update bei duden.de, teil 5 (m – q)

Teil 5 über das duden.de-Update umfasst die Neueinträge von M wie Macaron bis Q wie Quotenmodell.

Alle Neueinträge: A – B, C – E, F – H, I – L, M – Q, R – S, T – Z

Plattenbaugebiet (Symbolbild) — Berlin: Blick auf das neue Stadtzentrum mit Fernsehturm, Interhotel „Stadt Berlin“ und weiteren Neubauten (19.11.1971) (Quelle: Wikimedia Commons/Bundesarchiv, Bild 183-K1122-0312, Fotograf: Hubert Link, Lizenz CC BY-SA 3.0)

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update bei duden.de, teil 4 (i – l)

Teil 4 über das duden.de-Update umfasst die Neueinträge von I wie ick bis L wie Lüftungstechnik.

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(Lichtsignalanlage. Quelle der Abbildung: pixabay)

update bei duden.de, teil 3 (f – h)

Zum (Spoiler – auch das ist ein neues Wort:) Wochenstart begrüße ich alle Wort-, Wörterbuch- und Lexikographieblogfreundinnen zu Teil 3 der Neueinträge bei duden.de.
Heute: von F wie facebooken bis H wie hyggelig.

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Familienhund und Hundewelpe (Symbolbild)
(Quelle der Abbildung: pixabay)

update bei duden.de, teil 2 (c – e)

Nachdem der gestrige Auftakt meiner Reihe zu den Neueinträgen auf duden.de so freundlich aufgenommen wurde (auch vom Dudenverlag), schiebe ich hier vor dem Wochenende gleich noch Teil 2 hinterher: die Neueinträge aus dem Bereich CD und E.

Hierzu eine Anmerkung: Die neuen Einträge mit Co-… und Ex-… sind nicht neu aufgenommen im Hinblick auf ihre Bedeutung, sondern hier hat sich eine orthographische Neuerung ergeben: Früher waren diese Ausdrücke bereits in zusammengeschriebener Form aufgelistet, jetzt ist aber noch die Bindestrich-Schreibung dazugekommen.

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(Quelle der Abbildung: pixabay)

update bei duden.de, teil 1

Es dürfte kaum jemandem entgangen sein, dass gestern die neue, jetzt 27. Auflage des vulgo der Duden genannten Printwörterbuchs zur deutschen Rechtschreibung erschienen ist. 5000 Wörter wurden laut Verlagsangaben neu in das Werk aufgenommen – nachzählen werde ich nicht. In den Presseberichten zur Neuauflage wurden von diesen 5000 immer dieselben gut drei Dutzend Wörter aufgeführt (Emoji, facebooken, Fake News, icke usw.).

Nicht ganz so viel Aufmerksamkeit hat die Tatsache erfahren, dass auch das Online-Wörterbuch duden.de (vermutlich gestern) ebenfalls eine Aktualisierung erfahren hat. Nach meiner Untersuchung sind es zwar nicht 5000, aber immerhin deutlich über 1000 Wörter, die neu aufgenommen wurden. Ob es jetzt Einträge im gedruckten Rechtschreib-Duden gibt, die online noch fehlen, kann ich nicht sagen; aber dass es weniger als 5000 neue Wörter sind, liegt mit Sicherheit unter anderem daran, dass manche für das Printwörterbuch neuen Einträge im Online-Wörterbuch längst enthalten waren, z. B. futschikato (das übrigens auch schon lange im Fremdwörter-Duden stand, aber halt nicht im Rechtschreib-Duden).

Und weil sich niemand über 1000 Wörter am Stück anschauen will, werde ich diese neuen Wörter von duden.de in den nächsten Tagen in kleine Portionen aufgeteilt hier auflisten. Wie auch beim gedruckten Duden wird für alle etwas dabei sein: Technikfans, Hipster, Politikinteressierte, Sprachnörgler, Bergisch Gladbacher … und vor allem für Substantivfreunde, denn die aller-aller-allermeisten der „Neuen“ sind (zusammengesetzte) Substantive.

Heute mache ich den Anfang mit der Wörterstrecke A bis B:

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(Quelle der Abbildung: Wikimedia Commons, User: Andreamicci, Lizenz CC BY-SA 3.0)

fak news! – liebling, ich habe die news gefakt

Fak News! Dieser Ausdruck enthält tatsächlich keinen Rechtschreibfehler – zumindest nicht nach Duden –, da es sich um einen Imperativ handelt. Aus gegebenem Anlass ein paar Blicke in Wörterbücher und Sonstiges.

Zum Verb faken, das auf die eine oder andere Weise auf das englische fake zurückgeht, verzeichnet duden.de die Imperativ-Formen fak! und fake! für den Singular. Für den Plural wird keine Form explizit genannt, was dann sicherlich bedeutet, dass die Form wie üblich gleich der 2. Pers. Pl. Präs. Ind. Akt., also fakt lautet.

Für das Partizip II, bei dem hier meiner Erfahrung nach ein Zweifelsfall vorliegt, notiert duden.de: gefakt.

Warum ich hier von einem Zweifelsfall spreche? Im Alltag (d. h. vor allem im Internet) begegnet man doch auch häufiger den Formen gefaket oder gefaked, dazu findet man auf duden.de jedoch nichts. Und dafür hat man bei Duden gute Gründe: Das Verb faken wird offensichtlich analysiert als zusammengesetzt aus dem Stamm fak- und der „normalen“ Infinitiv-Endung -en. So wie spielen aus spiel- + -en oder tanken aus tank- + -en. Und bei der Bildung der anderen Konjugationsformen wird ganz analog verfahren: Spiel mit! Tank schon! Fak die Meldung! – und: Gut gespielt! Fertig getankt! Alles gefakt! Oder eben auch (ihr) fakt und damit auch die Imperativ-Form des Plurals.

Jetzt mag jemand kommen und sagen: Aber in faken steckt doch fake, und das hat ein e am Ende! Nun, in (sich) sonnen steckt Sonne, auch mit e am Ende, trotzdem lautet das Partizip II gesonnt und nicht *gesonnet, und auch die Imperativ-Form Sonn dich nicht zu lange! ist absolut korrekt. Bei Verben ist das eben so: Wenn der Infinitiv auf -en endet, dann gehört das e zur Endung und nicht zum Verbstamm. Hat also alles seine Richtigkeit mit fak! und gefakt im deutschen Sprachsystem.

Trotzdem kann ich mir nicht recht eine Zukunft für fak! vorstellen. Die canooten (oder deren Morphologieautomat) anscheinend auch nicht, denn dort ist lediglich fake! als Imperativ im Singular verzeichnet, sowie gefakt als Partizip II. Im Wiktionary wiederum hält man sich ganz an duden.de.

Bei Pons wird kein Imperativ angegeben, als Partizip II steht im Artikel zu faken ebenfalls hat gefakt. Pons hält allerdings noch eine Überraschung bereit: Sucht man dort nach gefaket oder gefaked, erscheint ein Artikel zu einem (und damit meine ich: in beiden Fällen zu ein und demselben) Artikel, der von Pons offenbar akzeptierte Adjektive dieser Form beschreibt:

Diese Adjektive findet man sonst weder bei Duden noch bei canoo.net oder im Wiktionary. Pons ist hier also seeehr deskriptiv und verweist an dieser Stelle auch gar nicht auf die andere Schreibung.

Immerhin könnte Pons damit argumentieren, dass die beiden Formen eben auch verwendet werden – wenn auch seltener als die „Hauptform“ gefakt (Suche im DeReKo 2017-I via COSMAS II):

Was ich hier hinsichtlich der Flexion für faken gesagt habe, gilt im Übrigen auch für andere Verben mit englischem Hintergrund, beispielsweise für biken (duden.de: bik!, bike!, gebikt; canoo.net nur bike! und gebikt), smoken (duden.de, canoo.net: smok!, smoke!, gesmokt) oder checken (duden.de, canoo.net, Ponsgecheckt); oder auch für stalken, zu dessen Partizip II weder duden.de noch canoo.net oder Pons eine Angabe haben (die letztgenannten nicht einmal einen Eintrag): regelmäßig gebildet, lautet die Form gestalkt, und diese wird auch am häufigsten im DeReKo gefunden. Dass es hier gar keine Treffer für gestalket* (oder gechecket*) gibt, liegt wohl daran, dass der Wortstamm dieser Wörter kein (auch noch so „stummes“) e am Schluss hat – diese Eigenschaft von fake/faken scheint zu einem großen Teil für Zweifelsfälle verantwortlich zu sein.

Treffer

mit Wikipedia ohne Wikipedia

gestalkt*

366

353

gestalket*

0

0

gestalked*

5

4

gecheckt*

3453

3018

gechecket*

0

0

gechecked*

7

1

Nachtrag: Siehe auch den Beitrag zu liken (von 2011 – offensichtlich überwiegend mit geliked als Partizipform, was ich damals verständnisvoll kommentiert habe. „Nach System“ müsste es gelikt heißen. Auf duden.de wird keine Form explizit genannt, bei canoo.net gibt es keinen Eintrag. Pons folgt auch hier wohl mehr einem tatsächlichen Gebrauch als dem Sprachsystem: Mit dem Beispiel bzw. der Strukturformel „jd liked etwas“ wird die nicht der deutschen Konjugation folgende Endung -(e)d angegeben. Ob dies die de facto am häufgsten verwendete Form ist, kann ich nicht überprüfen.

Nachtrag 2: Derzeit (Stand 26.08.2017) ist der Eintrag zu gefaked bzw. gefaket im Pons-Wörterbuch nicht mehr enthalten. Im Eintrag zu liken heißt die Strukturformel jetzt nicht mehr „jd liked etwas“, sondern „jd likt etwas“. Zufall?

🐧❀ wortbildung und rechtschreibung mit der bundeskanzlerin 🐦 🐞 🌷

Hallo liebe Kinder und Junggebliebene.

Wie Ihr alle bestimmt schon gehört habt, ist im Herbst wieder Bundestagswahl. Und wenn es dieser andere Kandidat nicht verhindert, der mit S…, wiehießerdochgleich, ach ja, Serdar Somuncu, dann wird die Frau Merkel erneut Kanzlerin werden bzw. bleiben. Ich kann mich noch erinnern, als sie sich zum ersten Mal zur Wahl gestellt hat, da frugen welche, ob sie denn jetzt „Kanzlerkandidatin“ oder „Kanzlerinkandidatin“ sei. Jetzt, ungefähr drölfzig Jahre danach, gibt es schon ganz viele zusammengesetzte Wörter, die mit „Kanzlerin…“ anfangen, oder aber auch mit „Kanzlerinnen…“. Ich habe über COSMAS eine Liste von etwa 500 solcher Wörter gefunden (Wortform-Types, nicht lemmatisiert; etwa 350 davon treten nur ein Mal auf).

Weil ich gerade Lust darauf hatte, mal wieder ein paar kleine Tabellen zu erstellen, habe ich mir dann mal zwei Aspekte herausgesucht, nach denen sich diese Wörter schön in einer Tabelle aufteilen lassen: Der wortbildnerisch-morphologische Aspekt, ob die Zusammensetzung mit „Kanzlerin…“ oder Kanzlerinnen…“ anfängt, und der orthographische Aspekt, ob die Zusammensetzung mit Bindestrich oder ohne geschrieben wird.

Das Ergebnis sieht so aus:

Was die Schreibung mit Bindestrich angeht, ist der Unterschied nicht so groß. Zwar werden in meiner Untersuchung mehr Wörter mit Bindestrich geschrieben, aber besonders auffällig ist das Ergebnis nicht (Tabelle 1). Gezählt werden in der Tabelle übrigens die unterschiedlichen Wortform-Types – wenn man die Anzahl der jeweils dazugehörigen Einzelvorkommen im Text heranzieht, ergibt sich sogar ein ganz ausgewogenes Verhältnis von 50/50 %.

ohne Bindestrich

229

46 %

mit Bindestrich

272

54 %

Summe

501

Tabelle 1: Schreibung mit/ohne Bindestrich

Was die Schreibung mit der „Singular-“ oder „Pluralform“ als Erstglied angeht, sieht die Sache ganz anders aus. Nur in etwas mehr als einem Viertel der Fälle steht „Kanzlerin…“, also die Form, die mit dem Singular identisch ist. In fast drei Viertel der Fälle steht dagegen „Kanzlerinnen…“ (Tabelle 2). An diesem Verhältnis ändert sich auch kaum etwas, wenn man die einzelnen Vorkommen im Text als Grundlage nimmt. Für diese Art der Verbindung der Zusammensetzungs-Bestandteile gibt es also eine recht eindeutige Vorliebe.

Kanzlerin…

139

28 %

Kanzlerinnen…

362

72 %

Summe

501

Tabelle 2: Schreibung mit „Singular-“ oder „Pluralform“ als Erstglied

Schließlich habe ich dann noch beide Aspekte miteinander kombiniert, und auch da zeigen sich einige Auffälligkeiten (Tabelle 3):

• Während sich ja insgesamt gesehen kein großer Unterschied im Verhältnis mit/ohne Bindestrich zeigt, lässt sich doch feststellen, dass innerhalb der Gruppe der Zusammensetzungen mit „Kanzlerin…“ nur 30 % (42 von 139) ohne Bindestrich geschrieben werden, 70 % (97 von 139) aber mit. Bei den Bindestrich-Schreibungen handelt es sich im Übrigen auch allerweitestgehend nicht um Koplativkomposita, bei denen man einen Bindestrich vielleicht eher erwarten würde, sondern augenscheinlich um Determinativkomposita. Innerhalb der Zusammensetzungen mit „Kanzlerinnen…“ ist das Verhältnis mit/ohne Bindestrich wiederum fast ausgewogen (52 % ohne / 48 % mit Bindestrich).

• Dass häufiger „Kanzlerinnen…“ als Erstglied gewählt wird und nicht „Kanzlerin…“ bleibt gleich, auch wenn man Untergruppen nach Verwendung von Bindestrichen bildet. Allerdings zeigt sich auch, dass in der Gruppe „ohne Bindestrich“ mit 18 % (42 von 229) im Verhältnis noch deutlich seltener „Kanzlerin…“ steht als insgesamt (28 %) betrachtet. In der Gruppe „mit Bindestrich“ dagegen gibt es mit 36 % (97 von 272) einen im Vergleich relativ hohen Anteil von „Kanzlerin…“-Schreibungen.

Kanzlerin…

Kanzlerinnen…

Summe

ohne Bindestrich

42

187

229

mit Bindestrich

97

175

272

Summe

139

362

501

Tabelle 3: Kreuztabelle mit der Kombination beider Aspekte

Jetzt hätte ich eigentlich diesen Fall gerne noch mit anderen Zusammensetzungen verglichen, um zu überprüfen, ob sich die Verhältnisse zwischen der Wahl (k)eines Bindestrichs und der Entscheidung für das Movierungssuffix ± Fugenelement „-in(nen)-“ als vergleichbar beweisen. Allerdings ist das gar nicht so einfach, solange Angela Merkel als Kanzlerin ein Unikat ist wie der Papst, und solange es keine Päpstin-Kandidatin gibt, die es zu nennenswerter Präsenz in den Corpora des Instituts für Deutsche Sprache schafft. Ich habe es mal für „Ministerin(nen)…“ und „Präsidentin(nen)…“ ausprobiert, da war allerdings der Anteil der Wortbildungen mit den „Singular-Formen“ als Erstglied echt gering – was möglicherweise daran liegt, dass wirklich von mehreren Ministerinnen und Präsidentinnen die Rede ist, egal ob man das „-nen-“ in „Ministerinnen…“ jetzt für ein semantisch leeres Fugenelement hält oder ihm doch eine pluralische Bedeutung zugesteht (die es bei „Kanzlerinnen…“ ja schlecht haben kann). Immerhin zeigt sich auch da, dass sich die Schreibungen mit und ohne Bindestrich (insgesamt gesehen) in etwa die Waage halten.

So. Ende dieser Fingerübung.