Tja, von wegen Tür zu, Licht aus. Da kam doch noch etwas. Eine Meldung, die zwar mit „Die Brüder Grimm und ihr »Deutsches Wörterbuch« – Droht einer nationalen Edition das Aus?“ reißerisch titelte, die dann aber zum „Aus“ kein Wort verlor und deshalb hier auch mit Nichtverlinkung gestraft wird. Dann eine weitere Meldung: Grimm nur noch digital. Ende eines Wörterbuchs (neues-deutschland.de). Und die Pressemeldung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) zum Thema.

Also zum Thema: Dass die Neubearbeitung des Deutschen Wörterbuchs (Bände AF, in Berlin und Göttingen) noch bis 2016 laufen soll und ihre Zukunft dann, freundlich formuliert, unsicher ist, konnte man bereits in Erfahrung bringen. In der Pressemeldung äußert sich nun Wolfgang Klein dazu:

Auf die Frage, wie es weitergehen solle, wies Wolfgang Klein darauf hin, dass keine Aussichten bestünden, dass ein Verlag dies [das DWB] übernehme.

Die Zukunft der wissenschaftlichen Lexikographie läge (daher) bei Internet-Wörterbüchern (oder digitalen lexikalischen Systemen):

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften entwickelt seit einigen Jahren parallel zum Abschluss der Neubearbeitung des „Grimm“ ein solches digitales lexikalisches System, dessen neue Version jetzt freigeschaltet wurde (www.dwds.de, kostenlos, Registrierung sinnvoll). […]

Es wird in den kommenden Jahren systematisch ausgebaut, dazu zählt nicht zuletzt eine historische Komponente („Grimm der Zukunft“), die derzeit in Zusammenarbeit mit der Göttinger Akademie der Wissenschaften geplant wird und die große Tradition des Grimmschen Wörterbuchs mit den Methoden der Gegenwart fortsetzt.

Das klingt alles sehr schwammig. Die „historische Komponente“: der „Grimm der Zukunft“, schön, aber in welcher Form, in welchem Umfang, mit wie vielen Mitarbeitern, … Das wird alles vermutlich gerade geplant und diskutiert. Ich finde es natürlich großartig, wenn das „neue“ Deutsche Wörterbuch frei im Internet verfügbar sein soll. Die Meldung klingt aber auch wie die Grabrede auf den gedruckten „Grimm“. Lieber würde ich es hören, wenn die neue Entwicklung nicht komplett auf Kosten der Printausgabe gehen müsste. Dazu verweise ich auch auf den Abschnitt zur Langzeitspeicherung elektronischer Daten aus dem letzten Lexikographieblogpost.

Auf die weitere Entwicklung bin ich dann mal gespannt.

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