Eines meiner schrulligeren Hobbys habe ich ja schon verraten, ich weiß nicht, wahrscheinlich ist grad was in der Luft, ich verrate noch ein zweites: Briefmarkensammeln. Briefmarkensammeln ist so out, dass es wahrscheinlich unter den Hipstern dieser Welt gerade wieder voll in ist. Ich habe auch wieder damit angefangen. Aber nicht irgendwelche Briefmarken, nein, thematisch: Briefmarken mit Lexikographie-Bezug.

Hier meine (digitale) Sammlung:

Grimm, DWB (DDR 1975)

1975 wird in der DDR eine Briefmarke mit der Aufschrift Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm veröffentlicht. Die Marke ist eine aus einer vierteiligen Serie 275 Jahre Akademie der Wissenschaften, Berlin. Die Abbildung ist eine stilisierte Darstellung der Titelseite des Deutschen Wörterbuchs.

Grimm (BRD 1985)

Zehn Jahre später, zum 200sten Geburtstag von Jacob Grimm (und ein Jahr vor dem 200sten Wilhelms), legt die Deutsche Bundespost nach und veröffentlicht ebenfalls eine Marke, auf der außerdem der Weltkongress der Germanisten in Göttingen Erwähnung findet. Die Abbildung der beiden Wissenschaftler ist offensichtlich ebenfalls an das DWB angelehnt. Links ein Ausschnitt aus dem Wörterbuch im Bearbeitungsstadium.

Neben diesen beiden Marken gibt es noch weitere, die einen Bezug zu Jacob und/oder Wilhelm Grimm aufweisen, etwa zu 250 Jahre Deutsche Akademie mit Jacob Grimm (1950) oder erst vor wenigen Monaten (2012) zu 175 Jahre Göttinger Sieben; außerdem insbesondere zahlreiche mit Bezug zu den Kinder- und Hausmärchen. Da hier der lexikographische Bezug nicht gegeben ist, führe ich sie nicht auf. Ich glaube aber mittlerweile, dass die beiden Grimms über die Jahre hinweg die wohl am häufigsten auf deutschen Briefmarken gewürdigten Personen sind.

Duden (BRD 1980)

1980, einhundert Jahre nach Erscheinen der ersten Auflage von Konrad Dudens Orthographischem Wörterbuch, widmet die Deutsche Bundespost diesem Rechtscheibwörterbuch (oder dessen Begründer?) eine Briefmarke, die je einen Ausschnitt der 1880er Auflage und einen Ausschnitt der 1980er „Jubiläums-„Auflage des „Duden“ zeigt. Warum dabei ausgerechnet das Wort That/Tat gewählt wurde, erschließt sich mir nicht.

Webster (USA 1958)

Diese US-amerikanische Marke zeigt den Lexikograph Noah Webster (1758–1843), dessen Name heute noch in Merriam-Webster weiterlebt. Sie erschien 200 Jahre nach seiner Geburt, also — nach Adam Riese — 1958.

Johnson (GB 2009)

Schließlich eine neuere Marke für Samuel Johnson (Großbritannien 2009) zu seinem 300sten Geburtstag. Im Hintergrund ein Ausschnitt aus seinem Dictionary of the English Language.

Und zum Schluss noch ein kleines Kuriosum: Die Briefmarke für den deutschen Wörterbuchforscher Herbert Ernst Wiegand zu dessen 70. Geburtstag:

Wiegand

Das ist garantiert eine Sonderbestellung und keine reguläre Marke aus dem Katalog, aber meines Wissens kann man damit tatsächlich einen Brief frankieren. In Österreich.

So, das ist bis jetzt alles, was ich gefunden habe. Eine kleine Sammlung — aber sind wir mal ehrlich, wegen der Briefmarken sind Sie doch nicht vorbeigekommen …

[Quellen der Abbildungen: Wikimedia Commons (Grimm 1 und 2, Duden, Webster); colnect.com (Samuel Johnson); uni-hd.de (H. E. Wiegand)]