aller zeiten

Im Simpsons-Film gibt es diesen Dialog zwischen Bart und Homer:

Das ist der schlimmste Tag meines Lebens.

Der schlimmste Tag deines Lebens bis jetzt.

An dieses „bis jetzt“ muss jedes Mal, und ich meine wirklich jedes Mal, denken, wenn ich irgendwo etwas von den superlativsten … „aller Zeiten“ lese: „Die wichtigsten Filme aller Zeiten“ [Quelle], „Die ältesten Menschenknochen aller Zeiten“ [Quelle], „Die überflüssigsten Sportwagen aller Zeiten“ [Quelle] usw.

… aller Zeiten – bis jetzt.

Und wie kriege ich jetzt die Kurve zur Lexikographie? Bei Duden, und auch bei Pons, gibt es einen Eintrag für „ever“. Also für „Das ist das schnellste Brotbackrezept ever“ [Quelle]. Und bei Duden steht für „ever“ in der Bedeutungsübersicht unter anderem „aller Zeiten“. Außerdem steht dort auch „drückt eine Verallgemeinerung, eine Höchststufe aus; überhaupt, in jeder Hinsicht„. (Für „aller Zeiten“ gibt es bei duden.de nur ein Beispiel unter „Zeit„.)

Und obwohl ich weiß, dass das die richtige Herangehensweise ist: eine Verallgemeinerung, eine Höchststufe, was sich auch auf „aller Zeiten“ übertragen ließe, komme ich nicht drum herum …

Ich bin der Lexikographieblogger und ich kann mich manchmal nicht von der wörtlichen Bedeutung lösen. So. Jetzt ist es raus. Selbsterkenntnis und der erste Schritt und so. Also entweder ich bessere mich oder Ihr sagt nicht mehr so häufig „aller Zeiten“. Wo liegen die Chancen wohl besser?

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fei werkli: das fränkische wörterbuch im tv

Auf frankenfernsehen.tv gibt es eine Rubrik für das Fränkische Wörterbuch: Dialektale Ausdrücke werden kurz und knackig erklärt. Beispielsweise „fei„.

Das Fränkische Wörterbuch ist ein Projekt der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und wird in Erlangen erstellt. Auch eine Online-Version ist in Arbeit – wer sich von der etwas akademisch daherkommenden Benutzeroberfläche nicht abschrecken lässt, kann jetzt schon darin stöbern.

[Bleibt noch die Frage zu klären, warum ein- und ausleitend im TV-Beitrag zum Fränkischen Wörterbuch eine niederbayerisch verwurzelte Hip-Hop-Kombo gespielt wird …]

rosa und blau

Es gibt tatsächlich nicht so wenige Vornamenwörterbücher für werdende Eltern, in denen die Mädchennamen im Wörterverzeichnis rosa, die Jungennamen blau gedruckt sind. Selbst wenn die Mädchen- und Jungennamen eh schon jeweils in einem eigenen Verzeichnis oder sogar Buch stehen.


Cornelia Nitsch: Vornamen von beliebt bis ausgefallen. München 2016. [Quelle]

Rosa Kohlheim, Volker Kohlheim: Der kleine Vornamenfinder für Mädchen. Berlin 2018. [Quelle]

Rosa Kohlheim, Volker Kohlheim: Der kleine Vornamenfinder für Jungen. Berlin 2018. [Quelle]

In Duden – Das große Vornamenlexikon (Bearb. von Rosa und Volker Kohlheim. 4., völlig neu bearb. Aufl. Berlin u.a. 2014) stehen die Namen immerhin in einem einzigen Wörterverzeichnis, so dass die farbige Unterscheidung eigentlich sogar ganz sinnvoll ist. Da sind die Farben auch nicht ganz so krass rosa und blau, sondern eher rötlich und (lila-)blau.

Davon kann jetzt jede selber halten, was sie will.

PS: Kein Anlass zur Gratulation, diese Erkenntnis erfolgte im Rahmen wissenschaftlicher Recherche.

rechtschreibung der speisen und getränke

Man kennt ja eventuell die fotografischen Urlaubsmitbringsel oder Fußgängerzonenfundstücke von Speisekarten, Aushängen oder Aufstellern, auf denen unfreiwillig komische Variantenschreibungen, Übersetzungen usw. von Speise- und Getränkebezeichnungen dokumentiert sind (z. B. – Achtung, BILD-Zeitung – hier). Diese Bezeichnungen sind hinsichtlich der Rechtschreibung tatsächlich häufig schwierig, da gerade beim Essen und Trinken viel aus anderen Ländern kommt und seine französische, italienische, englische, … Bezeichnung mal in originaler, mal in angeglichener Schreibung mitgebracht hat. Dies hat sich offensichtlich schon Ende des 19. Jahrhunderts als orthografisches Problem bemerkbar gemacht, weshalb Paul Martin Blüher ein Wörterbuch der Rechtschreibung der Speisen und Getränke verfasst hat.

Dieses Wörterbuch wurde noch mindestens bis in die 1930er Jahre aufgelegt und enthält nicht nur ein alphabetisches Verzeichnis der Speisen und Getränke, sondern beispielsweise auch eine Auflistung der am häufigsten vorkommenden Falschschreibungen, ein Verzeichnis der „Fachausdrücke der Weinbehandlung“, Vorschläge für „Fasten-, Vegetarier- und koschere Menüs“ und noch zahlreiche weitere Umtexte, Anhänge usw. Auf archive.org kann die Ausgabe von 1899 durchgeblättert werden.

Blühers Rechtschreibung der Speisen und Getränke. Alphabetisches Fachlexikon. Französisch–Deutsch–English (und andere Sprachen). 2., gänzlich umgearbeitete Auflage. Leipzig 1899. Quelle: archive.org

mund-zu-mund-propaganda

Auch wenn das Wort „im Duden“ steht – zum Beispiel online oder im Großen Wörterbuch der deutschen Sprache – möchte ich doch an dieser Stelle alle, die „Mund-zu-Mund-Propaganda“ sagen, bitten, sich das mal ganz bildlich vorzustellen mit der Mund-zu-Mund-Propaganda, und sich das dann eventuell noch mal zu überlegen.

So viel für heute. Danke.

wörterbuchwatch pons

Ich habe ja schon länger keine Neuigkeiten aus dem Online-Pons mehr berichtet. Dabei ist das vermutlich die einzige Gelegenheit, die Wörter Fruchtbarkeitsritual, Lovemobil, Liebediener, Kurzliegerstation und Kopulativum in einem Absatz zu verwenden, ohne eine grauenhaft kalauernd-herrenwitzige Geschichte zu fabrizieren.

Zu den neuen Wörtern, die ich schon kannte, gehören Honigbrot oder süditalienisch. Zu den neuen Wörtern, die ich gerne gelernt habe, gehören beispielsweise Selbstmördertür oder Slipgebühr. Aber sehen Sie selbst:

Grusel-Clown

Grusel-Clown (CC0)

… wo barthel den senf holt

Niederländisch lernen ist ganz einfach. Zum Beispiel so:

(NEON – Nederlands Online, Wörterbuch)

Dt. „wissen, wo Barthel den Most holt“

Niederl. „weten waar Abraham de mosterd haalt“

Ergo: dt. „Barthel“ = niederl. „Abraham“
Ergo: dt. „Most“ = niederl. „mosterd“

Nicht.

(War ja klar.)

(Niederl. „mosterd“ = dt. „Senf“)

Aber schon interessante Gemeinsamkeiten, und interessante Unterschiede. Wollte ich nur mal bemerkt haben. Ohne darauf näher eingehen zu können/wollen.