Anschauliche Vergleiche sind im Journalismus so wichtig wie die Nacht finster. Im Bereich des Trinkbaren sind Badewannen da sehr beliebt — die Menge Kaffee, die wir alle jährlich trinken, wird beispielsweise mit „etwa eine Badewanne voll“ beziffert (spiegel.de, 4.4.2013), und erstaunlicherweise trinken wir dazu auch „eine Badewanne voll Alkohol“ (sueddeutsche.de, 3.4.2013).

Was Flächenvergleiche angeht, hat das Saarland den Ruf, als häufigste Vergleichsgröße genannt zu werden: Irgendwas ist zweimal, dreimal, achtmal so groß wie das Saarland (Artikel dazu z.B. bei zeit.de, welt.de oder evangelisch.de). Angeblich „findet sich die Wortfolge ’so groß wie das Saarland‘ mehr als 275 Mal in einer Datenbank im Internet“ (siehe welt.de) und auch die Gesellschaft für deutsche Sprache sieht das Saarland „unangefochten an erster Stelle“ (siehe ebenfalls welt.de).

Hat das Saarland diesen Ruf zu Recht? Dem will ich im Folgenden nachgehen. Ich habe im DeReKo nach Fundstellen für bestimmte Formulierungen gesucht und mir die entsprechenden Sätze genauer angeschaut. Dabei ist mir mehrfach ein bisschen zu spät aufgefallen, dass bestimmte Fälle bei meinen vorherigen Auszählungen noch fehlten, weshalb ich die Werte anschließend noch einmal ermitteln musste. Ich zeige hier auch diese Schritte, damit ersichtlich wird, wie die Erweiterung oder Einschränkung einer Suchabfrage das ermittelte Ergebnis doch deutlich beeinflussen kann.

Bei meiner ersten Suche ermittelte ich die Treffer für „x-mal größer als“ und „x-mal so groß wie“. Die folgende Abbildung zeigt, welche Vergleichsgrößen in den DeReKo-Texten im Anschluss an diese Formulierungen (Fenster von fünf Wörtern) am häufigsten genannt werden:

Vergleichsgrößen

Dazu ist anzumerken, dass „Deutschland“ und „Bundesrepublik“ tatsächlich getrennt voneinander erscheinen (es sind also nicht doppelt gezählte Fälle von „so groß wie die Bundesrepublik Deutschland“). In anderen Fällen sind jedoch vereinzelte Stellen zu berücksichtigen, in denen eine Fläche „x-mal so groß wie Österreich und die Schweiz“ o.Ä. ist. Vereinzelt sind außerdem Treffer für „x-mal so groß wie in y“ o.Ä. enthalten, diese haben jedoch keinen Einfluss auf die Reihenfolge. Inwieweit Erde, Sonne und Jupiter als Vergleichsgrößen mit den anderen Flächen vergleichbar sind (Flächenmaße? Raummaße [wahrscheinlich]?), habe ich nicht überprüft.

Wie man hier sieht, ist bei dieser Suche das Saarland auf Rang 7 (14 Fundstellen), relativ abgeschlagen hinter Platz 1 („Deutschland“ mit 182 Fundstellen) und sogar hinter dem Bodensee (21 Fundstellen), aber immerhin auf Platz 1 der deutschen Bundesländer.

Was bei diesem Ergebnis fehlt, sind jedoch Vergleiche, die nicht durch „x-mal“ ausgedrückt werden. Vermutlich am häufigsten kommen solche mit „doppelt“ und „halb“ vor. Ich ließ die Daten also noch einmal durchrattern und suchte nun nicht nur nach „x-mal größer als“ und „x-mal so groß wie“, sondern auch nach „doppelt so groß wie“ und „halb so groß wie“. Das Ergebnis:

Vergleichsgrößen

Das Saarland liegt nun auf Platz 6 (36 Treffer), wieder deutlich hinter „Deutschland“ (282 Fundstellen), und, was ich für noch bemerkenswerter halte, nicht einmal mehr auf Platz 1 der Bundesländer, denn dort liegt bei mir jetzt Hessen mit 39 Fundstellen. Erstaunlich, denn Hessen war beim ersten Ergebnis noch gar nicht in den oberen Rängen gelandet. Das liegt daran, dass die allermeisten relevanten Treffer sich auf irgendeine Fläche beziehen, die „halb so groß wie Hessen“ ist. Vielleicht kann man sich Hessen besser halb vorstellen, das Saarland besser mehrfach … aber man sieht, dass diese Modifizierung der Suche ein deutlich anderes Ergebnis ergibt. Immerhin, den Bodensee hat das Saarland hier überholt.

Danach kam allerdings der unangenehme Moment, in dem ich feststellte, dass ich auf diese Weise Formulierungen wie „x ist so groß wie y“ (also kein Größer oder Kleiner, sondern ein Istgleich) immer noch nicht berücksichtigt hatte, und ich musste die Werte noch einmal neu ermitteln. Ich warf also alle „x-mal“-, „doppelt“- und „halb“-Formulierungen komplett über Bord und ermittelte die Werte allgemein für „größer als“ und „so groß wie“. Diese Entscheidung hat zur Folge, dass der Kontext „links“ von den relevanten Formulierungen gar nicht mehr kontrolliert ist (potentiell also auch Formulierungen wie: „die Zustimmung ist dort] größer als [in Hessen“), aber das ließ sich in diesem Fall eben nicht vermeiden. Das dritte (und letzte) Diagramm sieht dann so aus:

Vergleichsgrößen

Auch hier ist das Saarland nicht die Nummer 1 unter den Bundesländern — allerdings wurde es jetzt von Bayern überholt, während es Hessen knapp hinter sich gelassen hat. Wieder eine merkliche Änderung zu vorher, wenn ich auch gestehen muss, dass ich nicht alle Belege gesichtet habe (bei Bayern ist mir beispielsweise ein-, zweimal „FC Bayern“ aufgefallen). Ich freue mich für die unscheinbare Zigarettenschachtel, die jetzt auch den Weg nach oben gefunden hat, und weise noch auf die Fußballfelder hin, die hier einen noch größeren Sprung als „Bayern“ hingelegt haben.

Die oben verlinkten Beiträge, die das Saarland nicht in Zweifel ziehen, haben ganz offensichtlich eine andere Datengrundlage und/oder eine andere Abfrage verwendet als ich, aber meine ist wenigstens nachvollziehbar — im Gegensatz zu einer ominösen „Datenbank im Internet“. Ich wüsste ja gerne, mit welcher Abfrage in dieser Datenbank gesucht wurde.

Das Google-Orakel, um noch einen letzten Vergleich zu bringen, gibt übrigens folgende Ergebnisse (Suche nach „so groß wie X“): das Saarland: 93.800; Bayern: 65.400; Hessen: 68.000; aber: Berlin: 270.000, Hamburg: 121.000.

Selbst wenn meine auf dem DeReKo basierenden Ergebnisse auch nach der dritten Änderung nicht optimal sind (aber das ist schließlich ein Blogeintrag und keine Doktorarbeit), fechte ich hiermit an, dass das Saarland unangefochten an Platz 1 der Vergleichsgrößen für Flächen steht. Ich gestehe zu, dass es das einzige Bundesland ist, das bei all meinen Versuchen relativ weit oben in der Ergebnisliste steht — ab sofort werde ich Flächen aber auch in „Bayern“ oder „Hessen“ ausdrücken, wobei gilt: 1 Bayern = 3,3 Hessen. Wer mir nachtun will, sollte folgende Daten immer parat haben:

Damit ist also Deutschland fast 17-mal so groß wie Hessen. Das Saarland hat nur etwa ein Achtel der Fläche von Hessen, ist aber ungefähr 360.000-mal so groß wie ein Fußballfeld, welches wiederum in „Bayern“ ausgedrückt einfach nur ganz, ganz klein ist. Alles klar?

NACHTRAG, 16.05.:

Ich erfahre gerade von www.dictionaryofnumbers.com. Das ist eine Extension für den Chrome-Browser, die für Zahlen in Texten eine angeblich besser verarbeitbare Vergleichsgröße liefert. „Because ‚8 million people‘ means nothing, but ‚population of New York City‘ means everything.“ Na, wenn ihr meint.