nukular

Kürzlich bei Instagram aufgeschnappt (Inhalt ist mir nicht bekannt):

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(Via Sovietvisuals, via some Mike Cole)

 

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das lorm-alphabet

Das Lorm-Alphabet ist ein Kommunikationsmittel von Taubblinden, sowohl untereinander als auch mit nicht-taubblinden Menschen. Die Verständigung erfolgt dabei über Berührung, nämlich Tipp- und Streichgesten des aktiven, „sprechenden“ Kommunikationspartners in die Handinnenfläche des passiven, „lesenden“ Partners. Entwickelt wurde das System von Hieronymus Lorm, der am 9. August 1821 geboren wurde und im Laufe seines Lebens selbst von Taubblindheit betroffen war.

Das Kommunizieren mittels Lorm-Alphabet wird auch als „Lormen“ bezeichnet und dieses Verb entsprechend durchkonjugiert: „Gelormt wird in die linke oder rechte Hand des Empfängers.“ [Wikipedia]

Lorm-Alphabet (deutsch) [Quelle: Flappiefh / Wikipedia, CC BY-SA 3.0]

duden-bildwörterbuch (1935)

Es passiert ja tatsächlich (wenn auch zugegebenermaßen ziemlich selten), dass ich gefragt werde, ob ich denn abends im Bett Wörterbücher lese. Die Antwort darauf lautet: nicht sehr oft. Ein Wörterbuch, das ich tatsächlich schon abends im Bett durchgeblättert habe, ist das Duden-Bildwörterbuch von 1935. Das ist mal wirklich aus verschiedenen Gründen ein spannendes Buch – mit kuriosen, absurden, amüsanten und durchaus auch verstörenden Abbildungen. Es ist daher an der Zeit, diesem Wörterbuch einen Beitrag zu widmen.

Erschienen ist das Wörterbuch, wie gesagt, 1935 – zwei Jahre nachdem Hitler und die NSDAP an die Macht gekommen waren. Diese gesellschaftlichen und politischen Umstände machen sich auch im Wörterbuch bemerkbar, wenn etwa unter „Wehrverbände“ SA- und SS-Männer mit typischen Utensilien, Fahnen usw. abgebildet werden; wenn etwa unter „Jugend“ neben den Pfadfindern und den Wandervögeln auch die „nationalsozialistische Jugend“ portraitiert wird; wenn unter „Grußformen“ der „Deutsche Gruß“ abgebildet ist; wenn an unterschiedlichen Stellen immer mal Hakenkreuze auftauchen. Aber spannend sind auch und gerade andere Abbildungen, die nicht unmittelbar Bezug zum Nationalsozialismus haben, sondern weitere Aspekte zeigen, denen man alleine aufgrund ihres Vorhandenseins im Wörterbuch dann ja gerne auch eine zeitgenössische Relevanz zusprechen möchte.

Beispielsweise teilt sich die Abbildungen zu den „Grußformen“ eine Seite mit einer Abbildung zum Thema „Rauferei“; versehen mit Erläuterungen wie „9 gibt 8 einen Fußtritt (Tritt) ins Gesäß (in den Hintern) und holt zu einem Schlag (Hieb) mit dem abgebrochenen Stuhlbein a aus“:

Abbildung einer Rauferei

„Die Rauferei“ aus Duden-Bildwörterbuch (1935)

Man beachte auch die dezent an der Wand verteilten Geweihe. Wie aus dem Bauerntheater.

Einen Einblick in den damaligen Schulunterricht bietet die folgende Abbildung, inklusive Rohrstock (5), Spucknapf (11) und „Eckensteher“ (10):

Abbildung einer Klassenzimmers

„Die Schulstunde“ aus Duden-Bildwörterbuch (1935)

Deutlich moderner war man da schon in der Architektur – das Bauhaus lässt grüßen:

Abbildung verschiedener Haustypen

„Haustypen“ aus Duden-Bildwörterbuch (1935)

Im Inneren der Häuser war dann aber doch vieles anscheinend noch eher altbacken, der Abbildung zur „Diele“ nach zu urteilen:

Abbildung einer Diele

„Die Diele“ aus Duden-Bildwörterbuch (1935)

Man beachte auch hier wieder die Geweihe an der Wand – neben dem modernen „Wandfernsprecher“ (22).

Nicht alles aber ist so harmlos; so ist zwischen den Themen „Rechtspflege (Justiz)“ und „Vorkriegsuniformen I“ eine Bildtafel zum Thema „Folter und Hinrichtung“ abgebildet, die allerlei Unschönheiten kompakt versammelt (u. a. die Verbrennung einer „Hexe“ (D 7)):

Abbildung von Foltermethoden

„Folter und Hinrichtung“ aus Duden-Bildwörterbuch (1935)

Apropos „Vorkriegsuniformen“: Dem Thema Kriegsführung und Militär wird verhältnismäßig viel Platz eingeräumt. Mehr als 20 Bildtafeln beschäftigen sich mit Themen wie „Schießausbildung“ (4 Doppelseiten!), „Manöver“, „Stellungskrieg“, „Seekrieg“ oder „Kasernenwesen“ (dazu die folgende Abbildung).

Abbildungen unterschiedlicher Aspekte des Kasernenlebens

„Kasernenleben II“ aus Duden-Bildwörterbuch (1935)

Unter anderem zeigt die Abbildung den Grundriss der Aufstellung einer Schützengruppe (A, C) und so ziemlich alles, was zu einem „leichten Maschinengewehr“ gehört (B).

Faszinierend sind dann wiederum Abbildungen unter „Manöver: Der Nachrichtendienst“ wie die Brieftaube mit Fotoapparat und der „Meldehund“ mit Gasmaske:

Abbildung einer Brieftaube mit Fotoapparat Abbildung eines Hundes mit Gasmaske
Beide Abbildungen: „Der Nachrichtendienst“ aus Duden-Bildwörterbuch (1935)

In der zweiten Auflage dieses Bildwörterbuchs, die 1958 erschien, ist von diesen über 20 Militär- und Kriegsabbildungen übrigens nicht eine einzige übernommen worden. 13 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird die Militärthematik komplett ausgeklammert und mehr oder weniger das einzige, das daran erinnert, ist dann ein „Soldatengrab“ auf dem Friedhof.

Aber auch für die Tiere waren es schon damals keine rosigen Zeiten, wie abschließend die Abbildung zum „Schlachtviehhof“ mit „Schlachtmaske“ (B 2a) bzw. „Schussmaske“ (C 1) zeigt, anhand der man sich dann bildlich vorstellen kann, wie es für die Kuh zu Ende geht:

Abbildungen des Schlachtens und von Schlachtgeräten

„Das Schlachten“ (B) und „Schlächtergeräter“ (C) aus Duden-Bildwörterbuch (1935)

Mit solchen Abbildungen hat mich dieses Wörterbuch komplett für sich eingenommen. Ein weiteres zeitgenössisches Wörterbuch, der Sprach-Brockhaus von 1935, der sich ebenfalls als „Bildwörterbuch“ bezeichnet (der aber eigentlich ein relativ unspektakuläres alphabetisches Bedeutungswörterbuch ist, das zu manchen Einträgen auch ziemlich biedere Abbildungen aufführt), kommt da bei Weitem nicht ran. Das Duden-Bildwörterbuch von 1935 dagegen ist ein Buch, das man auch wirklich gut abends vor dem Schlafengehen noch anschauen kann.

fusion, die: pons darf langenscheidt übernehmen

Auf dem deutschen Wörterbuchmarkt steht eine Fusion zweier bekannter Marken bevor: Das Bundeskartellamt hat die Übernahme von Langenscheidt durch PONS freigegeben.

Zwar kommen die Unternehmen gemeinsam auf hohe Marktanteile, dennoch sei der Zusammenschluss freizugeben, da, so Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, „es sich bei den kritischen Märkten um sogenannte Bagatellmärkte mit nur geringen Umsätzen handelt.“

Printwörterbücher als Bagatellmarkt: „Viele Verbraucher nutzen inzwischen vorrangig das Internet, um Wörter zu suchen oder Sprachen zu lernen.“

Quelle der Zitate: Pressemeldung des Bundeskartellamts (26.04.2019)

Weitere Informationen auch auf tagesspiegel.de (26.04.2019)

Langenscheidt gehört bald zu PONS (Symbolbild)

 

aller zeiten

Im Simpsons-Film gibt es diesen Dialog zwischen Bart und Homer:

Das ist der schlimmste Tag meines Lebens.

Der schlimmste Tag deines Lebens bis jetzt.

An dieses „bis jetzt“ muss jedes Mal, und ich meine wirklich jedes Mal, denken, wenn ich irgendwo etwas von den superlativsten … „aller Zeiten“ lese: „Die wichtigsten Filme aller Zeiten“ [Quelle], „Die ältesten Menschenknochen aller Zeiten“ [Quelle], „Die überflüssigsten Sportwagen aller Zeiten“ [Quelle] usw.

… aller Zeiten – bis jetzt.

Und wie kriege ich jetzt die Kurve zur Lexikographie? Bei Duden, und auch bei Pons, gibt es einen Eintrag für „ever“. Also für „Das ist das schnellste Brotbackrezept ever“ [Quelle]. Und bei Duden steht für „ever“ in der Bedeutungsübersicht unter anderem „aller Zeiten“. Außerdem steht dort auch „drückt eine Verallgemeinerung, eine Höchststufe aus; überhaupt, in jeder Hinsicht„. (Für „aller Zeiten“ gibt es bei duden.de nur ein Beispiel unter „Zeit„.)

Und obwohl ich weiß, dass das die richtige Herangehensweise ist: eine Verallgemeinerung, eine Höchststufe, was sich auch auf „aller Zeiten“ übertragen ließe, komme ich nicht drum herum …

Ich bin der Lexikographieblogger und ich kann mich manchmal nicht von der wörtlichen Bedeutung lösen. So. Jetzt ist es raus. Selbsterkenntnis und der erste Schritt und so. Also entweder ich bessere mich oder Ihr sagt nicht mehr so häufig „aller Zeiten“. Wo liegen die Chancen wohl besser?

fei werkli: das fränkische wörterbuch im tv

Auf frankenfernsehen.tv gibt es eine Rubrik für das Fränkische Wörterbuch: Dialektale Ausdrücke werden kurz und knackig erklärt. Beispielsweise „fei„.

Das Fränkische Wörterbuch ist ein Projekt der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und wird in Erlangen erstellt. Auch eine Online-Version ist in Arbeit – wer sich von der etwas akademisch daherkommenden Benutzeroberfläche nicht abschrecken lässt, kann jetzt schon darin stöbern.

[Bleibt noch die Frage zu klären, warum ein- und ausleitend im TV-Beitrag zum Fränkischen Wörterbuch eine niederbayerisch verwurzelte Hip-Hop-Kombo gespielt wird …]

rosa und blau

Es gibt tatsächlich nicht so wenige Vornamenwörterbücher für werdende Eltern, in denen die Mädchennamen im Wörterverzeichnis rosa, die Jungennamen blau gedruckt sind. Selbst wenn die Mädchen- und Jungennamen eh schon jeweils in einem eigenen Verzeichnis oder sogar Buch stehen.


Cornelia Nitsch: Vornamen von beliebt bis ausgefallen. München 2016. [Quelle]

Rosa Kohlheim, Volker Kohlheim: Der kleine Vornamenfinder für Mädchen. Berlin 2018. [Quelle]

Rosa Kohlheim, Volker Kohlheim: Der kleine Vornamenfinder für Jungen. Berlin 2018. [Quelle]

In Duden – Das große Vornamenlexikon (Bearb. von Rosa und Volker Kohlheim. 4., völlig neu bearb. Aufl. Berlin u.a. 2014) stehen die Namen immerhin in einem einzigen Wörterverzeichnis, so dass die farbige Unterscheidung eigentlich sogar ganz sinnvoll ist. Da sind die Farben auch nicht ganz so krass rosa und blau, sondern eher rötlich und (lila-)blau.

Davon kann jetzt jede selber halten, was sie will.

PS: Kein Anlass zur Gratulation, diese Erkenntnis erfolgte im Rahmen wissenschaftlicher Recherche.