altersfreigabe für wörterbücher?

Die Duden-Wörterbücher im Mac-App-Store sind übrigens freigegeben ab 12 Jahren.

Man muss sich bei der Lektüre auf Folgendes gefasst machen:

Freigabeinformationen im Mac App Store

Freigabeinformationen im Mac App Store

What the f***!? (← Das Lexikographieblog hat übrigens meines Wissens keine Altersbeschränkung.)

neue zeitschrift: lexicography – journal of asialex

Es gibt eine neue Fachzeitschrift für Lexikographie:

Lexicography — Journal of ASIALEX

Editor-in-Chief: Yukio Tono

Erscheint bei: Springer

Für die ersten Beiträge (Volume 1, Issue 1) ist ein kostenloser Zugriff eingerichtet: http://link.springer.com/journal/40607/1/1/page/1

Weitere Fachzeitschriften für Lexikographie sind auf der Seite Lexikographische Zeitschriften gelistet.

deutsch–hodor

Lieber Langenscheidt-Verlag,

dieses Angebot können Sie doch gar nicht ablehnen:

Wie wäre es denn mal mit einem Wörterbuch Deutsch–Hodor?

Ich habe da schon mal was vorbereitet.

Kommen Sie doch bei Interesse einfach auf mich zurück.

Viele Grüße

Ihr Lexikographieblogger

 

“schland” im wörterbuch

Da geistert doch gerade eine Meldung des Schweizer “Tagesanzeigers” an mir vor bei: “Kommt «Schland» ins Wörterbuch?” (Quelle) Klar, dass ich auf so etwas klicken muss. Als einzige weitere Info diesbezüglich steht dann aber im Untertitel dieses Artikels “Das Mannheimer Institut für Deutsche Sprache prüft die Aufnahme des Wortes «Schland» in ihr (sic!) Nachschlagewerk.” Im restlichen (eigentlichen) Artikeltext: Fehlanzeige. Auch keine Quellenangabe o.Ä.

Die Neugier ist geweckt. Nächster Suchtreffer: n-tv.de mit dem Titel: “Institut prüft Aufnahme: “Schland” steht im Wörterbuch-Finale“. Dort im ersten Absatz: “Acht Jahre nach der Sommermärchen-WM kommt die Wortschöpfung “Schland” möglicherweise zu neuen Ehren. Das Mannheimer Institut für Deutsche Sprache (IDS) prüft derzeit eine Aufnahme von “Schland” in ihr (sic!!) Nachschlagewerk “Neuer Wortschatz”.”

Also geht es um die Neologismenkomponente des IDS-Wörterbuchportals OWID, das ist schon etwas mehr Info, auch wenn wiederum nicht genannt wird, woher diese Information überhaupt kommt. Und auch hier geht es im Folgenden nicht mehr um Wörterbücher, sondern (auch nicht uninteressant) eben um das Wort “Schland”.

Noch ein Versuch, diesmal lande ich beim Mannheimer Morgen (morgenweb.de) mit der Schlagzeile ““Schland” künftig im Wörterbuch?“, und weiter: “Acht Jahre nach der Sommermärchen-WM kommt die Wortschöpfung “Schland” möglicherweise zu neuen Ehren. Das Mannheimer Institut für Deutsche Sprache (IDS) prüft derzeit eine Aufnahme von “Schland” in ihr (sic!!!) Nachschlagewerk “Neuer Wortschatz”, wie eine Sprecherin am Donnerstag sagte.”

Ok, damit bin ich dann zufrieden. “Eine Sprecherin” reicht mir schon als Quelle. Erstaunlich, dass n-tv.de gerade diese Information aus dem Text gestrichen hat — und ebenfalls erstaunlich, wie sich der Fehler beim Genus des Pronomens durch sämtliche Zeitungstexte zieht — selbst wenn sie nicht einfach nur von einer Presseagentur übernommen, sondern gekürzt oder evtl. ergänzt worden sind.

Bis jetzt (11.07.) ist “Schland” übrigens auch noch nicht im Wiktionary enthalten; wohl aber auf sprachnudel.de (Eintrag vom 28.06.2008), und in der Wortwarte findet man bereits einige Wortbildungen mit diesem Ausdruck.

[NACHTRAG 15.07.: Das ging fix -- jetzt hat "Schland" auch einen Eintrag im Wiktionary.]

[NACHTRAG 04.08.: Gerade habe ich erfahren, dass "Schland" jetzt tatsächlich im Neologismenwörterbuch des Instituts für Deutsche Sprache aufgenommen ist. Inkl. Angaben zu nicht-normgerechter Schreibung, Bedeutung und Verwendung u.a.m. Und einem Hinweis auf einen Künstler namens Knut Kargel, der in diesem Zusammenhang nicht uninteressant ist.]

Schlund

Schland. Nicht zu verwechseln mit: Schlund (oben)

(Abbildung von Wikimedia Commons, Autor User 1807060460JCM, Public Domain)

wörterbuch-plugins

Menschen, die das Browser-interne Suchformular nutzen, können damit auch auf Wörterbücher zugreifen. Ich habe eine kleine Liste von Wörterbuch-Plugins zusammengestellt, die leider nicht direkt hier im Blog funktionieren, daher verweise ich auf diesen Link zu

Suchplugins für Internet-Wörterbücher

Die Plugins können entweder durch Klick auf den entsprechenden Link in der Liste installiert werden, oder in der Liste, die erscheint, wenn man beim Browser-Suchformular auf den kleinen Pfeil nach unten klickt. Das sieht dann beispielsweise so aus:

Wörterbuchplugins

Links zu den Wörterbuchseiten direkt stehen auf meiner Übersicht: Deutsche Wörterbücher online

disko, disko (von sprechmaschinen und platten)

Bis zur siebten Auflage des Rechtschreibdudens (1902) stand zwischen Grammatologie (‘Schriftenkunde; Theorie der Sprachlehre’) und Gran (‘Korn, kleines Gewicht’) kein weiterer Eintrag. In der achten Auflage (1905) kam das Grammophon (erfunden 1887) dazu: ‘ein dem Phonographen ähnlicher Apparat’, in der neunten Auflage (1915) nur noch ‘Sprechmaschine’. 1915 kam auch die Schallplatte in den Duden (ohne Bedeutungserklärung). In den folgenden Auflagen änderte sich daran nichts — bis zur 13. Auflage (1947), in der die Bedeutungserkärung von Grammophon zu ‘Sprechmaschine; umg. allgemein für: Schallplattenapparat’ geändert wurde. (Im übrigen ist Grammophon ein geschütztes Markenzeichen, das aber schnell zur allgemeinen Bezeichnung wurde — quasi der Walkman seiner Zeit.)

[Grammophon]

Schon in der 14. Auflage (1955) ist das Grammophon dann nur noch ein ‘Schallplattenautomat’ und ihm gesellt sich die Grammophonplatte ‘Schallplatte’ hinzu (Schallplatte ist immer noch ohne Bedeutungserklärung und wird diese im Rechtschreibduden auch nicht bekommen). 1961, in der 15. Auflage, findet die Diskothek (als ‘Schallplattensammlung’) und mit ihr auch der Diskothekar (‘Verwalter einer Diskothek [beim Rundfunk]‘) den Weg in den BRD-Duden (in den DDR-Duden 1963 nur die Diskothek als ‘Schallplattenarchiv'; das Grammophon ist ein ‘Schallplattenapparat’). Bei der Schallplatte bleibt alles beim Alten, auf sie folgt aber nun auch das Schallplattenalbum und unter P steht der Plattenspieler und der Plattenwechsler (alle ohne Bedeutungserklärung). In der 16. BRD-Auflage (1967) ist die Grammophonplatte schon wieder verschwunden; in der DDR-Auflage (1967) wird das Grammophon erklärt als ‘Vorläufer des elektr. Plattenspielers’ und damit wirklichkeitsnäher als in der BRD-Ausgabe. In der 17. BRD-Auflage (1973) steht nun der Discjockey und Diskjockey  (‘jmd., der Schallplatten präsentiert’) knapp vor der Diskothek, die nun auch aktualisiert als ‘Schallplattensammlung; Lokal, in dem Schallplatten gespielt werden’ beschrieben wird. In der DDR-Auflage (1976) steht nicht der Diskjockey, sondern der Diskosprecher als ‘Conférencier für Schallplattensendungen u. -veranstaltungen’.

In der 18. BRD-Auflage (1980) kennt man nun auch die Disco bzw. Disko (‘Lokal, in dem Schallplatten mit Popmusik gespielt werden; Tanzveranstaltung mit Schallplattenmusik’). Bei Diskothek werden zwei gleich geschriebene Wörter unterschieden: 1Diskothek als ‘Schallplattensammlung’ und 2Diskothek ‘svw. Disko’. Das Grammophon wird vom ‘Schallplattenautomat’ zum ‘Gerät zum Abspielen von Schallplatten’. 1986 (19. BRD-Auflage) bringt eine nennenswerte Neuerung: die CD-Platte (‘Kompaktschallplatte’) mit dem CD-Spieler (‘Plattenspieler für CD-Platten’). 1989 erscheint dann auch die 18. (und letzte) DDR-Auflage, in der nun auch der Diskjockei [!] bzw. Diskjockey mit Verweis auf Diskosprecher steht, nicht aber die CD-Platte.

1991 (20., gesamtdeutsche Auflage) kommt dann auch die Abkürzung CD ‘svw. CD-Platte’ ins Wörterverzeichnis und es klopft eine weitere neue Technologie an die Tür: die Disko ist nun ein(e) ‘Tanzlokal u. -veranstaltung mit Schallplatten- oder Tonbandmusik’ (!). Den Tonbandzweig verfolgen wir aber hier nicht weiter — und auch im Duden steht 1996, in der 21. Auflage, bei Disko wieder nur ‘Tanzlokal u. -veranstaltung mit Schallplattenmusik’. Da hat sich das Tonband in der Disko offensichtlich nicht durchgesetzt. Das Grammophon bzw. Grammofon (Rechtschreibreform!) wird nun zum ‘Plattenspieler’ und der neue CD-Player ist ein ‘CD-Spieler’. (Neu ist jetzt übrigens auch die CD-ROM, aber wir bleiben musikalisch.)

In der 22. Auflage (2000) ist endlich auch die Abkürzung DJ für ‘Diskjockei’ verzeichnet und dazu auch gleich die DJane ‘weibl. DJ’, und ja: die Schreibung Diskjockei (statt Diskjockey, mit der Angabe “auch Discjockey”) ist kein Versehen, das steht 2000 tatsächlich so im Duden wie schon weiland 1989 in der DDR-Ausgabe (obwohl diese Form nicht im amtlichen Wörterverzeichnis steht). Dafür wurde die CD-Platte gestrichen, die Bedeutungserklärung ‘Kompaktschallplatte’ steht jetzt bei CD und auch der CD-Spieler ist nun einfach ein ‘Wiedergabegerät für CDs’. 2004 (23. Auflage) verliert der CD-Spieler dann seine Bedeutungserklärung ganz und steht anscheinend selbsterklärend in diesem sehr erweiterten Rechtschreibwörterbuch — die CD erhält dafür eine weitere Bedeutung: ‘Datenträger in Form einer runden, silbrigen Scheibe mit 682 Mbyte Speicherplatz; Kompaktschallplatte’, wodurch ja auch der CD-Spieler eigentlich mehrdeutig wird. Die Disko ist übrigens 2004 immer noch nur ein(e) ‘Tanzlokal u. -veranstaltung mit Schallplattenmusik’, aber da der Duden ja auch die CD sehr gegenständlich als “Schallplatte” ansieht, kann man da schlecht meckern. Immerhin ist aber der Diskjockei nun ‘jmd., der Musiktitel präsentiert’. Jetzt (!) verzeichnet der Duden außerdem erstmals auch die Schellackplatte (ohne Bedeutungserklärung), die man in den bisherigen Auflagen vergeblich gesucht hatte.

Mit der 24. Auflage (2006) wird dann Disco die empfohlene Hauptvariante und Disko nur noch Nebenvariante, und erklärt wird sie nun auch auf der Höhe der Zeit (ähem) als ‘Tanzlokal u. -veranstaltung mit CD- od. Schallplattenmusik’. Der Diskjockei muss seinen Hut nehmen und seinen Platz räumen, Form der Wahl ist nun auch hier der Discjockey mit c in der Mitte und ey hinten. Und so sieht es aus bis heute. (Der Vollständigkeit halber noch die Links zu den Artikeln auf duden.de: Disco und Discjockey, wo die Bedeutungsangaben aber ausführlicher sind als im aktuellen Rechtschreibduden.)

CD-Platte

Die kurze Hoch-Zeit der CD-Platte (Google nGram Viewer)

Siehe auch: Immer die Radreiter!

Bildnachweis (Grammophon): Ausschnitt eines Bildes von Wikimedia Commons, Autor FBQ, unter Lizenz CC BY-SA 3.0

von public viewing und katzen

Drüben im Sprachlog (und auf Twitter) hat Susanne ja gerade Überlegungen zu einer Verdeutschung des Podcasts gesammelt. Wie es der Zufall so will, stolpere ich jetzt über die Internetseite www.deutschretten.com (hätte es da nicht auch eine .de-Endung gegeben, tststs …) — eine weitere Seite, auf der deutsche Entsprechungen zu “denglischen” Ausdrücken angegeben werden (weil: Denglisch bedroht ja die deutsche Sprache und so).

Die mediale Aufbereitung ist etwas peppiger als der VDS-Anglizismenindex, aber sehr viel mehr als dieser steckt im Grunde auch nicht dahinter. Neben einigermaßen naheliegenden Fällen wie “Juice“: “der Saft” oder “Bacon“: “der Speck” darf natürlich das “Public Viewing” nicht fehlen — angegeben als “Öffentliche Vorstellung” (Beispielsatz: “Die öffentliche Vorstellung des Weltmeisterschaftsspiels verursachte einen sprunghaften Anstieg des Brezelkonsums.”). Warum sind wir auf diese Lösung nicht schon früher gekommen. Und sagt man das dann eigentlich auch für die öffentliche Aufbahrung von Toten?

Ein weiterer, sehr kritischer und deutschbedrohender Fall ist ja bekanntlich “Shampoo” (hätten Sie jetzt vielleicht gar nicht so schlimm eingeschätzt, oder?). Aber man kann ja auch “Haarwaschmittel” dazu sagen. Oder “USA” — auch ganz schlimm, viel besser: “die Vereinigten Staaten von Amerika” (ernsthaft!?). Statt “Er ist Single” ist es auch viel schöner, “Er ist eine allein lebende Person” zu sagen, und nur mal für die Leute, die immer behaupten, die englischen Ausdrücke seien viel kürzer und knackiger: für “BahnCard” ist doch wirklich “die Rabattkarte der deutschen Bahn” die bessere Lösung.

Zu “Sale” und “Schlussverkauf” wurde ja bereits festgestellt: “Ein Sale ist kein Schlussverkauf und kein Ausverkauf” (welt.de). Ob “Wer nicht wagt, der nicht gewinnt” für “No risk, no fun” wirklich die ganz adäquate Alternative ist, daran habe ich doch meine Zweifel; sicherlich nicht angemessen ist jedenfalls “Haarlack” als Entsprechung zu “Haarspray” (dazu nur mal der Link auf den ersten Google-Treffer zu dem Thema; die Gendersensiblen mögen bitte das Mädchenrosa auf der Seite gnädig übersehen) und auch bei “Grapefruit” und “Pampelmuse” wird es zumindest kritisch.

Ich habe ja wirklich nichts dagegen, wenn Leute lieber 𝖉𝖊𝖚𝖙𝖘𝖈𝖍𝖊 Wörter (langes S war leider aus) verwenden als “denglische”, aber wenn, dann doch bitte ein bisschen weniger dilettantisch. Sonst müssten sie sich mal fragen, wer die deutsche Sprache wirklich “bedroht”.

Einen, einen einzigen einigermaßen brauchbaren Gag (sorry: Scherz) haben die Macher dann doch auf ihrer Seite versteckt (oder soll die ganze Seite ein Scherz* sein?), nämlich unter “Twittern und Facebooken“: dazu sage man doch besser “Katzen”, wie in: “Ich verbringe meine Nächte meistens mit katzen. / Gestern habe ich diese tolle Sache beim Katzen gefunden.”

Zu Podcast haben sie da aber, so weit ich sehe, auch keine “Übersetzung” gefunden.

*) Denglisch auch: “Marketing-Gag”, für die Bücher der beiden Autoren

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