In einem heutzutage fast vergessenen sozialen Netzwerk mit dem Namen StudiVZ gab es eine ziemlich beliebte Gruppe mit dem Titel/Namen „Wenn ich einmal alt bin, werde ich nur noch nörgeln. Das wird ein Spaß.“ (oder so ähnlich). Ich glaube, dieser Titel fasst ein grundsätzliches soziogeriatrisches Prinzip unserer Gesellschaft knapp zusammen, ein Prinzip, dem sich niemand entziehen kann. Ich auch nicht. Auch ich werde dereinst fleißig nörgeln, und zwar insbesondere darüber, wie die Jugendlichen, die Werbeleute, die Radio- und Fernsehmoderatoren, die Zeitungsfuzzys und Journalisten, die [hier beliebiges Feindbild eintragen] sprechen und schreiben.

Aber da ich ja mal Sprachwissenschaft studiert habe, werde ich das natürlich mit entsprechend nerdigen Formulierungen tun. Etwa so (*):

Der ist doch mit dem Adelung über den Fuß gespannt!

Da soll der Adelung drein schlagen! — oder:

Da soll ihn doch der Adelung holen!

Bis ich einmal so alt bin, darf sich natürlich jeder, der will, diese üblen Beschimpfungen schon einmal ausborgen.

(*) Die Formulierungen sind minimal modifiziert nach:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Band 1. Leipzig 1867. Im Internet: http://www.zeno.org/Wander-1867/A/Adelung (dort auch Bedeutungsangaben zu den Ausdrücken). Wer nicht Sprachwissenschaft studiert hat und daher nicht über das Nerd-Wissen verfügt, was ein „Adelung“ ist: Wikipedia hilft.

PS: Und ich werde auch solche Sachen sagen wie: „Wer in seiner Jugend kein deskriptiver Sprachwissenschaftler ist, hat kein Herz, aber wer im Alter nicht präskriptiv wird, hat keinen Verstand.“ (Frei nach ziemlich vielen Leuten.) Ja, das wird in der Tat ein Spaß … ich glaube, ich werde schon bald damit anfangen.