Während wir uns hier mit dem Einfluss der englischen Sprache auf das Deutsche beschäftigen (wer noch nicht mitgemacht hat: die Publikumswahl zum Anglizismus des Jahres 2011 endet morgen um Mitternacht!), ist man auf der Heimatinsel des Englischen gerade mit den Feinheiten deutschstämmiger Wörter beschäftigt:

Alex Salmond, schottischer Ministerpräsident und Politiker der — laut Wikipedia — separatistischen, linksliberalen Scottish National Party, hat einen leitenen Angestellten der BBC als „gauleiter“ bezeichnet. Jetzt verteidigt er sich damit, dass dieses Wort im Wörterbuch eine allgemeine Bedeutungserläuterung habe als „an overbearing wielder of petty authority“ (gar nicht so einfach, das zu übersetzen, anmaßender Paragraphenreiter oder Westentaschennapoleon trifft’s nach meinem Gefühl nur so halb). Er vergisst dabei aber großzügig zu erwähnen, dass die erste Lesart in demselben Wörterbuch einen eindeutigen Nazi-Bezug hat. (Siehe z.B. scotsman.com.)

In deutschen Wörterbüchern (online s. z.B. DWDS und Duden) wird das Wort nur mit Bezug auf den Nationalsozialismus erklärt. Im Englischen hat sich hier eine Bedeutungserweiterung ergeben (ähnlich wie beim Nazi, den es ja mittlerweile auch als Grammar Nazi und in anderen Varianten gibt). Da es um den gauleiter seit Anfang der Woche so große Aufregung gibt, habe ich spontan beschlossen, das Wort zum Germanismus der Woche zu küren (was natürlich keine positive inhaltliche Aussage über das Wort und seine Bedeutung beinhaltet, muss man das immer noch dazuschreiben?).

Trotz aktueller Berichterstattung kamen in dieser Woche leider nicht in die engere Auswahl: sauerkraut und autobahn, lederhosen, Gamsbart, Gesundheit und die unumgängliche Schadenfreude.