Verlag ruft dazu auf, ihn mit Wörtern aus der Jugendsprache zu versorgen. „Jeder kann mitmachen!“ — oder vielleicht doch nur Schulklassen, so ganz wird das nicht klar.

Rein wirtschaftlich scheint mir das für den Verlag eine geschickte Strategie zu sein: Die Redaktion braucht sich dann aus dem Haufen an Zusendungen nur noch die „schönsten“ herauszusuchen und spart sich eine Menge Arbeit, die sie hätte, wenn sie Jugendliche im ganzen deutschsprachigen Raum längerfristig in authentischen Sprechsituationen beobachten würde.

Als Korrektiv, dass nicht allzu viel Quatsch oder Sexual- und Fäkalklamauk in den Listen steht, versucht man wohl die Lehrer einzuspannen, die in den Vorschlagslisten ihre Kontaktdaten angeben müssen. Dafür, dass sie dem Verlag weitere Arbeit abnehmen, haben sie auch die Chance, einen Reisegutschein zu gewinnen. Ein ziemlich offensichtlicher und nach Bestechung riechender Versuch, den Namen des eigenen Unternehmens in den Unterricht zu bugsieren — darf man das eigentlich? Dabei hätten die Lehrer die Belohnung wirklich verdient, denn wenn sie ihre Schüler tatsächlich dazu anleiteten, ihre eigene Sprechweise zu reflektieren, könnten die Ergebnisse schon ganz interessant werden — als introspektive Selbstanalyse, als Einblick in das sprachliche Bewusstsein. Es steht allerdings zu befürchten, dass solche Ergebnisse verwässert werden von den Ausdrücken, die in einer „spannenden Vertretungsstunde“ mal eben so spaßig notiert wurden, um die lieben Kleinen zu beschäftigen.

Aber da die Medien, wie man inzwischen weiß, immer gerne über die Sprache von Pubertierenden berichten und damit gleichzeitig die Wörterbücher bewerben, wird man wohl auch mit dem Wörterbuch der Jugendsprache 2012 Geld verdienen. Und es werden bestimmt auch wieder einige ganz amüsante Ausdrücke darin stehen. Dazu immerhin sind die Jugendsprach-Wörterbücher dann doch gut: Sie lassen erkennen, dass die Jugend, allen Kultur- und Sprachpessimisten zum Trotz, immer noch über Kreativität und Sprachwitz verfügt. Und das ist ja auch schon etwas.