Ruth Klappenbach wurde am 7. Oktober 1911 in Niedersteinbach geboren. Nach Studium (Deutsch, Englisch, Geschichte) und Assistententätigkeit bei Theodor Frings in Leipzig wurde sie im Jahr 1952, gemeinsam mit Wolfgang Steinitz, Mitbegründerin und Mitherausgeberin des Wörterbuchs der deutschen Gegenwartssprache (WDG) an der Deutschen Akademie der Wissenschaften (später: Akademie der Wissenschaften der DDR) in Berlin.

Das WDG ist ein großes gegenwartssprachliches Bedeutungswörterbuch, wie es ein solches in der damaligen Zeit weder in der BRD noch in der DDR gab. Die erste Lieferung erschien 1961; nach seinem Abschluss im Jahr 1977 umfasste das Wörterbuch sechs Bände mit über 4500 Seiten und ca. 100.000 Stichwörtern (der erste Band des sechsbändigen Großen Wörterbuchs von Duden (BRD) erschien erst 1976, kurz vor Abschluss des WDG).

Mit dem WDG wurden „neue Maßstäbe für die Lexikographie der deutschen Gegenwartssprache gesetzt“, es wird als „d i e  Pionierleistung der germanistischen Lexikographie im Bereich der großen mehrbändigen, einsprachigen Wörterbücher der deutschen Standardsprache der Gegenwart“ bezeichnet (vgl. Wiegand 1990, 2130; auch für die folgenden Punkte):

  • Die Grundlage bildete eine eigens aufgebaute Datei von ca. 2,5 Mio. Belegen — nicht, wie sonst üblich, lediglich die Daten anderer Nachschlagewerke.
  • Das Konzept ist linguistisch fundiert.
  • Das Schwergewicht liegt nicht (mehr) auf der Form der verzeichneten Ausdrücke, sondern auf der Beschreibung der Bedeutung (die allerdings insbesondere ab 1970/Band 4 „auf der Grundlage der marxistisch-leninistischen Weltanschauung“ erfolgte (H. Malige-Klappenbach in: Studien […] 1980, S. 10; vgl. auch Zieliński 2008)).
  • Die Artikel sind übersichtlich aufgebaut, obwohl „Begriffe wie Mikro-, Medio- und Makrostruktur [nicht existierten], sie ließen noch Jahrzehnte auf sich warten“ (Malige-Klappenbach 1988, S. 215).
  • Erstmals werden Komposita in den Artikeln zu ihrem Grundwort berücksichtigt.
  • Erstmals werden einheitliche Stilangaben durchgehend verwendet.
  • Erstmals werden Neologismen durchgehend gekennzeichnet.

Am WDG war auch Ruth Klappenbachs ältere Schwester, Helene Malige-Klappenbach, beteiligt. „Zum ersten Mal in der deutschen Lexikografiegeschichte beteiligten sich Frauen offen und hauptamtlich an lexikografischer Arbeit.“ (Hass-Zumkehr 2001, S. 225)

Ruth Klappenbach starb am 2. Februar 1977, als das WDG gerade fertiggestellt war, im Alter von 65 Jahren in Schöneiche. Das Wörterbuch diente in neuerer Zeit als Grundlage für das DWDS und wird so auch heute noch benutzt.

 

Quellen und Literatur:

  • Haß-Zumkehr, Ulrike: Deutsche Wörterbücher. Brennpunkt von Sprach- und Kulturgeschichte. Berlin/New York 2001. [Ausschnitt in Google-Books.]
  • „In memoriam Ruth Klappenbach“. In: IDV-Rundbrief 20.1977, S. 4. [Auch online (PDF).]
  • Malige-Klappenbach, Helene: Das erste große deutsche Wörterbuch in diesem Jahrhundert und seine Bedeutung. EURALEX 1988 Proceedings, S. 215–220. [Auch online (PDF).]
  • Studien zur Modernen Deutschen Lexikographie. Auswahl aus den lexikographischen Arbeiten. Ruth Klappenbach (1911–1977). Erw. um 3 Beiträge von Helene Malige-Klappenbach. Hrsg. v. Werner Abraham unter Mitw. v. Jan F. Brand (Linguistik aktuell 1). Amsterdam 1980. [Ausschnitt in Google-Books: Bibliographie von Ruth Klappenbach.]
  • Wiegand, Herbert Ernst: Die deutsche Lexikographie der Gegenwart. In: Wörterbücher, Dictionaries, Dictionnaires. Ein internationales Handbuch zur Lexikographie. Hrsg. v. Franz Josef Hausmann, Oskar Reichmann, Herbert Ernst Wiegand, Ladislav Zgusta. 2. Teilbd. (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 5.2). Berlin/New York 1990, 2100–2246.
  • Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache – WDG. Internet: http://www.dwds.de/wdg/.
  • Zieliński, Lech: Geschichte des Wörterbuchs der deutschen Gegenwartssprache von R. Klappenbach und W. Steinitz unter besonderer Berücksichtigung seiner Ideologisierung. In: Studia Germanica Gedanensia 16.2008, 155–176. [Auch online (PDF).]