„Qualität kommt von Qual“ (oder auch: „Qualität kommt von quälen“) sind so Sprüche, mit denen gelegentlich zur Anstrengung ermuntert wird. Sie legen einen etymologischen Zusammenhang der beiden Wörter nahe, der tatsächlich nicht gegeben ist — nur falls mal wer diese Sprüche für bare Münze genommen haben sollte:

Qualität geht auf lat. qualitas und dieses auf qualis ‚wie beschaffen, von welcher Art‘ zurück (vgl. Pfeifer-Etymologie), für Qual (und quälen) lässt sich eine Verwendung ohne Beteiligung des Lateinischen im Deutschen und anderen germanischen Sprachen belegen und eine indoeuropäische Wurzel *gu̯el- ’stechen, (stechender) Schmerz, Qual, Tod‘ rekonstruieren (vgl. Pfeifer-Etymologie).

Nun hat mich aber mal interessiert, wie lange es diese oben genannten schlauen Sprüche bzw. diese Volks-(?) oder Spaßetymologie schon gibt, und ich war doch einigermaßen erstaunt, über Google Books einen Beleg zu finden, der nicht einmal nur auf das Jahr 1841 (das Jahr des Erscheinens des von Karl Wilhelm Schiebler herausgegebenen Buches), sondern auf das frühe 17. Jahrhundert zurückgeht, nämlich auf Jakob Böhme (1575–1624), einen Mystiker und Philosoph, der schrieb:

Nun ist im ängstlichen Gemüthe der Finsterniß die unaussprechliche Qual, davon der Name Qualität, als von vielen Qualen in einer Quelle urkundet: [...]

Ganz egal, inwieweit das jetzt wörtlich, bildlich, mystisch oder philosophisch gemeint war: Die Verbindung der beiden Wörter ist spätestens damit gegeben. Aufgegriffen wird sie u.a. von Hegel, der über Böhmes Gedanken schreibt:

So die Qual ist diese innere Zerrissenheit; aber sie ist das Einfache. Davon leitet er ab Quellen, – ein gutes Wortspiel; die Qual, diese Negativität geht fort in Lebendigkeit, Thätigkeit: und so setzt er es auch mit Qualität, woraus er Quallität macht, zusammen.

Damit kann sich, wer diesen oben genannten Spruch bringt, also sehr philosophisch fühlen. Sprachwissenschaftler\inne\n sollte man aber doch irgendwie zu Verstehen geben, dass man sich dessen aphoristischen Charakters bewusst ist. Den ersten Beleg in der genauen Wortgruppe habe ich im übrigen dann doch erst 1987 bei Wolf Schneider, dem Halbgott aller Journalist\inn\en und geistigen Ziehvater von Bastian Sick, gefunden (es gibt aber Behauptungen, der Spruch sei bereits seit 1979 Motto der Henri-Nannen-Schule, deren erster Leiter Schneider war).

Sprachwissenschaftler\innen, die sich für Wortbildung interessieren, finden dafür evtl. interessant, dass es neben der Qualität (wie gesagt zu lat. qualis) und der Quantität (zu lat. quantus ‚wie groß, wie viel‘) auch noch die Quiddität, die „Washeit“ gibt — zu lat. quid ‚was‘.

Und wenn wir damit quasi schon bei den berühmten W-Fragen sind, die im Lateinischen gar keine W-Fragen sind — auch zur Ubität habe ich noch einen Beleg gefunden.

So. Genug Latein. Genießt das schöne Wetter.