Ich werfe hier mal ein paar 80 Jahre alte Wörterbuchartikel in die Runde. Zum Glück ergibt sich da ja kein Bezug mehr zum Heute. Merke außerdem: Sozialer Aufstieg ist überbewertet und Eheberatung müsste mal anders definiert werden. Zum Trost: Der letzte Eintrag steht da einfach nur, weil er so schön ist.

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Arbeitsscheu, zu einem erheblichen Teil durch Schwachsinn, Psychopathie, Geisteskrankheit bedingt, wie Untersuchungen an Bettlern, Landstreichern und Prostituierten ergeben haben.

asozial ist ein Mensch, der unfähig ist, sich in die Gesellschaft einzuordnen und selber zu erhalten. A. sind zum großen Teil Erbkranke und erblich Belastete, insbesondere Schwachsinnige. In einem unerfreulichen Gegensatz zu der Lebensuntüchtigkeit steht die Fortpflanzungstüchtigkeit der Asozialen und ihre überdurchschnittliche Zahl von Nachkommen.

Aufstieg, sozialer, Aufstieg einer Familie in sozial höhere Schichten, zuweilen allmählich über Generationen, zuweilen rasch durch besonders Begabte. Das Bestreben der Eltern, ihren Kindern eine bessere Ausbildung zu ermöglichen, veranlaßt sie gewöhnlich, mit Rücksicht auf die Kosten der Ausbildung, die Zahl der Kinder zu beschränken. Da in den höheren sozialen Schichten die Fortpflanzung gleichfalls eine unzureichende ist, führt der s. A. gleichzeitig zu einer allmählichen Ausmerze der aufgestiegenen Familien und – für das Volk – zu einer Ausmerze der Begabten.

Eheberatung, Beratung der Heiratswilligen […] vor der Eheschließung über ihre Erbgesundheit und die Aussicht auf erbgesunde Nachkommen. Dieses Ziel ist in den Eheberatungsstellen, die vor einigen Jahren eingerichtet wurden, nur in geringem Umfange erreicht worden. Vielmehr wurden die Stellen auch von Verheirateten aufgesucht, und die Beratung umfaßte alle möglichen Krankheiten, die vor und in der Ehe auftreten, insbesondere auch sexuelle Fragen und Geburtenverhütung. Eine Anzahl von Mütter- und Sexualberatungsstellen diente ausschließlich diesem Zweck. Eine Prüfung der erbbiologischen Ehetauglichkeit ist ein unbedingtes Erfordernis vor jeder Eheschließung; die Frage sollte bei allen Heiratswilligen so früh wie möglich, vor der Verlobung und noch ehe eine feste Bindung erfolgt geprüft werden.

Prostituierte (prostituo = zur Unzucht öffentlich preisgeben, l.), wie alle sozial Entgleisenden zu einem wesentlichen Teil aus Schwachsinnigen und Psychopathen bestehend.

Psychopathen, schizoide (schizo = spalten, g.) sind verschlossene, in sich gekehrte (autistische, von autos = selber, g.), ungesellige, humorlose Sonderlinge, bei denen sich Überempfindlichkeit und kühle Unempfindlichkeit mischt (psychaesthetische Proportion). Je nach der Mischung neigen sie mehr nach der Seite: schüchtern, scheu, feinfühlig, nervös, aufgeregt, oder nach der anderen Seite: lenksam, gutmütig, gleichmütig, stumpf, dumm. Sie stehen in der Mitte zwischen den schizothymen Gesunden und den schizophrenen Geisteskranken mit allen Übergängen nach der einen oder anderen Seite. Der feinfühlige, träumerische Natur- und Bücherfreund, der Sammler reicht noch in die Breite des Gesunden, der mürrische, menschenfeindliche Sonderling, der verbohrte Erfinder, der sektenstiftende Prophet reicht schon in die Krankheit hinein. Kalte, gefühllose Despoten, Jähzornig-Stumpfe, eigensinnige Querulanten gehören zu den sch. Ps. (nach Kretschmer).

Aus: Wörterbuch zur Erblehre und Erbpflege (Rassenhygiene). Bearbeitet von Medizinalrat Dr. Erich Jeske. Berlin: Alfred Metzner, 1934.