Die American Dialect Society, eine von mehreren Institutionen, die in den USA ein Wort des Jahres küren, hat App zum Wort des Jahres 2010 gewählt. Und sie hat auch eine Menge anderer Wörter gewählt, die man in der Pressemitteilung (PDF) lesen kann: das nützlichste, das kreativste, das unnötigste und und und …

Das nützlichste Wort, und auch Platz 2 der Liste für das Wort des Jahres, lautet:

nom Onomatopoetic form connoting eating, esp. pleasurably. Can be used as an interjection or noun to refer to delicious food.

Wie nbcactionnews.com schreibt, ist der Ursprung von nom die Sesamstraße: Wenn das Krümelmonster seine Keeksäää verkrümelt, klingt es dabei: Nom nom nom nom. Mittlerweile wurde daraus „a chat-, tweet-, and text-friendly syllable that connotes ‚yummy food'“.

So weit, so gut, eigentlich ist das ja nur der Aufhänger zu meinen eigentlichen Fundstücken. Ein paar amüsante Happen für zwischendurch sozusagen; mir sind ein paar Wörterbuchartikel aufgefallen, in denen die Art der Beschreibung mich schmunzeln ließ. Im Deutschen haben wir ja auch Ausdrücke, um zu bezeichnen, dass uns etwas schmeckt. So findet sich im Duden — Das große Wörterbuch der deutschen Sprache (3. Aufl. 1999) der Eintrag nam, nam — zwar nicht als Substantiv, aber als Interjektion:

nam, nam <Interj.>: njam, njam!

Das kursiv gesetzte njam, njam! ist, wenn ich die Benutzungshinweise richtig verstehe, als Bedeutungsangabe zu verstehen. Nam, nam bedeutet also njam, njam! — Schon darüber könnte ich mich köstlich amüsieren. Wenn nun aber jemand nicht weiß, was njam, njam! nun eigentlich bedeuten soll, wäre es ja angebracht, auch diesen Ausdruck zu verzeichnen. Und tatsächlich:

njam, njam! <Interj.>: als Ausdruck bevorstehender Gaumenfreuden.

Njam, njam! ist eine Interjektion als Ausdruck bevorstehender Gaumenfreuden. Also wenn wer auch immer diesen Artikel geschrieben hat, sich dabei nicht selbst gekringelt hat vor Lachen … So etwas finde ich unglaublich viel lustiger als selbstausgedachte Bedeutungen.

Auch schön ist der folgende Eintrag aus dem Rechtschreib-Duden (23. Aufl. 2004):

meck!; meck, meck!

Wer dringend wissen muss, wie man dieses Wort schreibt, findet es hier also sogar dreimal, zur absoluten Sicherheit. Aber, da tut der Rechtschreib-Duden seinem Namen einmal alle Ehre, ein Hinweis, was das bedeuten soll, steht nicht dabei (dafür muss man dann in andere Wörterbücher gucken). — Übrigens: In den anderen Wörterbüchern behauptet der Duden, „meck“ sei ebenfalls eine Interjektion. Damit sind Interjektionen wahrscheinlich die einzigen Wortarten, die Tiere von sich geben können (es überrascht mich fast ein bisschen, dass ich über Google keine Meldung darüber finde, dass Ziegen im Dialekt meckern). Und vielleicht nicht nur Tiere — das nächste Beispiel kommt aus Wahrigs Deutschem Wörterbuch (8. Aufl. 2006):

hui! 〈Int.〉 […] 3. (Geräusch des Windes)

Haben Sie schonmal den Wind „hui“ machen hören? Dann hat er eine Interjektion benutzt!

Falls Sie nicht wissen, wie man lacht, kann das Duden-Universalwörterbuch (5. Aufl. 2003) weiterhelfen:

haha [ha’ha(:)], hahaha [haha’ha(:)] <Interj.>: das Lachen wiedergebender Ausruf.

Man beachte, dass Lachgeräusche unbedingt auf der letzten Silbe zu betonen sind (!? — kommt mir komisch vor, und damit meine ich nicht „zum Lachen“). Im Artikel zur Interjektion ey ist sogar eine Audio-Aussprachedatei enthalten, im Gegensatz zu anderen, wie eiapopeia oder gluck — oder schnedderengteng, was den Klang der Trompete nachbilden soll. Schonmal eine Trompete „schnedderengteng“ machen hören? Ja, auch bei Interjektionen kann man als Muttersprachler noch was lernen …

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