Die ZEIT Online meldet heute: „Je tiefer die Stimme, desto mächtiger der Manager“ – „Forscher … wollen festgestellt haben, dass Vorstandschefs mit tieferer Stimme tendenziell größere Unternehmen führen, mehr Geld verdienen und länger auf ihrem Posten bleiben.“ (zeit.de). Sprechen sie also möglichst mit tiefer Stimme.

Außerdem sollten Sie, wenn Sie Kohle machen wollen, einen kurzen Namen haben, denn dann verdienen Sie ebenfalls mehr (diepresse.com). Ihr Name sollte dabei aber nicht türkisch sein, sonst würden Sie benachteiligt (zeit.de).¹ Sollten Sie nicht nur einen türkischen Namen tragen, sondern gänzlich Ausländer sein, stehen Sie finanziell ebenfalls in schlechten Startlöchern (migazin.de).² Auch, wenn Sie in Ostdeutschland leben (t-online.de), und, ohne Betrachtung der Nationalität, wenn Sie Frau sind (spiegel.de).

Wenn Sie schon eine Frau sind, ist Ihr einziger Ausweg, eine junge Chefin zu werden, denn dann verdienen Sie sogar mehr als Ihr junger männlicher Chef-Kollege — aber dann dürfen Sie nur nicht älter werden, denn dann gilt dies nicht mehr (ftd.de). Als Trost: Im Allgemeinen verdienen Ältere aber trotzdem noch mehr als Jüngere (faz.net).

Generell sollten Sie als Frau dünn sein, denn dünne Frauen verdienen mehr als dicke — für Männer gilt das Gegenteil: dicke verdienen mehr (t-online.de). Und groß sollten Sie als Mann auch sein, denn während die vertikale Größe bei Frauen nicht relevant zu sein scheint, verdienen große Männer mehr (sueddeutsche.de). Es schadet auch nichts, schön zu sein, denn: „Schöne Menschen verdienen mehr“ (nzz.ch), jedenfalls, solange sie dabei nicht zu freundlich sind, denn: „Freundliche Menschen verdienen weniger“ (orf.at).

Ach ja, Bildung könnte auch noch eine Rolle spielen: Akademiker\innen verdienen mehr als Nicht-Akademiker\innen (focus.de) — andererseits verdienen aber auch gute Handwerker oft mehr als Akademiker (der-westen.de).³ Gute, wohlgemerkt.

Ideal für den finanziellen Erfolg ist demnach bis jetzt: der alte, große, dicke, trotzdem gutaussehende, aber unfreundliche Mann mit tiefer Stimme, kurzem, deutschem Namen, deutscher Nationalität, westdeutschem Arbeitsplatz, und Hochschulabschluss oder handwerklichem Können. Ich hätte jetzt allerdings gerne noch eine Studie, die jeweils sämtliche anderen Faktoren aus den Ergebnissen herausrechnet. Das Ergebnis wäre dann die Musterschablone für die Schönheits-, Bildungs- und Menschheitsverbesserungsindustrie. Im übrigen ist es mir genauso egal wie den (meisten) berichtenden Nachrichtenmedien, ob die Studien mit deutschen oder amerikanischen Teilnehmer\inne\n durchgeführt worden sind.

Falls der oben skizzierte Zug für Sie schon abgefahren ist — und um wenigstens noch einen Alibi-Sprachaspekt unterzubringen –, erfreuen Sie sich einfach an den vielen Ausdrücken für das, was Sie laut Statistik nicht bekommen haben: Asche, Bares, Bargeld, Bimbes, Devisen, Diridari, Euronen, Flocken, Flöhe, Geld, Hartgeld, Heu, Holz, Kies, Kleingeld, Klimpergeld, Knete, Kohle, Kröten, Lappen, Mammon, Mäuse, Moneten, Moos, Mücken, Münzen, Münzgeld, Ocken, Öcken, Penunzen, Piepen, Pinke, Pulver, Rubel, Scheine, Schotter, Tacken, Taler, Zaster (openthesaurus.de und weiterführende Links).

(¹) Ab diesem Punkt verlassen wir den Bereich, der wenigstens noch ein bisschen was mit Sprache zu tun hat, und schweifen ab.

(²) In der Meldung wird keine weibliche Form genannt, dafür die schöne (und wahre) Zwischenüberschrift „Reiche verdienen viel, arme wenig“.

(³) In der Meldung wird keine weibliche Form genannt.