Vor Kurzem hatte ich CiNaViz, die interaktive Karte zur Ortsnamenverteilung, vorgestellt und schon angedroht, dass ich darauf noch würde zurückkommen wollen. Jetzt ist es so weit. Wie der Titel schon verrät, habe ich mich dazu entschieden, die Ortsnamenverteilung in Form von kleinen Rätseln, genauer gesagt von Zuordnungsaufgaben anzugehen.

Beginnen will ich mit einem „Klassiker“ unter den Ortsnamen, nämlich denjenigen, deren Endungen darauf hindeuten, dass sie am Ort einer Rodung entstanden. Der Wortstamm -rod- ist in den Namen der entsprechenden Ortschaften noch erkennbar enthalten, jedoch je nach Region auf eine typische Weise anders. Man kann daher im Prinzip halbwegs abschätzen, in welcher Gegend eine Person lebt, wenn man nur weiß, dass der Wohnort beispielsweise auf -rath endet (Sage mir, wo du wohnst, und ich sage dir, wo du wohnst …). Man kann. Im Prinzip. Können Sie’s auch? [1]

a) Zum Aufwärmen eine etwas „leichtere“ Aufgabe — evtl. leichter, da die betreffenden (Kern-)Gebiete weiter auseinander liegen und somit auch geographisch deutlicher voneinander abgegrenzt sind: Welche Farbe markiert die Ortsnamen mit folgenden Endungen?

  • -ried
  • -rade
  • -rath

Ortsnamen auf -ried, -rade, -rath

Ortsnamen auf -ried, -rade, -rath (Karte: CiNaViz)

b) Und nun die schwierigere Aufgabe — die (Kern-)Bereiche liegen näher zusammen: Welche Farbe markiert die Ortsnamen mit folgenden Endungen?

  • -reuth
  • -roda
  • -rode

Ortsnamen auf -reuth, -rode, -roda

Ortsnamen auf -reuth, -roda, -rode (Karte: CiNaViz)

Auflösung (mit der Maus den folgenden Absatz markieren):

Aufgabe a) -ried: rot, -rade: blau, -rath: grün
Aufgabe b) -reuth: rot, -roda: grün, -rode: blau

Zur weiteren Veranschaulichung: In der folgenden Animation habe ich die oben genannten und noch weitere Endungen mit gleicher Bedeutung versammelt: Ortschaften, deren Namen auf -rade, -rode, -rath, -roth, -roda, -reuth, -ried und -reith enden (bei -ried ist allerdings zu beachten, dass dieser Namensbestandteil auch auf ein Moorgebiet zurückgeführt werden kann):

Orte, deren Namen (Endungen) auf Rodung hindeuten – Klicken Sie auf das Bild, um die große Version aufzurufen

Orte, deren Namen (Endungen) auf Rodung hindeuten – klicken Sie auf das Bild, um die große Version aufzurufen (Karten: CiNaViz)

Und hier nochmal dieselbe Ortsnamenverteilung in einer statischen Darstellung:

Orte, deren Namen (Endungen) auf Rodung hindeuten – Klicken Sie auf das Bild, um die große Version aufzurufen (Karten: CiNaViz)

Orte, deren Namen (Endungen) auf Rodung hindeuten: -rade: rot, -rode: rosa, -rath: orange; -roth: hellblau; -roda: dunkelblau; -reuth: grün; -ried: gelb; -reith: dunkelgelb. Klicken Sie auf das Bild, um die große Version aufzurufen (Karte auf der Basis von CiNaViz)

Fortsetzung folgt.

[1] Anmerkung: Über die Verteilung von Ortsnamen ist bereits viel bekannt. Selbst auf Wikipedia finden sich brauchbare Seiten zur Herkunft und Verteilung von bestimmten Ortsnamenendungen. Ich stütze mich bei diesen Rätseln aber weniger (oder: sekundär) auf bestehende (sprachwissenschaftliche) Literatur, sondern mehr (oder: zuerst) auf „Verwaltungs-Daten“. Mein Ausgangspunkt ist eine Übersicht des Statistischen Bundesamtes über alle selbständigen Gemeinden in Deutschland (die jeweils aktuelle Version kann hier heruntergeladen werden). Diese Übersicht beinhaltet neben den Ortsnamen u.a. auch die dazugehörigen Postleitzahlen, Regierungsbezirke und Bundesländer. Sie enthält jedoch keine Geo-Koordinaten, keine unselbständigen Ortschaften und sie ist auf Deutschland beschränkt. Für tiefschürfende Ortsnamensforschung ist sie daher kaum geeignet, zum Spielen ist sie aber sehr schön, da man damit u.a. Übersichten zu den Ortsnamen der verschiedenen Bundesländer erstellen kann. Dazu habe ich die Daten beispielsweise dahingehend analysiert, ob eine bestimmte Endung (ein bestimmtes n-Gramm am Ende der Namen) in bestimmten Regionen (z.B. Bundesländern) erkennbar häufiger auftritt als in anderen Regionen. Über das verwendete Verfahren (ausufernde Anwendung des Chi-Quadrat-Tests für sämtliche n-Gramme in der Gegenüberstellung „im Bundesland“ vs. „außerhalb des Bundeslandes“ ohne Korrekturmaßnahmen) würden eingefleischte Statistiker\innen die Nase rümpfen; Ziel war aber fürs Erste keine Aussage über belastbare Signifikanzwerte, sondern nur eine grobe Grundlage zur Hypothesenbildung und -prüfung. Die Praxis hat gezeigt, dass die in der Literatur beschriebenen Namensverteilungen auch in meinen Ergebnissen zutage treten; darüber hinaus haben mich meine Ergebnisse auf einige Ortsnamenendungen aufmerksam gemacht, die mir bis dahin noch nicht bekannt waren. Grafische Unterstützung und Veranschaulichung erlaubt nun eben CiNaViz, das außerdem offensichtlich auch die (oder zumindest viele der) unselbständigen Ortschaften anzeigt und die Tabelle des Bundesamtes damit noch ergänzt.