Kann das Zufall sein? Schon wieder zwei sprachbezogene Cartoons bei xkcd und bei Cyanide & Happiness am selben Tag, und beide behandeln, in unterschiedlicher Weise, die Verwendung des Wortes literally im Englischen:

Cautionary Ghost

Das nehme ich zum Anlass, um auf diesen Zug aufzuspringen — nein, ich zeichne dazu jetzt aber keinen Cartoon.

Ich habe mir aber auch schon einmal, vor Längerem, angeschaut, wie entsprechende Ausdrücke im Deutschen verwendet werden (motiviert durch Lese- und Hörerfahrungen in Zeitung und Radio), und zwar buchstäblich und im wahrsten Sinne des Wortes. Hier findet man nämlich ganz vergleichbare Verwendungen wie im Englischen bei literally, die aber im Deutschen — nach meinem Eindruck — viel weniger thematisiert werden. Vielleicht kann man sagen, dass literally dem englischen Kulturpessimisten das ist, was die Anglizismen dem deutschen sind.

Nun, jedenfalls lässt sich bei einer Durchsicht einiger Corpusbelege (DeReKo) feststellen, dass sowohl buchstäblich als auch im wahrsten Sinne des Wortes häufig in Kontexten verwendet werden, in denen eine „wortwörtliche“ Bedeutung so gut wie ausgeschlossen ist. Man kann sich jetzt natürlich darüber streiten, was eine „wortwörtliche“ Bedeutung sein soll. Die deutsche Sprache ist so reich an Vergleichen, Metaphern, Bedeutungsübertragungen, die inzwischen auch längst lexikalisiert sind und uns gar nicht mehr als solche auffallen, dass so ein Konzept schon schwer zu vertreten ist. Ich meine, man solle sich den Wortlaut der folgenden (etwas zahlreichen) Zitate einmal bildlich vorstellen, dann kommt man meinem Begriff davon vermutlich ziemlich nahe:

„Die große Nachfrage hatte uns buchstäblich erschlagen“, sagte Oberbürgermeister Stephan Weil. (Hannoversche Allgemeine, 19.05.2008, S. 11)

Zum Glück lebt er noch.

… diese mehr assoziativ-additiv reihende Kette von Gedanken-Splittern und rossininesk wirkenden Ideen-Perlen, diese beständigen aufreizenden Klang-Detonationen, die jedes herkömmliche Schema buchstäblich von innen sprengen … (Salzburger Nachrichten, 13.12.1993)

Nicht genug, dass ein (theoretisches) Schema „buchstäblich“ gesprengt werden kann, sondern auch noch von Gedankensplittern, Ideenperlen und Klangdetonationen … Die Welt ist gefährlich.

Ein Buch, in dem sich auch Erwachsene schauend verlieren können: Auf verschlungenen Pfaden wird man darin buchstäblich in die Welt der Bücher gezogen, entdeckt die Tiefe und Vielfalt einer Bibliothek und schickt die Phantasie auf Reisen. (Kleine Zeitung, 17.09.1996)

Zu viel „Tintenherz“ gelesen?

… und vor allem eine Frage war aus den Gesichtern der anwesenden Primare, Schwestern und Pflegepersonal buchstäblich abzulesen: „Wer von uns wird versetzt?“ (Kleine Zeitung, 08.09.1999)

Hoffentlich war das abwaschbar.

Während man auf höherer ÖFB- Ebene schon die Pläne für eine Europameisterschaft 2004 in Österreich wälzt und natürlich auf die Unterstützung namhafter Sponsoren zählt, geht es im heimischen Amateurfußball so manchem Klub buchstäblich an den Kragen. (Salzburger Nachrichten, 12.06.1996)

Wusste gar nicht, dass Klubs Kragen haben.

Als Nachfolger der Deutsche Lada Automobil GmbH, die wirtschaftlich buchstäblich unter die Räder gekommen war, … (Nürnberger Nachrichten, 22.09.2001, S. 36)

Wie kann man eine Gesellschaft überfahren? Nur weil Autos auch etwas mit Rädern zu tun haben …

Die 53. IAA im Jahre 1989 erzielte einen neuen Besucherrekord: 1 233 100 Besucher und 6500 Journalisten aus 42 Ländern wollten sich die Schau rund um das Auto nicht entgehen lassen. Die Veranstaltung – sie stand unter dem Motto „Das Auto – Technik für den Menschen“ – platzte buchstäblich aus allen Nähten. (Frankfurter Rundschau, 10.09.1997, Beilage, S. 6)

Die IAA wurde also im Jahre 1989 noch genäht.

Basketball-Oberligist BBC Linz bekam buchstäblich kein Bein auf die Erde. Beim ungeschlagenen Tabellenführer TV Wittlich gab es eine 37:143 (14:65)-Niederlage. (Rhein-Zeitung, 10.03.1999)

Das ist doch beim Basketball eher vorteilhaft, wenn man über der Erde und näher am Korb schwebt?

Buchstäblich der Schlag hat mich getroffen, als ich die Aussage von Bahnchef Mehdorn in einem Interview mit der Rhein-Hunsrück-Zeitung Ende September gelesen habe, nach der bei Abschluss der Planung bis Ende 2003, dann bis Ende 2006 (!) die Züge zum Flughafen Hahn rollen könnten“, schrieb Landrat Fleck jetzt nach Mainz. (Rhein-Zeitung, 18.11.2002)

Auch hier freue ich mich über die Genesung.

Bauschutt, der vom Abriss des alten Hotels „Zum Stern“ stammt, machte der Verwaltung buchstäblich einen Strich durch die Rechnung. (Rhein-Zeitung, 27.12.2003)

Bauschutt? Mit einem Kugelschreiber?

Die drei Beamten, in deren Gegenwart der nigerianische Asylant Omofuma erstickte, wurden nicht suspendiert. Man kann also in diesem Land jemanden buchstäblich mundtot machen, ohne den Ruf der Behörde zu gefährden. (Kleine Zeitung, 19.05.1999)

Wie in einem Teil unserer Mittwoch-Ausgabe berichtet, hatte der Weinbauer Stefan St. (65) aus Glanz bei Leutschach seine Ehefrau Josefine (58) mit fünf Schüssen aus einer Schrotflinte buchstäblich hingerichtet. (Neue Kronen-Zeitung, 08.02.1996, S. 15)

Wie macht man jemanden in übertragenem Sinne mundtot oder richtet jemanden mit fünf Schüssen übertragen hin?

So ging das erste Spiel seit der Umbenennung des legendären Westfalenstadions in Signal Iduna Park am 1. Dezember buchstäblich in die Hose. (Mannheimer Morgen, 05.12.2005)

Irgendwann verlässt mich auch meine bildliche Vorstellungskraft.

Die österreichische Ortschaft Fucking (91 Einwohner) ist bald in aller Munde – im wahrsten Sinne des Wortes. (Hamburger Morgenpost, 31.03.2010, S. 46-47)

Das muss eine kleine Ortschaft sein.

Auch im Rennen klebte Andi das Pech im wahrsten Sinn des Wortes an den Füßen. Ein aufgewirbelter Stein traf Meklau mit solcher Wucht, daß er sich dabei eine Zehe brach. (Die Presse, 10.07.1995)

Aber mit Pech als Material hatte das alles nichts zu tun. Und mit Kleben ja gerade auch nicht.

Von 2003 bis 2007 war sie Obfrau des Trägervereins. „Sie war im wahrsten Sinne des Wortes die Mutter der Arche“, betont Betriebsseelsorger Karl Immervoll. (Niederösterreichische Nachrichten, 10.06.2010)

Das war sicherlich keine einfache Geburt.

Und auch IOC- Präsident Juan-Antonio Samaranch, der den geforderten Rücktritt bisher abgelehnt hat, gerät immer mehr unter Beschuß. Im wahrsten Sinn des Wortes: Samaranch soll von Salt Lake City nämlich nicht nur zwei, sondern vier Waffen geschenkt bekommen haben. (Kleine Zeitung, 12.01.1999)

Nein, wenn man Waffen geschenkt bekommt, gerät man nicht wortwörtlich unter Beschuss. Nur wenn man mit Waffen beschossen wird, gerät man wortwörtlich unter Beschuss.

So kamen die Kinder schon am Samstagnachmittag auf ihre Kosten. Der „Wolkengucker“ verzauberte im wahrsten Sinne des Wortes nicht nur die Kinder, sondern zeigte ihnen auch, was alles zum Jonglieren dazu gehört. (Rhein-Zeitung, 04.08.2009)

Das wäre eine Sensation, wenn er tatsächlich, sagen wir, die Kinder in Blumentöpfe verzaubert hätte.

Trotz allem Erfolg jedoch ist die Familie Wittlake – im wahrsten Sinne des Wortes – immer auf dem Teppich geblieben. Teppichhaus Wittlake bietet ausgefallene Sondermodelle. (Braunschweiger Zeitung, 18.09.2009)

Ja. Auch beim Duschen, Sporttreiben und Liebemachen bleibt Familie Wittlake immer auf dem Teppich. Nur.

Und so manch einer erinnert sich dabei sicherlich an die Glanzzeiten eines Fred Astaire oder Gene Kelly und würde im wahrsten Sinne des Wortes gerne in deren Fußstapfen treten. (Mannheimer Morgen, 28.12.2002)

Leider sind die mittlerweile etwas verwischt oder wurden vom Reinigungspersonal weggefegt.

Ganz im Gegenteil sei das Umweltamt der CEM im wahrsten Sinne des Wortes sogar noch wochenlang „nachgelaufen“, um zu erreichen, dass diese die erforderliche schriftliche Begründung hereinreicht, auf Grund derer die aufschiebende Wirkung der Widersprüche dann durch die Verwaltung beseitigt wurde. (Rhein-Zeitung, 26.03.2002)

Da hat das Amt auf einmal Beine bekommen. Wenn der Autor schon meint, Anführungszeichen verwenden zu müssen, ist das mit dem „wahrsten Sinne des Wortes“ doch interessant.

Große Erfolge feierte Marla Glen (Bild) mit Titeln wie „It’s a man’s world“ und „Believer“, die im wahrsten Sinn des Wortes unter die Haut gehen. (Hannoversche Allgemeine, 01.10.2010)

Physikalisch ist das wahrscheinlich sogar korrekt, wenn die Radiowellen uns unter die Haut gehen. Gilt dann aber für andere Titel genauso wie für die Verkehrsnachrichten.

Schwein im wahrsten Sinn des Wortes haben diese Ferkel. (Neue Kronen-Zeitung, 19.05.1999, S. 19)

Haben und sein, notorische Schwierigkeiten der deutschen Sprache.

Sehr schön finde ich persönlich auch:

Die Kirchengeschichte von Oeynhausen ist im wahrsten Sinne des Wortes — sehr geschichtsträchtig. (Niederösterreichische Nachrichten, 15.09.2008, S. 27)

Obwohl buchstäblich und im wahrsten Sinne des Wortes also im Synonymwörterbuch unter „wortwörtlich“ und Gegenteil zu „übertragen“ gefunden werden können, werden die Ausdrücke im Deutschen tatsächlich häufig auch übertragen verwendet. Ihre Funktion ist leicht einsichtig: Sie sollen die Aussage noch verstärken, häufig wohl auch auf ein vom Autor als besonders gelungen empfundenes Wortspiel hinweisen. Man findet daher als Synonyme auch Ausdrücke wie geradezu oder so gut wie, die von „wortwörtlich“ schon etwas weiter entfernt sind. Die Wörterbuchredaktion hat hier den tatsächlichen Sprachgebrauch also gut beobachtet und ist darauf eingegangen.

In ein paar Bereichen werden die Ausdrücke buchstäblich und im wahrsten Sinne des Wortes übrigens besonders häufig verwendet, nämlich bei:

Regen und Wasser allgemein:

Da ihre restlichen vier geplanten Konzerte in Tschechien und Polen buchstäblich ins Wasser fielen, … (St. Galler Tagblatt, 01.09.1997)

Am Sonntag wird der Musikverein Rorschacherberg einen zweiten Versuch unternehmen, die Frühtour über den Weiler Hof-Käserenstrasse-Wartensee, die vor den Sommerferien buchstäblich ins Wasser gefallen ist, nachzuholen. (St. Galler Tagblatt, 14.08.1999)

Das Spiel Xamax – Bellinzona fiel nach beinahe 30 Stunden ununterbrochenen Regens buchstäblich ins Wasser. (St. Galler Tagblatt, 22.03.2001)

Die am Samstag geplante Plausch-Regatta fiel aufgrund des schlechten Wetters buchstäblich ins Wasser und musste auf nächstes Jahr verschoben werden. (St. Galler Tagblatt, 21.06.2010, S. 43)

Die erste Beachparty war vergangene Woche buchstäblich ins Wasser gefallen, nun meinte es der Wettergott besser mit den „Partysanen“. (Tiroler Tageszeitung, 24.07.1997)

Ein wenig traurig war man über das schlechte Wetter. Denn dadurch fiel das Aufstellen der Stände in den Gartenbereich buchstäblich ins Wasser. (Mannheimer Morgen, 14.10.1998)

Rechtzeitig zum Frühjahrsauftakt für die noch nicht aktiv gewesenen Vereine hat uns das Schlechtwetter eingeholt. So fiel auch der Meisterschaftsauftakt für unsere 2. Landesliga-Vereine buchstäblich ins Wasser. (Niederösterreichische Nachrichten, 26.03.2007, S. 86)

Das meiste Wasser kam bei der gestrigen Eröffnungsfeier jedoch von oben. So fiel die Wind Performance der „Wind Riders“ aus Sachsen buchstäblich ins Wasser. (Rhein-Zeitung, 13.08.2005)

Im neuen Jahrtausend konnten die Rennen bisher in vier Jahren durchgeführt werden, gleich oft fielen sie buchstäblich ins Wasser. Nun hatten Petrus und Frau Holle ein Einsehen, den Rennen steht nichts mehr im Weg. (Die Südostschweiz, 11.01.2008)

„Schon der Mai war verregnet und dann dieser August – ohne Worte“, sagt Emmert und erzählt von geplanten Musikveranstaltungen, die im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen sind. (Nürnberger Zeitung, 03.09.2010, S. 3)

Sollte der Wetterbericht am Mittwoch nächste Woche schlechtes Wetter für Samstag, 21., melden, dann fällt die Veranstaltung im wahrsten Sinne des Wortes „ins Wasser“. (Mannheimer Morgen, 17.07.2007)

Von 44 Veranstaltungen jährlich fielen durch den verregneten Sommer des letzten Jahres 36 im wahrsten Sinne des Wortes „ins Wasser“. (Berliner Morgenpost, 07.06.1999, S. 14)

Die lang geplante Kanutour auf der Oker fiel beinahe im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser, wie Metke sagt: „Aufgrund des schlechten Wetters entschieden wir uns erst gegen die Tour. Nachdem der Regen aufgehört hatte, fand sie dann aber doch statt.“ (Braunschweiger Zeitung, 30.07.2007)

Fast wäre der diesjährige Karneval der Jungen Gesellschaft Schandelah buchstäblich ins Wasser gefallen: Heizungsrohre unter dem Hallenboden waren gebrochen, man improvisierte. (Braunschweiger Zeitung, 01.03.2006)

Diejenigen die es nicht ans rettende Ufer schafften, gingen im wahrsten Sinne des Wortes „baden“ und schieden aus (Tiroler Tageszeitung, 31.12.1996)

Die An- und Umbaumaßnahmen waren aber dringend erforderlich, da früher der Feuerwehr buchstäblich immer dann das Wasser bis zum Halse stand, wenn die Mosel wieder über ihre Ufer getreten war. (Rhein-Zeitung, 05.01.2002)

Die Wut und der Zorn richten sich gegen die Politikerin, die es nicht geschafft hatte, sich drei Kilometer flussaufwärts das Elend der Menschen anzuschauen, denen im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser bis zum Halse stand. (Rhein-Zeitung, 11.01.2011, S. 21)

In loser Folge wird eine Behörde vorgestellt, zuletzt das Gesundheitsamt, nun ein Test beim Gewässerschutz im Umweltamt. Sie sind buchstäblich zu nahe am Wasser gebaut. (Nürnberger Nachrichten, 17.11.2007, S. 1)

Autofahrer, die über die Erzherzog-Karl-Straße ausweichen wollten, kamen buchstäblich vom Regen in die Traufe. (Die Presse, 24.06.1997)

Die ehrenamtlich tätigen Verkäufer auf dem Bücherflohmarkt der DLRG Boppard in der Fußgängerzone standen buchstäblich im Regen. (Rhein-Zeitung, 30.12.1997)

Bei immer noch recht milden 4 bis 8 Grad Celsius steht die Olympische Fackel nach einer Reise über 45 000 Kilometer durch Kanada bei der Ankunft in Vancouver buchstäblich im Regen. Immer wieder werden Schauer erwartet, die Regenwahrscheinlichkeit liegt bei etwa 90 Prozent. (Mannheimer Morgen, 10.02.2010, S. 12)

… und bei räumlichen und zeitlichen Maßangaben:

Buchstäblich in der allerletzten Spielminute der Saison schaffte das Team von Albert Geiger mit einem 4:3-Sieg im Match gegen Flawil den Aufstieg in die 3. Liga. (St. Galler Tagblatt, 13.08.1998)

Ein AUA-Flug vom Kennedy-Airport in New York nach Wien mußte Sonntag buchstäblich in letzter Minute abgesagt werden. (Kleine Zeitung, 02.04.1997)

Buchstäblich in letzter Sekunde wurde Herbert Karrer am Sonntag am Salzburgring der Sieg im Suzuki Motorsport Cup entrissen. (Niederösterreichische Nachrichten, 06.10.2009, S. 61)

Buchstäblich in letzter Minute hat der Iran im seit Jahren schwelenden Atomstreit eingelenkt. (Nürnberger Zeitung, 18.05.2010, S. 4)

Die Behörden hatten ihre schon für Freitag geplante Abreise verzögert, worauf die Delegierten ihren Auftritt in Washington auf die buchstäblich letzte Minute verschoben. (Die Presse, 25.08.1992)

Buchstäblich in letzter Minute konnte eine bosnische Familie in Welschneudorf am Donnerstag ihrer Abschiebung entgehen. (Rhein-Zeitung, 30.10.1999)

Weltmeister Frankreich sprang buchstäblich im letzten Moment auf den EM-Zug, Russland muss zuschauen. (Vorarlberger Nachrichten, 11.10.1999, S. C3)

Dabei geht die Geschichte der Beziehungen zwischen dem „Ratenverband“ (Räteverband), wie die noch Jiddisch sprechenden Juden die Sowjetunion bezeichnen, und Israel im wahrsten Sinn des Wortes auf die ersten Minuten nach der Gründung des jüdischen Staates zurück: Als das britische Mandat über Palästina am 15. Mai 1948 um 6.00 Uhr erloschen und Israel von Ben Gurion um 6.01 Uhr ausgerufen worden war, wurde der junge Staat um 6.11 Uhr von den USA und unmittelbar darauf von der UdSSR anerkannt. (Die Presse, 19.10.1991)

Evelyn Becker weiß von Frauen, die jahrelang Mißhandlungen aus Angst erduldeten, buchstäblich auf die Straße geworfen zu werden. (Frankfurter Rundschau, 28.07.1998, S. 28)

Da wurde die schöne Gina buchstäblich auf der Straße für den Film entdeckt – und sie avancierte in der Folge nicht nur zum großen italienischen Kinostar, wurde nicht nur „Gina Nazionale“, sondern arbeitete auch im Solde Hollywoods. (Oberösterreichische Nachrichten, 28.06.1997)

Er wurde im Vorjahr beim Schluss-Zeitfahren von Ullrich buchstäblich auf dem letzten Meter abgefangen – um eine Sekunde. (Mannheimer Morgen, 11.06.2005)

Kössner fing Mayr buchstäblich auf dem letzten Meter ab und entschied den Preis der „Salzburger Nachrichten“ für sich. (Salzburger Nachrichten, 17.08.1998)

Während es beim 1967 besetzten Gaza-Streifen am Mittelmeer keine Definitionsprobleme gibt, lagen die Vorstellungen bei Jericho im Westjordanland, das dereinst Hauptsitz der PLO werden soll, buchstäblich meilenweit auseinander (Die Presse, 03.01.1994)

Und Bruder Friedrich, – der überlebte. Buchstäblich um Haaresbreite, er bekam einen Wangen-Streifschuß ab. (Die Presse, 24.07.1998)

Dabei sind auch hier wörtliche und übertragene Verwendung gleichermaßen zu finden.

Meine Frage ist jetzt nur: Wenn buchstäblich und im wahrsten Sinne des Wortes sowohl wörtlich als auch übertragen verwendet werden können — welchen Ausdruck gibt es noch, der eindeutig ist? Ich verwende hier „wörtlich“ oder „wortwörtlich“ — aber man braucht vermutlich nur einmal im Corpus nachsehen, um herauszufinden, dass auch diese Ausdrücke längst übertragen verwendet werden (das ist aber nun lediglich eine Vermutung, denn für diese Recherche fehlt mir jetzt buchstäblich im wahrsten Sinne des Wortes die Zeit).