≥ saarland

Anschauliche Vergleiche sind im Journalismus so wichtig wie die Nacht finster. Im Bereich des Trinkbaren sind Badewannen da sehr beliebt — die Menge Kaffee, die wir alle jährlich trinken, wird beispielsweise mit “etwa eine Badewanne voll” beziffert (spiegel.de, 4.4.2013), und erstaunlicherweise trinken wir dazu auch “eine Badewanne voll Alkohol” (sueddeutsche.de, 3.4.2013).

Was Flächenvergleiche angeht, hat das Saarland den Ruf, als häufigste Vergleichsgröße genannt zu werden: Irgendwas ist zweimal, dreimal, achtmal so groß wie das Saarland (Artikel dazu z.B. bei zeit.de, welt.de oder evangelisch.de). Angeblich “findet sich die Wortfolge ‘so groß wie das Saarland’ mehr als 275 Mal in einer Datenbank im Internet” (siehe welt.de) und auch die Gesellschaft für deutsche Sprache sieht das Saarland “unangefochten an erster Stelle” (siehe ebenfalls welt.de).

Hat das Saarland diesen Ruf zu Recht? Dem will ich im Folgenden nachgehen. Ich habe im DeReKo nach Fundstellen für bestimmte Formulierungen gesucht und mir die entsprechenden Sätze genauer angeschaut. Dabei ist mir mehrfach ein bisschen zu spät aufgefallen, dass bestimmte Fälle bei meinen vorherigen Auszählungen noch fehlten, weshalb ich die Werte anschließend noch einmal ermitteln musste. Ich zeige hier auch diese Schritte, damit ersichtlich wird, wie die Erweiterung oder Einschränkung einer Suchabfrage das ermittelte Ergebnis doch deutlich beeinflussen kann.

Bei meiner ersten Suche ermittelte ich die Treffer für “x-mal größer als” und “x-mal so groß wie”. Die folgende Abbildung zeigt, welche Vergleichsgrößen in den DeReKo-Texten im Anschluss an diese Formulierungen (Fenster von fünf Wörtern) am häufigsten genannt werden:

Vergleichsgrößen

Dazu ist anzumerken, dass “Deutschland” und “Bundesrepublik” tatsächlich getrennt voneinander erscheinen (es sind also nicht doppelt gezählte Fälle von “so groß wie die Bundesrepublik Deutschland”). In anderen Fällen sind jedoch vereinzelte Stellen zu berücksichtigen, in denen eine Fläche “x-mal so groß wie Österreich und die Schweiz” o.Ä. ist. Vereinzelt sind außerdem Treffer für “x-mal so groß wie in y” o.Ä. enthalten, diese haben jedoch keinen Einfluss auf die Reihenfolge. Inwieweit Erde, Sonne und Jupiter als Vergleichsgrößen mit den anderen Flächen vergleichbar sind (Flächenmaße? Raummaße [wahrscheinlich]?), habe ich nicht überprüft.

Wie man hier sieht, ist bei dieser Suche das Saarland auf Rang 7 (14 Fundstellen), relativ abgeschlagen hinter Platz 1 (“Deutschland” mit 182 Fundstellen) und sogar hinter dem Bodensee (21 Fundstellen), aber immerhin auf Platz 1 der deutschen Bundesländer.

Was bei diesem Ergebnis fehlt, sind jedoch Vergleiche, die nicht durch “x-mal” ausgedrückt werden. Vermutlich am häufigsten kommen solche mit “doppelt” und “halb” vor. Ich ließ die Daten also noch einmal durchrattern und suchte nun nicht nur nach “x-mal größer als” und “x-mal so groß wie”, sondern auch nach “doppelt so groß wie” und “halb so groß wie”. Das Ergebnis:

Vergleichsgrößen

Das Saarland liegt nun auf Platz 6 (36 Treffer), wieder deutlich hinter “Deutschland” (282 Fundstellen), und, was ich für noch bemerkenswerter halte, nicht einmal mehr auf Platz 1 der Bundesländer, denn dort liegt bei mir jetzt Hessen mit 39 Fundstellen. Erstaunlich, denn Hessen war beim ersten Ergebnis noch gar nicht in den oberen Rängen gelandet. Das liegt daran, dass die allermeisten relevanten Treffer sich auf irgendeine Fläche beziehen, die “halb so groß wie Hessen” ist. Vielleicht kann man sich Hessen besser halb vorstellen, das Saarland besser mehrfach … aber man sieht, dass diese Modifizierung der Suche ein deutlich anderes Ergebnis ergibt. Immerhin, den Bodensee hat das Saarland hier überholt.

Danach kam allerdings der unangenehme Moment, in dem ich feststellte, dass ich auf diese Weise Formulierungen wie “x ist so groß wie y” (also kein Größer oder Kleiner, sondern ein Istgleich) immer noch nicht berücksichtigt hatte, und ich musste die Werte noch einmal neu ermitteln. Ich warf also alle “x-mal”-, “doppelt”- und “halb”-Formulierungen komplett über Bord und ermittelte die Werte allgemein für “größer als” und “so groß wie”. Diese Entscheidung hat zur Folge, dass der Kontext “links” von den relevanten Formulierungen gar nicht mehr kontrolliert ist (potentiell also auch Formulierungen wie: “die Zustimmung ist dort] größer als [in Hessen”), aber das ließ sich in diesem Fall eben nicht vermeiden. Das dritte (und letzte) Diagramm sieht dann so aus:

Vergleichsgrößen

Auch hier ist das Saarland nicht die Nummer 1 unter den Bundesländern — allerdings wurde es jetzt von Bayern überholt, während es Hessen knapp hinter sich gelassen hat. Wieder eine merkliche Änderung zu vorher, wenn ich auch gestehen muss, dass ich nicht alle Belege gesichtet habe (bei Bayern ist mir beispielsweise ein-, zweimal “FC Bayern” aufgefallen). Ich freue mich für die unscheinbare Zigarettenschachtel, die jetzt auch den Weg nach oben gefunden hat, und weise noch auf die Fußballfelder hin, die hier einen noch größeren Sprung als “Bayern” hingelegt haben.

Die oben verlinkten Beiträge, die das Saarland nicht in Zweifel ziehen, haben ganz offensichtlich eine andere Datengrundlage und/oder eine andere Abfrage verwendet als ich, aber meine ist wenigstens nachvollziehbar — im Gegensatz zu einer ominösen “Datenbank im Internet”. Ich wüsste ja gerne, mit welcher Abfrage in dieser Datenbank gesucht wurde.

Das Google-Orakel, um noch einen letzten Vergleich zu bringen, gibt übrigens folgende Ergebnisse (Suche nach “so groß wie X”): das Saarland: 93.800; Bayern: 65.400; Hessen: 68.000; aber: Berlin: 270.000, Hamburg: 121.000.

Selbst wenn meine auf dem DeReKo basierenden Ergebnisse auch nach der dritten Änderung nicht optimal sind (aber das ist schließlich ein Blogeintrag und keine Doktorarbeit), fechte ich hiermit an, dass das Saarland unangefochten an Platz 1 der Vergleichsgrößen für Flächen steht. Ich gestehe zu, dass es das einzige Bundesland ist, das bei all meinen Versuchen relativ weit oben in der Ergebnisliste steht — ab sofort werde ich Flächen aber auch in “Bayern” oder “Hessen” ausdrücken, wobei gilt: 1 Bayern = 3,3 Hessen. Wer mir nachtun will, sollte folgende Daten immer parat haben:

Damit ist also Deutschland fast 17-mal so groß wie Hessen. Das Saarland hat nur etwa ein Achtel der Fläche von Hessen, ist aber ungefähr 360.000-mal so groß wie ein Fußballfeld, welches wiederum in “Bayern” ausgedrückt einfach nur ganz, ganz klein ist. Alles klar?

NACHTRAG, 16.05.:

Ich erfahre gerade von www.dictionaryofnumbers.com. Das ist eine Extension für den Chrome-Browser, die für Zahlen in Texten eine angeblich besser verarbeitbare Vergleichsgröße liefert. “Because ’8 million people’ means nothing, but ‘population of New York City’ means everything.” Na, wenn ihr meint.

zahl – ʇɹoʍ

Erinnert sich eigentlich jemand noch an den Taschenrechner? Und daran, dass man mit den Zahlen Wörter schreiben konnte? Voilà, ich präsentiere die längsten aus einem Wort bestehenden Wikipedia-Artikeltitel, die man auch mit dem Taschenrechner schreiben kann (wenn man ein ziemlich breites Display hat):

Wort im Taschenrechner Länge
BIOSOZIOLOGIE 3160701205018 13
SOZIOBIOLOGIE 3160701801205 13
HOLZBIOLOGIE 316070182704 12
LIEBESELEGIE 316373538317 12
SOZIOBIOLOGE 360701801205 12
ZELLBIOLOGIE 316070187732 12
BIBLIOLOGIE 31607017818 11
ESELSGEBISS 55183657353 11
GEOBIOLOGIE 31607018036 11
GEOZOOLOGIE 31607002036 11
ZELLBIOLOGE 36070187732 11
ZIEGELEISEE 33513736312 11

Und hier noch ein paar der schönsten, die danach kommen:

Wort im Taschenrechner Länge
EISHEILIGE 3617134513 10
HILLEBILLE 3771837714 10
HOBELSOHLE 3740573804 10
HOHLZIEGEL 7363127404 10
BIOSIEGEL 736315018 9
HOLZBOHLE 374082704 9
IGELSHIEB 831457361 9
ISOGLOSSE 355076051 9
LIEBESEHE 343538317 9
SHESHBESH 453845345 9
HEIZIGEL 73612134 8
HELLGELB 87367734 8
ILSEBILL 77183571 8
LEESEGEL 73635337 8
SEELILIE 31717335 8
LIBELLE 3773817 7

Und hier die vollständige Liste bis minimal fünf Zeichen: Wikipediatitel-Taschenrechner.pdf.

Da ist es doch eigentlich schade, dass der Taschenrechner heute gar nicht mehr so oft verwendet wird. Oder bin ich da der einzige?

PS: Und der Sinn von dem Ganzen? Achhörmirdochauf.

schrift, buchstaben, assoziationen und effekte 3: GRΣΣK (und der ganze rest)

Im zweiten Teil der Mini-Serie über Schrift, Buchstaben und die Assoziationen und Effekte, die diese hervorrufen sollen und können, ging es um Zeichen des kyrillischen Alphabets, mit denen Wörter in Sprachen mit lateinischem Alphabet verfremdet werden (“Faux Cyrillic”).

Ganz ähnlich funktioniert das auch mit Buchstaben des griechischen Alphabets, man könnte das als “Faux GRΣΣK bezeichnen. Zu finden weltweit bei griechischen Restaurants, aber beispielsweise auch bei einer amerikanischen Fernsehserie — das lateinische “E” bietet sich anscheinend geradezu an, durch griechisches “Σ” (Sigma, Lautwert: /s/) ersetzt zu werden (¹). Dabei gibt es das “Ε” (Epsilon) auch im Griechischen, mit gleicher Aussprache, aber weil da niemand mehr einen optischen Unterschied feststellen könnte, wäre das ja witzlos. Es sei denn, man verfremdet das Zeichen wiederum zu einer sehr dreieckig-zackigen Form des “ϵ” (auch Epsilon), wie sonst auch andere hellenisierte Buchstaben sehr zackig dargestellt werden. Zackigkeit gilt anscheinend typographisch als etwas typisch Griechisches (siehe z.B. hier oder hier [rechtes Vorschaubild anklicken]), auch wenn das “S” dann manchmal so aussieht, als wäre es in doppelter Ausführung in Deutschland verboten. Woher diese “Zackigkeit” kommt, kann ich auf die Schnelle nicht beantworten — ergoogelbare klassische griechische Inschriften sind gerade beim “ϵ” fast auffällig rund und unzackig (und beim “Ε” ganz eindeutig viereckig, nicht dreieckig; aber vielleicht gibt es da in beiden Fällen auch noch “schlampigere” Varianten).

Sonst gibt es aber im Griechischen nicht so wahnsinnig viele Buchstaben, die zwar ähnlich, aber nicht gleich aussehen wie die lateinischen. Und insbesondere sind die (nach meinem Eindruck) nicht ganz so prägnant wie die russischen Zeichen (das Ωmega einmal ausgenommen):

Lateinisch A D E O Y
Griechisch Δ, Λ Δ Σ, Ξ Ω, Θ, Φ Ψ

Bei den Kyrillisch- oder Griechisch-Imitaten ist der “Witz” ja, dass existierende (und auch einigermaßen bekannte) Buchstaben/Alphabete in anderem Kontext verwendet werden und rein dadurch schon eine Assoziation hervorgerufen wird. Wer zu faul ist, selbst im Font herumzusuchen, kann sogar auf extra Schriftarten zurückgreifen (z.B. hier oder hier), die beim Gestalten oder “Verfremden” helfen sollen. Dass es überhaupt so viele Ähnlichkeiten zwischen den Schriften gibt, liegt daran, dass sowohl unser (erweitertes) lateinisches Alphabet als auch das kyrillische Alphabet teils mehr, teils weniger direkt vom älteren griechischen Alphabet beeinflusst sind.

Inwieweit auch andere Alphabete/Schriftsysteme für solche Spielchen geeignet sind, muss an dieser Stelle mangels Kompetenz offen bleiben — dazu ergänzend noch einmal der Hinweis auf den Beitrag im Texttheater (¹) mit Hangul und Einsprengseln (wozu ich aber selbst so gar nichts sagen kann). Sehr interessant sind auch die Abbildungen im Beitrag “ENगLISH VINGLIश” bei Bradshaw of the Future (²): englische Wörter (lateinisches Alphabet) mit Devanagari-, Telugu- und Tamil-Zeichen (also indischer Sprachraum), die überhaupt keine optische Ähnlichkeit mit den englischen Buchstaben zeigen, an deren Stelle sie stehen, die aber anscheinend ähnliche Lautwerte haben (mit Devanagari-Zeichen “ENगLISH VINGLIश”: zu , zu ; mit Telugu-Zeichen “ENగLISH VINGLIష్”: zu , zu ష్; mit Tamil-Zeichen “ENGLIஷ் VINGLIஷ்”: zu ஷ்). Damit funktioniert dieses zweite Beispiel sozusagen “andersherum” wie die bisher besprochenen Fälle, denn beim “Faux Cyrillic” und dem “Faux GRΣΣK” wird die Aussprache ja gerade zugunsten der optischen Ähnlichkeit ignoriert.

Ganz andere Mittel werden bei Schriftarten eingesetzt, die z.B. “mexikanisch” wirken sollen. Da werden keine fremden Schriftzeichen verwendet, um den entsprechenden Effekt zu erreichen, da werden die lateinischen Zeichen mit Zacken, Linien und Punkten versehen, und irgendwie soll uns dieses Schriftdesign dann gedanklich nach Mittelamerika schicken. Ich könnte mir vorstellen, dass jemand, der noch kein hiesiges mexikanisches Restaurant besucht hat, anhand dieser Zacken, Linien und Punkte vielleicht nicht gleich auf die richtige Gegend kommt.

Und damit wäre unser kleiner Ausflug in die Schrift und ihre Effekte für diesmal beendet.

Siehe auch (oben genannt):

(¹) Im Texttheater: Hangulimitate wurde ein vergleichbares Beispiel schon vor einer Weile genannt (Hangul und andere Zeichen).

(²) Bradshaw of the Future: ENगLISH VINGLIश (Lateinisches Alphabet und Devangari-/Telugu-/Tamil-Zeichen)

hard*, dark*, *core, *step, *tronica und konsorten

Ich wollte ja schon lange mal einfach auf die Wikipedia-Liste “List of electronic music genres” hinweisen. Es möge sich jede(r) an den Bezeichnungen erfreuen und sich zu klanglichen Assoziationen hinreißen lassen:

Ambient, Ambient dub, Ambient industrial, Ambient house, Dark ambient, Drone music, Illbient, Isolationism, Breakbeat, Acid breaks, Baltimore Club, Big beat, Broken beat, Nu skool breaks, Florida breaks, Nu-funk, Disco, Cosmic disco, Disco polo, Euro disco, Italo disco, Nu-disco, Space disco, Downtempo, Acid jazz, Chill out, Ethnic electronica, New age music, Nu jazz, Trip hop, Drum and bass, Darkstep, Drill and bass, Drumfunk, Drumstep, Hardstep, Jazzstep, Jump-Up, Liquid funk, Neurofunk, Sambass, Techstep, Dub Fusion Genres, Afro-dub, Dubstep, Brostep, Funkstep, Glitchstep, Post-dubstep, Trap, Wonky, Dubtronica, Electro music, Freestyle music, Electroacoustic music, Acousmatic music, Electroacoustic improvisation, Musique concrète, Electronica, Berlin school, Chillwave, Folktronica, Funktronica, Laptronica, Livetronica, Electronic rock, Alternative dance, Coldwave, Dance-punk, Dark Wave, Electronicore, Ethereal Wave, Indietronica, Krautrock, New rave, Nu-gaze, Space rock, Synthpop, Synthpunk, Hardcore, 4-beat, Breakbeat hardcore, Bouncy techno, Breakcore, Digital hardcore, Darkcore, Freeform Hardcore, Gabber, Happy hardcore, Hardcore breaks, Makina, Rave, Speedcore, Terrorcore, Trancecore, UK Hardcore, Complexcore, Hard Dance, Hard house, Hard NRG, Nu-NRG, Hardstyle, Dubstyle, Jumpstyle, Lento violento, Hi-NRG, Eurodance, Eurobeat, Bubblegum dance/Happy house, Italo dance, House music, Acid house, Balearic beat, Chicago house, Deep house, Detroit house, Disco house, Diva house/Handbag house, Hardbag, Electroclash, Electro house, Complextro, Dutch house, Fidget house, Moombahton, Moombahcore, Euro house, Freestyle house, French house, Funky house, Garage house, Ghetto house, Hip house, Italo house, Kwaito, Latin house, Microhouse/Minimal house, New beat, Progressive house, Tech house, Tribal house, Vocal house, Industrial music, Aggrotech, Cybergrind, Electro-Industrial, Dark electro, Electronic body music, Futurepop, Industrial metal, Industrial rock, Neue Deutsche Härte, Japanoise, Power electronics, Death industrial, Power noise, Witch house/Drag, Intelligent dance music, Glitch, Jungle, Darkcore jungle, Hardcore jungle, Raggacore, Ragga-jungle, Post-disco, Boogie, Dance-pop, Dance-rock, Techno, Acid techno, Detroit techno, Free tekno, Ghettotech, Hardtechno, Minimal techno, Nortec, Rotterdam techno, Schranz, Symphonic techno, Tecno brega, Trance music, Acid trance, Dark trance, Dream trance, Euro trance, Goa trance, Hard trance, Ibiza Trance, Nitzhonot, Psychedelic trance, Dark psytrance, Full on, Progressive psytrance, Psybreaks, Suomisaundi, Progressive trance, Tech trance, Uplifting trance, Vocal trance, UK garage, 2-step garage, Breakstep, Future garage, Grime, Grindie, Speed garage, Bassline/4×4 garage, UK funky, Chiptune / Video game music, Bitpop, Bleep techno, Game Boy music, Nintendocore, Skweee.

Wenn da mal jemand zu Wetten dass käme und wetten würde, vier zufällig ausgewählte Genres (oder auch bloß vier unterschiedliche -cores oder -steps) anhand eines kurzen Musikausschnitts erkennen zu können — ich glaube, dann würde ich mir diese Sendung zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder ansehen. Auch wenn ich keine Ahnung hätte, ob diese Person die Ausschnitte dann tatsächlich richtig zuordnet.

Die häufigsten Erstglieder lauten: Hard, Electro, Dark, Acid und Euro. Die häufigsten Letztglieder/Grundwörter: house, trance, core, music, step, techno, disco, tronica und beat. Dabei ist keines dieser Elemente auf eine bestimmte Kategorie beschränkt, es herrscht also insgesamt große Kombinationsfreude (und man könnte spekulieren, ob die Wortbildungen daher eher kopulativ und weniger determinativ sind). Einige Kombinationen dieser Elemente sind übrigens noch “frei”, darunter so schöne wie Hard disco, Electrotechno oder Eurostep. Für alle, die sich nicht selbst so Namen wie Wonky oder Swkeee ausdenken wollen, gilt also: Wer zuerst kommt, …

Die Liste ist jedoch noch nicht mal komplett. Im Artikel zu Game Boy music findet man beispielsweise das Genre Amigacore, das oben nicht enthalten ist. Dabei ist doch ein Hauptvertreter dieses Genres die australische Band mit dem schönen Namen Nasenbluten.

Ich möchte die sich viel zu selten bietende Gelegenheit nutzen, hier mal Musik unterzubringen, und oute mich als Teilzeit-Bitpop-Fan, zu hören beispielsweise bei Slagsmålsklubben: Kasta Sten.

Bezeichnend für das Selbstverständnis nicht weniger Künstler ist auch die Erklärung der Bezeichnung Intelligent Dance Music im deutschen Artikel: “Der Begriff soll vor allem ein Hinweis darauf sein, dass vom Hörer Intelligenz gefordert wird, womit gemeint ist, dass die Musik nach normalen Popmusik-Maßstäben schwer zugänglich ist.” Mit anderen Worten: Wenn’s euch nicht gefällt, liegt das nicht an uns, sondern daran, dass ihr zu dumm seid.

Ziemlich off-genre, aber doch sehr sympathisch und sehr Wikipedia-mäßig ist außerdem auch die “List of music styles that incorporate the accordion“. Gut, dass es solche Listen gibt.

schrift, buchstaben, assoziationen und effekte 2: яussiscн

Im letzten (und ersten) Teil einer Mini-Serie über Schrift, Buchstaben und die Assoziationen und Effekte, die diese hervorrufen sollen und können, ging es um Zeichen des (erweiterten) lateinischen Alphabets, die aus Designgründen in andere Sprachen übernommen werden.

Etwas anders stellt sich die Sache bei einer weiteren Schriftspielerei dar, die in der englischen Wikipedia als Faux Cyrillic bezeichnet wird, also in etwa ‘imitiertes Kyrillisch’ oder (warum nicht) auch “das Яussiscнe”; im Deutschen kenne ich dazu keine eingeführte Benennung (und auch keinen Wikipedia-Eintrag). Beim “Яussiscнeи” handelt es sich um Wörter, die im Kontext einer Sprache mit lateinisch-basiertem Alphabet (also z.B. Deutsch oder Englisch) verwendet werden, bei denen einzelne Buchstaben aber durch ähnlich aussehende Buchstaben des kyrillischen Alphabets ausgetauscht werden. Häufig zu sehen, wenn Veranstaltungen mit russischer, oder, verallgemeinert, “Ostblock-Thematik” (Balkan-Disco etc.), beworben werden oder eine entsprechende Assoziation hervorgerufen werden soll. Ein prunkvolles Beispiel war kürzlich in einer Werbung im ZEIT-Magazin zu sehen:

"From Russia with Love"

Dabei wurden hier nicht nur kyrillische Buchstaben verwendet — diese wurden teilweise sogar auf den Kopf gestellt, um den gewünschten Effekt zu erreichen. Und nur Korinthenkacker würden kritisieren, dass diese Buchstaben z.B. im Russischen ganz anders ausgesprochen werden als im Deutschen oder Englischen; beispielsweise lautet das Д nicht /a/, sondern /d/; das Ц nicht /u/, sondern /ts/; das Я nicht /r/, sondern /ja/, und das Н wäre ein ganz besonders falscher Freund, es lautet nämlich nicht /h/, sondern /n/ — allerdings ist die Ähnlichkeit zwischen den Zeichen so groß, dass ich nicht erkennen kann, ob im obigen Beispiel ein lateinisches ‘H’ oder ein kyrillisches ‘Н’ verwendet wurde (was zu einem anderen Phänomen führt, siehe unten). Um den gewünschten Effekt des “Яussiscнeи” hervorzurufen, müssen sich die Zeichen also ähnlich sehen, aber sie dürfen nicht gleich aussehen. Dazu bieten sich etwa an:

Lateinisch A B E N O oder I R U W X Y
Kyrillisch Д Б Э И Ф Я Ц Щ Ж Ч

Ich käme nie auf den Gedanken, hier eine andere Aussprache zu versuchen. Würde mich aber interessieren, ob Russischsprechende da ähnliche Fehler begehen wie ich bei den Heavy-Metal-Umlauten.

Wer seine Texte “russifizieren” möchte, kann dies übrigens sogar mit einem “FДКЗ CУЯILLIC GЗИЗЯДTФЯ” online tun. Eine persönliche Bitte: bitte nicht.

= LеxіkоgrарhіеЫоg =

Hätten Sie’s erkannt? Wenn überhaupt, dann wahrscheinlich nur aufgrund des stümperhaften “Ы”: Diese kleine Zwischenüberschrift besteht nur etwa zur Hälfte aus lateinischen Buchstaben, die andere Hälfte sind gleich aussehende Buchstaben aus dem kyrillischen Unicode-Subset. Zum Ende hin also noch etwas ernsthafter: Wer wollte, könnte mit dieser Zeichenkette eine neue Internetseite anlegen und so tun, als sei diese das Original-Lexikographieblog. Das geht dann schon über Schriftspielchen hinaus, wenn auf diese Weise versucht wird, Leute auf Fake-Webseiten von Banken o.Ä., deren URLs aus kyrillischen Zeichen bestehen, zu locken und ihnen da ihre Zugangs- oder Kreditkartendaten abzuschwatzen. Solche Betrugsversuche nennen sich laut Wikipedia homographischer Angriff. Wenn die gut gemacht sind, kann man schnell in die Falle tappen.

Im nächsten Teil werfen wir dann noch einen Blick aufs Griechische.

NACHTRAG, 06.05.2013

Da läuft mir doch gerade noch dieser Cartoon von Toothpaste for Dinner über den Weg.

lexikographische demographie

Ein weiterer interessanter Beitrag zur Entwicklung der Lexikographie: Die DSNA zitiert aus einem Artikel in Publishers Weekly: The Changing World of Reference von Gwenda Bond (hinter Paywall). Ich zitiere von der DSNA:

["]Very few people instinctively know how to write a good definition.” But with the average age of English-language lexicographers “well over 40,” fewer openings to train new lexicographers for, and perhaps 100 remaining in the world (which Hargraves[¹] believes is actually enough), it could well become a problem to find qualified, dedicated professionals to provide the dictionary content of tomorrow and ensure changes to the English language are accurately captured and quantified.

Der vollständige Post der DSNA: http://www.dictionarysociety.com/2013/04/the-last-lexicographers.html

[¹] Orin Hargraves, Präsident der Dictionary Society of North America (DSNA)

aus der oed-redaktion

TIME online (Katy Steinmetz) bringt ein Interview mit John Simpson, dem scheidenden Chefredakteur des Oxford English Dictionary. Und dieser gibt darin Einblicke in die OED-Redaktion. Daraus ein paar Fetzen:

How many people are working on the project at the OED?
We’ve got about 70 editors, about 10 of them work on the word origins—the old Germanic and French origins of words, and so on. And about 10 of them work on new words. Another large set work on revising the 20 volumes of the text of the existing dictionary. We’re revising that into, if it were printed, close to 40 volumes. Those staff are divided into generalists and scientists.

Oder:

When you did the revision, what letter did you start with?
We didn’t start at A because nobody in their right minds starts at A. You should steer clear of vowels until you know what you’re doing—a’s and o’s are interchangeable in some contexts. It causes all sorts of problems. You’re much better off starting with a consonant. We thought M was a reasonable short letter. …

Das ganze Interview sei hiermit empfohlen! Der Link: http://entertainment.time.com/2013/04/23/an-exit-interview-with-the-man-who-transformed-the-oxford-english-dictionary/

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