lexikographielexikon, band 2

Frisch erschienen: Der zweite Band (D – H) des Wörterbuchs zur Lexikographie und Wörterbuchforschung (Dictionary of Lexicography and Dictionary Research), herausgegeben von Herbert Ernst Wiegand, Michael Beißwenger, Rufus H. Gouws, Matthias Kammerer, Michael Mann, Angelika Storrer und Werner Wolski und veröffentlicht bei De Gruyter:

Siehe auch: Lexikographielexikon

hinweis: europaweite umfrage zur wörterbuchbenutzung

Vom European Network of E-Lexicography wird derzeit eine groß angelegte „Befragung zur Wörterbuchkultur und -benutzung“ durchgeführt.

Zum Umfrageformular kommt man über die entsprechende Internetseite des Netzwerks:
http://www.elexicography.eu/events/european-survey-on-dictionary-use/

Die Startseite ist auf Englisch, die Umfrage kann aber auf Deutsch durchgeführt werden. Sie dauert nach Angaben der Aufgabensteller ca. 10 bis 15 Minuten.

Das European Network of E-Lexicography ist ein Zusammenschluss von Lexikographinnen und Wörterbuchforscherinnen aus Wissenschaft und Praxis.

wörterbuchwatch

Ich wollte nur mal anmerken: Als ich das letzte Mal nachgeschaut habe, standen unter anderem folgende Ausdrücke noch nicht im Pons-Onlinewörterbuch – jetzt schon:

  • Bartöl
  • Hofkamarilla
  • Koleoptile
  • Mesh
  • Riemenpedal

oder

  • Öffi

frühneuhochdeutsches wörterbuch online

Bereits Anfang März ist das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch online gegangen! Die verfügbaren Artikel können unter www.fwb-online.de aufgerufen werden. Das Frühneuhochdeutsche ist die Sprachstufe von der Mitte des 14. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts.

Verfügbar sind allerdings noch längst nicht alle Artikel von A bis Z, sondern nur bestimmte Artikelstrecken.

„Da das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch sich noch im Entstehen befindet, kann die Online-Version des Wörterbuchs noch nicht das gesamte Alphabet abdecken. Zudem gilt für jede im Druck neu veröffentlichte Lieferung eine vierjährige Sperrfrist. Diese verhindert die Bereitstellung der Daten auf FWB-online vor Ablauf von vier Jahren.“

Teil der Online-Fassung ist auch die 1986 erschienene Lexikographische Einleitung von Oskar Reichmann, die als beispielhaft für eine wissenschaftliche metalexikographische Einleitung gilt. Sie ist allerdings auch laaaang.

Mehr allgemeine Information zum Frühneuhochdeutschen Wörterbuch findet man auf den Internetseiten der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.

das versaleszett auf dem weg ins establishment

Ein unerwartetes Nikolausgeschenk hat der Rat für deutsche Rechtschreibung da noch leicht verspätet aus dem Sack gelassen: In seinem Bericht über die Wahrnehmung seiner Aufgaben in der Periode 2011 bis 2016 (PDF) ist unter I) A) 2. der Vorschlag enthalten, das „große ß“ (Versal-Eszett, ) in die amtliche Rechtschreibregelung zu übernehmen.

Bislang war dort in § 25 E3 der Notbehelf angegeben, das „ß“ aufgrund eines fehlenden „großen“ Gegenstücks bei kompletter Großschreibung eines Wortes durch „SS“ zu ersetzen („Straße“ wurde zu „STRASSE“ – in der Praxis aber häufig doch zu „STRAßE“).

Inzwischen sind jedoch nach Auffassung des Rates Voraussetzungen dafür gegeben, den Großbuchstaben „ẞ“ auch amtlich „zuzulassen“. Zum einen werde das Zeichen bereits öffentlich verwendet (als Einsatzbereich genannt wird insbesondere die Werbung), zum anderen werde die Ersatzschreibung mit „SS“ unter anderem bei Behörden aufgrund mangelnder Eineindeutigkeit nicht durchgeführt. Das „ẞ“ füllt hier also eine Lücke. Außerdem haben heute viele, auch verbreitete, Schriftarten das Versal-Eszett aufgenommen – nicht zuletzt angefeuert durch dessen Integration in den Unicode-Standard (U+1E9E) im Jahr 2008 –, so dass die Möglichkeit, dieses Zeichen zu verwenden, auch praktisch gegeben ist.

So fällt, wenn dieser Vorschlag des Rechtschreibrates umgesetzt wird, die Ersetzung durch „SS“ zwar nicht weg, aber der Einsatz von „ẞ“ ist immerhin erlaubt. Das nimmt dann auch endlich all den Obrigkeitshörigen den Wind aus den Segeln, die sich damit bis jetzt nicht anfreunden konnten („In den Rechtschreibregeln steht aber …“, „Gibt’s nicht, weil: steht nicht im Duden …“).

Verwendet wurde das Zeichen im übrigen auch früher schon, wenn auch nicht gerade flächendeckend. Ein häufig zitiertes Beispiel ist aber zufälligerweise gerade eines „im Duden“: die Titelblätter früherer (Leipziger) Duden-Ausgaben zierte das typographisch schönere Versal-Eszett.

Was ich mir jetzt noch wünschen würde, ist, dass Word dieses Zeichen auch berücksichtigt, wenn man Text als Kapitälchen auszeichnen will. Aber das kommt ja vielleicht noch an Weihnachten oder Ostern …

Weitere Lesetipps:

Großartig

syntax mit schusswaffe

Die soundsovielte Variation eines Grammatik-Klassikers: Wer hatte denn nun die Schusswaffe – Händler oder Räuber?

Erlanger Münzhändler vertreibt Räuber mit Schusswaffe (nordbayern.de)

Erlanger Münzhändler vertreibt Räuber mit Schusswaffe (nordbayern.de)

Wir wissen es nicht – wir können es nur anhand der Schlagzeile nicht sicher wissen. Vom Sachverhalt ist aber abhängig, ob „mit Schusswaffe“ als adverbiale Bestimmung und mithin als Satzglied analysiert werden muss (Mit [einer] Schusswaffe vertreibt ein Erlanger Münzhändler einen/mehrere Räuber), oder ob „mit Schusswaffe“ als Attribut zum Substantiv und Akkusativobjekt „Räuber“ gehört ([Einen/mehrere] Räuber mit Schusswaffe vertreibt ein Erlanger Münzhändler).

Solch ein Fall wird als „syntaktische Ambiguität“ bezeichnet; eine eindeutige syntaktische Analyse ist nur mit mehr Kontextwissen möglich. In diesem Fall war es übrigens der Münzhändler, der eine Schusswaffe hatte. Wie im Wilden Westen.

hier wohnt der tod

Die Redensart „Aussehen wie der Tod von [Ortsname]“ wird mit unterschiedlichen Ortsnamen verwendet. Hier eine Übersicht*:

Aussehen wie der Tod von XXX (auf die Karte klicken zur Großansicht)

Aussehen wie der Tod von … (auf die Karte klicken zur Großansicht)

  • „Der schaut aus wie der Tod von Eding“ (Altötting) (Quelle)
  • „Du siehst ja aus wie der Tod von Forchheim“ (Quelle)
  • „Du siehst aus wie der Tod von Ippern!“ (oder: Ypern) (Quelle)
  • „He süht ut as de Dood van Lübeck“ (Er sieht aus wie der Tod von Lübeck) (Quelle)
  • „Er sieht aus wie der Tod von Guntau“ (Quelle: Preußische Sprichwörter) [nicht in der Karte]
  • „Er sieht aus wie der Tod von Eylau“ (Quelle: Preußische Sprichwörter)
  • „Du siehst ja aus wie der Tod von Kiwte!“ (Quelle: Ermländischer Wortschatz)
  • „Die Arme sieht ja aus wie der Tod von Basel!“ (Quelle)
  • „Er siehet aus, wie der Tod von Warschau“ (Nachtrag; Quelle)
  • „[Er siehet aus] wie der Tod von Dirschau“ (Nachtrag; Quelle)

* Hinweis: Für diese Orte habe ich mindestens einen Treffer ergoogelt und diesen dann gar nicht erst weiter verifiziert.