So. Das waren mal ein paar interessante Tage, die letzten Tage. Weil sie so interessant waren, gibt’s davon aber keine detaillierte Zusammenfassung, die wäre zu lang, sondern ein paar Hinweise, Stichworte, Anekdoten und weiterführende Links:

  • Das Ostfränkische Wörterbuch residiert nun in Fürth. Presseberichte zur Einweihungsfeier (die im Großen und Ganzen sehr gelungen war und mit Kulturpreisträgern, Lyrikvertonungen und … natürlich … Bratwürsten aufwartete) gibt es beispielsweise bei nordbayern.de (1) und nordbayern.de (2); der Bayerische Rundfunk hat eine ganz brauchbare Infografik darüber, wo „Ostfränkisch“ überhaupt gesprochen wird.
  • Das vierte Arbeitstreffen des Netzwerks Internetlexikografie hat in Trier stattgefunden und hatte den lexikographischen Prozess bei Internet-Wörterbüchern zum Thema. Nicht ganz so überraschend war die Erkenntnis, dass an Internet-Wörterbüchern eigentlich dauernd weitergewurstelt wird und verschiedene Prozess-Schritte deshalb kaum als linear, abgegrenzt und abgeschlossen betrachtet werden können. Ein paar interessante und teilweise tatsächlich überraschende Erkenntnisse aus den Vorträgen:
    • Das Etymologische Wörterbuch als Teil von dwds.de wird von Wolfgang Pfeifer (der nach Wikipedia im laufenden Jahr seinen 90sten Geburtstag feiert(e)!), immer noch — bzw. inzwischen wieder — weiter bearbeitet.
    • Bei Duden online gibt es in unregelmäßigen, etwa monatlichen Abständen Aktualisierungen und es werden etwa 50% der von Benutzerseite aus eingegangenen Vorschläge übernommen.
    • Zwei Drittel der Überarbeitungen, die im Wiktionary vorgenommen werden, geschehen durch Bots, also durch Computerprogramme und nicht durch menschliche Benutzer.
    • Das noch sehr junge und auf 24 Jahre angelegte Digitale Familiennamenwörterbuch Deutschlands plant, 200.000 von etwa 800.000 in Deutschland erfassten Familiennamen lexikographisch zu bearbeiten.
    • Lexikographinnen und Lexikographen wollen zwischendurch auch mal motiviert werden.
    • Aktivitäten zur langfristigen und nachhaltigen Speicherung von digitalen Daten werden leider immer noch kaum unterstützt und nicht öffentlich gefördert. Das ist in der Tat ein Problem: Da dümpeln Projektdaten auf privaten Festplatten, am Uni-Arbeitsplatz oder auf einzelnen Uni-Servern in teilweise schon historischen Dateiformaten herum; Daten, in die viel Forschungszeit geflossen ist, und man weiß nicht einmal, ob diese Daten in 20 Jahren — geschweige denn in 200 Jahren — noch gelesen werden können oder ob sie überhaupt noch da sind, oder ob Festplatten bzw. Server vielleicht irgendwann entrümpelt wurden und die Backups auch den Weg alles Irdischen gehen … Von Schottel, Adelung, dem Deutschen Wörterbuch haben wir noch heute die papierenen Bände, die ersten CDs und DVDs sind schon nicht mehr lesbar. Wer weiß, wie lange die digitalen Daten, die unser Leben und unsere Tätigkeiten dokumentieren, durchhalten.
  • In den letzten Tagen neu gelernte Wörter:
  • Andere häufig verwendete und noch nicht lexikographisch erfasste Wörter des Wochenendes bei einem zu Zwecken der Entspannung und Lebensfreude (es lebe der Fünf-Minuten-Hedonismus zwischen den Schreibtischphasen) besuchten Konzerts einer Combo, deren Name mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit durch Eingabe der folgenden Wörter (die alle aus nur einem Track stammen) in eine Suchmaschine herauszufinden ist:
    • Silberrückenpfeilgiftninja
    • onken (Verb, transitiv)
    • Basswurststrahl

So viel für heute. Tür zu, Licht aus.