Ich weiß nicht, ob ich fröhlich oder traurig sein soll: Mit CiNaViz habe ich ein Online-Angebot entdeckt (via sprach-blog.de), das ich (so ähnlich) eigentlich selbst demnächst angehen wollte. Das ist damit dann wohl so gut wie überflüssig. Mal sehen …

CiNaViz steht für „City Name Visualization“, und genau das tut es auch: Im Suchformular gibt man (bis zu drei) Ortsnamen oder Teile von Ortsnamen an, die dann auf einer Google-Maps-Karte durch Marker angezeigt werden. Auf diese Weise können wunderbare Übersichtskarten der Verteilung von Ortsnamen oder Ortsnamenbestandteilen (interessant sind, denke ich, insbesondere die Endungen) erstellt werden. Ein schönes Beispiel, das direkt auf der Seite schon gegeben wird, ist die Verteilung der Ortsnamenendungen „-bach“, „-beck“ und „-bek“:

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Verteilung der Ortsnamenendungen „-bach“ (rot), „-beck“ (blau) und „-bek“ (grün) in den deutschsprachigen Ländern (Quelle: CiNaViz)

Mein Anstoß, mich mit der Thematik zu beschäftigen, war die Frage, die sich mir während einer Zugfahrt durch Sachsen stellte, ob dort nachweislich besonders viele Ortsnamen Zischlaute enthalten. Die folgende Karte zeigt die Verteilung der Ortschaften, in deren Namen die Zeichenkette „zsch“ enthalten ist. Man kann wohl sagen: Meine Frage ist mit „ja“ zu beantworten.

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Verteilung der Ortsnamen, die die Zeichenkette „zsch“ enthalten (Quelle: CiNaViz)

Eine vorerst letzte Karte noch, Ortsnamen auf „-bronn“, auf „-brunn“ und auf „-born“:

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Verteilung der Ortsnamenendungen „-bronn“ (blau, überwiegend im Schwäbischen, auch über die unter- und mittelfränkische Grenze hinweg), „-brunn“ (rot, überwiegend in Bayern, im Norden und Osten Österreichs, aber auch im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet) und „-born“ (grün, überwiegend im (west)mitteldeutschen Sprachraum und sporadisch weiter nördlich) (Quelle: CiNaViz)

Mit CiNaViz kann der Laie so viel Spaß haben wie mit den bekannten Nachnamenverteilungs-Karten; die Namensforscherin hat ein Werkzeug zur ersten, grafisch unterstützten Hypothesenbildung und -prüfung. Auch wenn die Ortsnamenforschung schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat und über die Namensverteilung schon viel bekannt ist — wenn ich mir die Verteilung über solche Visualisierungen (die meines Wissens so vorher im Internet nicht zugänglich waren) selbst erschließen kann, habe ich doch mehr davon.

Stichproben mit einigen mir bekannten Weilern und unselbständigen Ortschaften haben keine Lücken in den zugrunde liegenden Geo-Daten gezeigt. Etwas kritisch muss aber angemerkt werden, dass einige der Marker, die ich nachverfolgt habe, bei jeglichem Zoomfaktor nur eine unbeschriftete Ödnis „markieren“, so dass die Genauigkeit und/oder die Nachvollziehbarkeit nicht ganz 100%ig gegeben scheinen. Dennoch — für einen Überblick scheint mir dies ein absolut fabelhaftes Werkzeug zu sein. Es überwiegt also die Fröhlichkeit. Und ich werde in den kommenden Wochen sicherlich noch mehrfach Karten von CiNaViz hier zeigen.

CiNaViz ist ein Projekt von Thomas Zastrow.