der strich macht den unterschied

Durch Zufall ist mir aufgefallen, dass im Duden (und auf duden.de) ein Artikel zu Nasen-Rachen-Raum steht — und einer zu Nasenrachenraum. Ersterer ist der ‘Bereich von Nase und Rachen’, Letzterer ist erklärt als ‘oberer Abschnitt des Rachenraumes im Anschluss an die Nasenhöhlen’. Der Nasenrachenraum, als Teil des Rachens, ist also ein Teil des Nasen-Rachen-Raums, der alles umfasst, wenn ich das richtig verstanden habe.

Nasen-Rachen-Raum

Weitere auf duden.de enthaltene Wortpaare mit je eigenen Artikeln, bei denen der Bindestrich (daneben von Fall zu Fall auch andere Kleinigkeiten wie Genus oder Aussprache) einen Unterschied in der Bedeutung macht, sind:

E-Mail, die/das Email, das
Flip-Flop, der: Sommerschuh Flipflop, der: Sommerschuh
Flipflop, das: Kippschaltung in elektronischen Geräten
Hall-Effekt, der: Auftreten einer elektrischen Spannung in einem stromdurchflossenen Leiter, der sich in einem stationären Magnetfeld befindet (nach dem Physiker E. H. Hall) Halleffekt, der: klanglicher Effekt durch Nachhall
n-Eck, das Neck, der: Nöck (Wassergeist)
Neck, der: vulkanischer Schlot

(Erklärungen, wo evtl. nicht bekannt oder unklar, nach Wikipedia und duden.de)

Neben diesen Fällen gibt es natürlich zahlreiche weitere, die sich auch mit etwas Kreativität selbst bilden lassen — aus der Rechtschreibregelung ist etwa das Drucker-Zeugnis und das Druck-Erzeugnis bekannt, das Drucker-Zeugnis steht allerdings nicht auf duden.de und ist mir im “wirklichen” Leben auch noch nie untergekommen. Ich erinnere auch noch einmal an das Handschweißgerät, dem eine korrekte Bindestrichsetzung ebenfalls nicht schaden würde. Hier geht es aber nur um die Einträge im Duden und darum, wie dort damit umgegangen wird.

Etwas verworren sind Fälle von Adjektiv-Zusammensetzungen, bei denen offensichtlich häufig (aber nicht immer) die Schreibung ohne Bindestrich mehrere Bedeutungen, die Schreibung mit Bindestrich eine bestimmte Bedeutung hat. Besonders beim letzten Fall (“jüdisch-christlich/jüdischchristlich”) ist mir aber nicht klar, ob hier laut Duden überhaupt ein Bedeutungsunterschied vorliegt oder ob der Artikel nur zweimal von je unterschiedlichen Leuten geschrieben wurde. Auch in den folgenden Beispielen liegen immer zwei Artikel vor:

schwarz-grün, schwarzgrün: die Koalition von CDU und/oder CSU und Grünen betreffend schwarzgrün: tief dunkelgrün und fast in Schwarz übergehend
gelb-rot: ‘gelb und rot gefärbt’ (Duden) mit den Beispielen “eine gelb-rote Flagge” und “der Spieler sah Gelb-Rot gelbrot: ‘in einem roten Farbton, der ins Gelbe spielt’ (Duden), aber mit dem Beispiel “der Spieler sah Gelb-Rot oder Gelbrot [!]“
deutsch-amerikanisch, deutschamerikanisch: ‘zwischen Deutschland und Amerika, aus Deutschen und Amerikanern bestehend’
(analog bei “deutsch-französisch, deutschfranzösisch”; “deutsch-jüdisch, deutschjüdisch”; “deutsch-schweizerisch, deutschschweizerisch”; “deutsch-türkisch, deutschtürkisch”)
deutschamerikanisch: ‘die Amerikaner deutscher Abstammung betreffend’
(analog bei “deutschfranzösisch”, “deutschjüdisch”, “deutschschweizerisch” ‘die deutschsprachige Schweiz betreffend’, “deutschtürkisch” ’1. die Türken in Deutschland betreffend; 2. die Deutschen türkischer Abstammung betreffend’)
jüdisch-christlich:
1. ‘zwischen Juden und Christen bestehend, sich ereignend’
2. ‘aus Juden und Christen bestehend’ (Duden)
jüdischchristlich: ‘von Judentum und Christentum geprägt, dem Judentum und dem Christentum gemeinsam’ (Duden)

Apropos “gelb-rot”: Im Gegensatz zu “schwarz-grün” heißt es nicht “rot-gelb”, sondern “sozialliberal” … Und zu “schwarz-gelb” gibt es auch einen Artikel, in dem als Variante “schwarzgelb” angegeben ist — in der Lemmaliste taucht “schwarzgelb” (im Gegensatz zu “schwarzgrün”) jedoch nicht auf.

Blieben noch ein paar weitere Fälle, nämlich zum einen solche, wo auf duden.de bei Wörtern gleicher Bedeutung, aber in Varianten mit und ohne Bindestrich die Varianten in je eigenen Artikeln beschrieben werden, und zwar teils unterschiedlich, wie in:

Biofeedback-Methode, die: ‘Methode, Verfahren zur Kontrolle vom Menschen kaum wahrgenommener Körperfunktionen (wie z. B. Blutdruck, Herzfrequenz) über Apparate, an die jemand angeschlossen ist und an denen er die entsprechenden Funktionen ablesen und dann beeinflussen kann’; unter Grammatik: “ohne Plural” Biofeedbackmethode, die: ‘Methode, suggestives Verfahren zur Kontrolle autonomer, vom Menschen sonst kaum wahrgenommener Körperfunktionen (z. B. Blutdruck, Herzfrequenz, Hirnwellen) über Apparate, an die der Patient angeschlossen ist und an denen er die entsprechenden Funktionen ablesen und dann beeinflussen kann’; unter Grammatik: kein Hinweis zum Plural
Chagas-Krankheit, die: ‘(im tropischen Süd- und Mittelamerika auftretende) Infektionskrankheit’; ohne Audio-Aussprache Chagaskrankheit, die: ‘tropische Infektionskrankheit’; mit Audio-Aussprache
Dritt-Teil, das: ‘Drittel’; ohne Lautschriftangabe Drittteil, das: ‘Drittel’; mit Lautschriftangabe
Einfluss-Sphäre, die: ohne Synonyme und Lautschrift Einflusssphäre, die: mit Synonymen und Lautschrift (von Duden empfohlene Schreibung)
Home-Rule, die: Grammatik: nur Nom./Gen. Singular Homerule, die: Grammatik: alle Singular-Wortformen tabellarisch
Nass-Schleifen, das: ohne Lautschrift Nassschleifen, das: mit Lautschrift
Salomon-Inseln, die: keine “verwandte Form” genannt, aber als “Bedeutung”: ‘schweizerisch neben Salomonen’; unter Grammatik Angabe aller Wortformen im Plural Salomoninseln, die: unter “verwandte Form” genannt: “Salomonen”, als “Bedeutung”: ‘Inselgruppe östlich von Neuguinea’; unter Grammatik nur “Pluraletantum”

Teils identisch, wie in:

Cover-up, das: ‘volle Körperdeckung’, identische Angaben wie bei Coverup Coverup
Ist-Wert, der: identische Angaben wie bei Istwert Istwert
Kap-Verdierin, die: identische Angaben wie bei Kapverdierin Kapverdierin
kap-verdisch: identische Angaben wie bei kapverdisch kapverdisch
Know-how-Vereinbarung, die: identische Angaben wie bei Knowhowvereinbarung Knowhowvereinbarung

Zum anderen eben solche Fälle wie das oben schon genannte “schwarzgelb/schwarz-gelb”, in denen bei Wörtern gleicher Bedeutung und in Varianten mit und ohne Bindestrich alles in ein und demselben Artikel beschrieben wird; hier nur noch ein weiteres Beispiel zur Veranschaulichung, mit drei Varianten:

Black­box-Me­tho­de, Black­box­me­tho­de, Black-Box-Me­tho­de, die

Das wäre wahrscheinlich kaum jemandem je aufgefallen, aber wenn man mal darüber nachdenkt, sind das schon mindestens vier Möglichkeiten, wie man mit solchen Varianten umgehen kann: (i) je eigener Artikel mit unterschiedlicher Beschreibung für unterschiedliche Schreibungen/Bedeutungen; (ii) je eigener Artikel mit unterschiedlicher Beschreibung derselben Bedeutungen, die nur anders (mit/ohne Bindestrich) geschrieben werden; (iii) je eigener Artikel mit identischer Beschreibung derselben Bedeutungen, die nur anders (mit/ohne Bindestrich) geschrieben werden; (iv) ein einziger Artikel für alle Bindestrich-Varianten. Bei duden.de hat man sich offensichtlich noch nicht für eine einheitliche Lösung entschieden, wobei Variante (ii) sicherlich am kuriosesten ist.

Wer hat eigentlich behauptet, (Meta-)Lexikographen seien pingelig? Gemeine Unterstellung …!

Bildnachweis: Abbildung modifiziert nach Wikimedia Commons, gemeinfreie Abbildung

aufruf des ukrainischen deutschlehrer- und germanistenverbandes

Heute erreichte mich folgender Aufruf des Ukrainischen Deutschlehrer- und Germanistenverbandes (UDGV):

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Germanistinnen und Germanisten der Welt,
liebe Freunde,

wir – Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer, Germanistinnen und Germanisten, Dolmetscherinnen und Dolmetscher, Germanistikstudierende des Ukrainischen Deutschlehrer- und Germanistenverbandes (UDGV) – wenden uns mit der Bitte an Sie, die Ukraine in ihrem Bemühen um die territoriale Integrität des Landes zu unterstützen. Ein Krieg, der im 21. Jahrhundert kaum vorstellbar war, ist in der Ukraine leider zur Realität geworden. Russische Truppen haben das Territorium der ukrainischen Krim besetzt und provozieren Unruhen im Osten und Süden der Ukraine.

Der UDGV ist ein unpolitischer Fachverband. Wir haben nie politische Kräfte oder Parteien unterstützt. Wir sind Vertreter verschiedener Ethnien und sprechen verschiedene Sprachen, wobei wir unsere Fachtätigkeit der deutschen Sprache, Kultur und Literatur widmen. Als Philologen verstehen wir sehr gut, dass Sprache eine Waffe sein kann. Heute will man die Ukraine unter dem Vorwand des Sprachkonflikts in einen Krieg verwickeln. Wir wollen keinen Krieg, wir wollen keine Landsleute verlieren. Unsere Unabhängigkeit hat uns ohnehin viele Menschenleben gekostet. Wir sind davon überzeugt, dass sich alle Probleme auf einem friedlichen Wege lösen lassen.

Wir rufen Sie dazu auf, uns mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dabei zu unterstützen, einen Krieg in der Ukraine zu verhindern. Wir bitten Sie auch, sich gegen den Informations-Krieg gegen die Ukraine zu äußern. Wir finden es unerhört, wenn die Einwohner der Ukraine nur dadurch, dass sie sich als Ukrainer identifizieren, abgesehen davon, welche Sprache sie sprechen, als Nationalisten oder Radikale bezeichnet werden. Wir sind ein Volk, das viele Sprachen spricht, aber für das europäische Werte und vor allem die friedliche Koexistenz mit anderen Staaten und Völkern von größter Bedeutung sind.

Wir dürfen nicht zulassen, dass politische Ambitionen einzelner Politiker zu Kriegen führen. Denn nach der Ukraine könnte auch Ihr Land beansprucht werden.

Im Namen der 400 Mitglieder des Ukrainischen Deutschlehrer- und Germanistenverbandes

Prof. Dr. Alla Paslawska, Präsidentin des UDGV, Nationale Iwan-Franko-Universität Lwiw

Prof. Dr. Larissa Jagupova, Vizepräsidentin des UDGV, Nationale Universität Donezk

Prof. Dr. Taras Kyjak, Vizepräsident des UDGV, Nationale Taras-Schewtschenko-Universität Kyjiw

Doz. Dr. Tetjana Midjana, Sekretärin des UDGV, Nationale Iwan-Franko-Universität Lwiw

Dnipropetrowsk Gebiet: UDGV-Koordinatorin Doz. Dr. Tetjana Haluschko, Nationale Bergbau-Universität Dnipropetrowsк

Lugansk Gebiet: UDGV-Koordinatorinnen Wiss. Ass. Nina Netschajewa, Nationale Taras-Schewtschenko-Universität Lugansk, Walentyna Buduratzka, Deutschlehrerein

Donezk Gebiet: UDGV-Koordinatorin, Wiss. Ass., Nadjezhda Serebrjakowa, Nationale Universität Donezk

Charkiw Gebiet: UDGV-Koordinatorin, Wiktorija Bulgakowa, Methodikerin des Instituts für methodisch-wissenschaftliche Weiterbildung Charkiw

Kirowohrad Gebiet: UDGV-Koordinator, Prof. Dr. Olexandr Bilous, Staatliche Wolodymyr-Wynnytschenko-Universität Kirowohrad

Tscherniwzi Gebiet: UDGV-Koordinatorin Doz. Dr. Iryna Ossovska, Nationale Yurij-Fedkovytsch-Universität Tscherniwzi

Tscherkassy Gebiet: UDGV-Koordinatorin Doz. Dr. Nadija Polischtschuk, Nationale Bohdan-Chmelnytzkyj-Universität Tscherkassy

Lwiw Gebiet: UDGV-Koordinatorin Iryna Sawtschuk, Methodikerin des Instituts für methodisch-wissenschaftliche Weiterbildung Lwiw

Wolhynien Gebiet: UDGV-Koordinatorin Tatjana Heschelina, Deutschlehrerin

Transkarpatien Gebiet: UDGV-Koordinatorin Doz. Dr. Wiktorija Synjo, Nationale Universität Uzhhorod

Sumy Gebiet: UDGV-Koordinatorin, Doz. Dr. Lidija Hawrylo, Staatliche Universität Sumy

Poltawa Gebiet: UDGV-Koordinatorin, Doz. Dr. Olena Schyschlina, Staatliche Pädagogische Universität Poltawa

Ternopil Gebiet: UDGV-Koordinatorin Doz. Dr. Natalia Byjak, Nationale Wolodymyr-Hnatjuk-Universität Ternopil

Tschernihiw Gebiet: UDGV-Koordinatorin Wiss. Ass. Maryna Sydorenko, Staatliche Mykola-Gogol-Universität Tschernihiw

Cherson Gebiet: UDGV-Koordinatorin Wiss. Ass. Lubow Kuragina, UDGV-Koordinatorin, Staatliche Universität Cherson

Kyjiw Gebiet: UDGV-Koordinatorin Ljudmyla Sawtschenko, Methodikerin des Instituts für methodisch-wissenschaftliche Weiterbildung Kyjiw

Iwano-Frankiwsk Gebiet: UDGV-Koordinator Doz. Dr. Wassyl Tkatschivskyj, Nationale Wassyl-Stefanyk-Universität der Vorkarpaten

Zhytomyr Gebiet: UDGV-Koordinatorin Inna Bohajtschuk, Deutschlehrerin

Winnyzja Gebiet: UDGV-Koordinatorin Dr. Larissa Drobacha, Staatliche Pädagogische Kozjubynsky-Universität Winnyzja

Chmelnytzkyj Gebiet: UDGV-Koordinatorin Olha Tschystjak, Deutschlehrerin

Riwne Gebiet: UDGV-Koordinatorin Switlana Schewtschuk Deutschlehrerin

Zaporizhzhja Gebiet: UDGV-Koordinatorin Wiss. Ass. Natalja Schapotschka, Nationale Universität Zaporizhzhja

Republik Krim: Die Namen von unseren KollegInnen auf der Krim, die unseren Aufruf unterstützt haben, können wir auf ihren Wunsch aus Sicherheitsgründen nicht nennen

Mykolajiw Gebiet: UDGV-Koordinator Prof. Dr. Petro Ossipow, Nationale Suchomlynskyj-Universität Mykolajiw

Odessa Gebiet: UDGV-Koordinatorin Wiss. Ass. Tatjana Romanovskaja, Nationale Staatliche Geisteswissenschaftliche Universität Ismail

von kommilitonen und kommissionen

Seit meinem Beitrag zu Karussell kann ich mir tatsächlich endlich merken, wie dieses Wort geschrieben wird. Ich bin ein Freund der Holzhammerpädagogik: Wenn man ein Wort zigmal schreibt, merkt man sich das. Schaut auf mich, ich bin das beste Beispiel, und mein Altersunterschied zu Grundschulkindern ist auch noch nicht so gewaltig.

Vielleicht schaffe ich das mit dem Merken bald auch mit einem anderen Wort, bei dem ich bis jetzt regelmäßig im Wörterbuch nachschlage: Komillitone. Nein: Kommilitone. Bei diesem Wort, zu dem duden.de zu Recht schreibt: “Dieses Wort oder diese Verbindung ist rechtschreiblich schwierig”, soll mir in Zukunft die Etymologie weiterhelfen. Wenn man weit genug zurück schaut, wird nämlich klar, dass Kommilitone auf denselben Ursprung zurückgeht wie militant und Militär. Und bei Militär habe ich keine Rechtschreibzweifel — der Logik meiner Holzhammerpädagogik zufolge habe ich das also wahrscheinlich schon häufiger geschrieben oder gelesen als Kommilitone.  Mal sehen, ob es einfacher wird, mir die Etymologie (und das zusätzliche m) zu merken als die Schreibung ohne Hintergrundwissen.

Schwarz sehe ich aber immer noch bei Komitee. Das Wort, das wir aus dem Französischen haben, hat nun in grauer Vorzeit mit committere denselben lateinischen Ursprung wie das zu Unrecht so selten gebrauchte Wort kommittieren — und auch das Wort Kommission. Kommission, aber Komitee. Nee, da sehe ich schwarz. Bei Komitee haben die Rechtschreibreformer eindeutig geschlafen.

karrrrussssellll

Bereits Ende Januar meldete u.a. die Oberhessische Presse einen Verletzten bei einem orthographischen Streit: Es ging um die korrekte Schreibung, m.a.W. die richtige Anzahl von Rs, Ss und Ls, von Karrrrussssellll. Ich habe diese Meldung zunächst nur wahrgenommen und nicht weiter beachtet — warum auch, Verletzte bei solchen Diskussionen sind schließlich an der Tagesordnung.

Jetzt bin ich wieder darauf gestoßen, weil auch Taalpost die Meldung aufgegriffen und das deutsche Wort Karussell mit der niederländischen Entsprechung ergänzt hat. Und die lautet carrousel.

Ich habe dann noch etwas weitergesucht.

Die englische Schreibung: carousel, carrousel.

Die französische: carrousel.

Die portugiesische: carrocel oder carrossel?

Die polnische: karuzela.

Die dänische: karrusel.

Die schwedische: karusell.

Die estnische: karussell.

(Zur Etymologie im Deutschen siehe dwds.de. Hier nur so viel: Das Deutsche hat das Wort aus dem Französischen. Zwischenzeitlich haben sich jedoch die Konsonantenverhältnisse geändert.)

Unter diesen Umständen sollten wir froh sein, dass es bislang noch nicht zum dritten Weltkrieg um die richtige Schreibung dieses Wortes gekommen ist. Wer es sich im Deutschen nicht merken kann, dem hilft vielleicht der Hinweis weiter: Einfach schreiben wie im Estnischen. Nur am Anfang groß.

Die Feststellung der Oberhessischen Presse:

Richtig ist natürlich “Karussell”: ein “r”, zwei “s”, zwei “l”.

muss somit als einigermaßen hochnäsig bezeichnet werden.

PS: Im Kajkavischen (das in Kroatien gesprochen wird) heißt das Karussell ringišpil, und damit fast so wie im Bairischen.

[Abbildung Karussell]

neue, verdeutschte dateiendungen für windows genehmigt

Wie u.a. auf sueddeutsche.de berichtet, wurde die Menge der Top-Level-Domains soeben um neue Endungen erweitert. So können Internetseiten jetzt etwa auf .guru, .bayern oder .pizza enden.

Wie außerdem berichtet (u.a. auf focus.de), bringt Microsoft ein Windows-8.1-Update heraus, das vom ungeliebten Kachel-Design abkehrt und auch den Start-Button (das ist bekanntlich der, den man drücken muss, um den Computer herunterzufahren) wieder einführt.

In der medialen Berichterstattung ist bislang eine weitere Neuerung untergegangen, die das Lexikographieblog hier exklusiv enthüllt. Die jahrelange Lobbyarbeit des umtriebigen, anglizismenkritischen Vereins Deutfche Sprache trägt endlich Früchte: Windows führt nun auch deutsche Dateiendungen für die häufigsten Dateiformate ein.

Der Pressesprecher des Vereins kommentierte dies gegenüber dem Lexikographieblog wie folgt:

Endlich haben wir es geschafft, die Amerikanisierung des Rechners, der ja mit Konrad Zuse von einem Deutschen erfunden wurde, aufzuhalten! Es war wirklich niemandem zuzumuten, noch länger Dateien, die verständliche, deutsche Dateinamen wie “Kaffeekränzchen am Sonntag” oder “Anti-Sale-Unterschriftenaktion in der Fußgängerzone” haben, mit englischen Endungen wie “.xls” oder “.jpeg” zu verschandeln. Wie spricht man das überhaupt aus, “.jpeg”? Etwa “ipek” wie in “Ipekakuanha”? Sie glauben gar nicht, wie viele häusliche Unfälle sich ereignet haben, weil insbesondere ältere Menschen überhaupt nicht verstanden haben, was diese Dateiendungen bedeuten! Mit den neuen, von uns entwickelten Endungen, von denen wir die ICANN nun endlich haben überzeugen können, wird alles besser. Viel besser.

Vorerst werden die hier aufgeführten deutschen Endungen eingeführt. Weitere sollen folgen:

Original Deutsch
EXE (< engl. EXEcutable) AUS (AUSführbar)
PDF (Portable Document Format) TDF (Tragbares DokumentenFormat)
DOC (Document) DOK (DOKument)
XLS (eXceL Spreadsheet) BTA (üBerTreffen-Arbeitsblatt)
PPT (PowerPoinT) KPT (KraftPunkT)
ZIP (< engl. ZIPper) REIẞ (REIẞverschluss)
JPG/JPEG (Joint Photographic Experts Group) GGFF (Gemeinsame Gruppe von Fotografie-Fachleuten)
PNG (Portable Network Graphics) TNG (Tragbare NetzwerkGrafik)
GIF (Graphics Interchange Format) BAF (BildAustauschFormat)
HTML (HyperText Markup Language) ÜTAS (ÜberText-AuszeichnungsSprache)
XML (eXtensible Markup Language) EAS (dEhnbare AuszeichnungsSprache)

Ob die auf das Englische zurückgehenden Original-Endungen in der deutschen Version von Windows 8.1 weiterhin gültig bleiben, stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest.

PS: Unter den beantragten neuen Top-Level-Domains ist auch die Endung .sale.
[Denken Sie sich zu dem vorangehenden Satz bitte ein dramatisches Geräusch wie dieses oder das hier.]

[Dateiendungen]

phubbing

Da ist letztes Jahr offensichtlich etwas an mir vorbeigegangen — vom Wort Phubbing und seiner Geschichte erfuhr ich erst kürzlich, obwohl sie (die Geschichte) schon im vergangenen Herbst ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte.

Das Wort Phubbing wurde im Englischen gebildet, um — ich zitiere Wikipedia — “die Angewohnheit, sich mit dem Handy oder Smartphone zu beschäftigen, während man die Menschen, mit denen man gerade gesellschaftlich verkehrt, vernachlässigt” zu benennen. Das Phänomen ist bekannt, es wurde unter dem Schlagwort Phubbing eine Kampagne dagegen inszeniert, der Ausdruck machte daher die Runde und schaffte es auch ins Deutsche: u.a. auf sueddeutsche.de wurde darüber berichtet.

So weit, so gut — bis schließlich bekannt wurde, dass Phubbing (das Wort, nicht das Phänomen) von einer Werbeagentur unter fleißiger Mitwirkung von Sprachwissenschaftlerinnen, Autorinnen und einem Kreuzworträtsologen (in einem Hemd, für das selbst ich all meinen Mut zusammen nehmen müsste[1]) erfunden worden war, um ein australisches Wörterbuch (das Macquarie Dictionary) zu promoten. So berichtete u.a. BR-Puls unter der Überschrift “Verarsche im größten Stil”, mit Verweis auf dieses Video:

Die vorgebliche Kampagne war also gar keine — oder …? Das Wort kam ins Gerede, man hatte einen Ausdruck für etwas, das den meisten schon einmal aufgefallen war, das vorher aber kaum präzise zu benennen war. So etwas war vorher (meines Wissens) weder Douglas Adams noch der Labenz-Sammlung des Texttheaterindendanten gelungen. Und das Wort zieht auch weiter seine Kreise, so erst kürzlich (und anfänglich mit veralteter Etymologie) auf karrierebibel.de (glücklicherweise bin ich also nicht der einzige, der hier etwas verschlafen hat).

“Verarsche im größten Stil”? — nur, wenn man enttäuscht ist, dass die Kampagne nicht von selbstlosen Gleichgesinnten ins Leben gerufen wurde. Ich sage: Seien wir dankbar für ein Wort, das wir vorher nicht hatten! Es hat eine nette Morphologie (s. den Wikipedia-Artikel) und beinhaltet insbesondere keine Markenbezeichnung o.Ä.; und es ist mit Sicherheit von größerer gesellschaftlicher Relevanz als Ausdrücke wie inmessionante. Wer gegen Phubbing ist, ist für Phubbing! So. Und jetzt gehe ich nur mal eben kurz die Twitter-Timeline checken.

PS: Das Wort Phubbing war übrigens auch für den Anglizismus des Jahres 2013 nominiert, schafftes es aber nicht einmal in die engere Auswahl. Wer weiß, was die Zukunft bringt …

[1] Ja, gelegentlich bin ich oberflächlich. Aber ich glaube, wer so ein Hemd trägt, hat genug Selbstbewusstsein, um auch eine derartige Anmerkung zu verkraften.

der anglizismus des jahres 2013 lautet: -gate

Der Anglizismus des Jahres 2013 lautet: -gate.

Nach wochenlanger Vorauswahl, Analyse und Endauswahl hat die Jury entschieden, dieses Wortbildungselement auf Platz 1 der erfolgreichsten Anglizismen des vergangenen Jahres zu setzen, noch vor Fake- auf Platz 2 und Whistleblower auf Platz 3 der Jury-Liste (Whistleblower erreichte dafür Platz 1 bei der Publikumsabstimmung).

Ich werde an dieser Stelle keine großen Worte mehr machen, denn eigentlich ist alles schon gesagt:

Zur offiziellen Pressemeldung für den Anglizismus des Jahres 2013 klicke man hier.

Die detaillierte Besprechung von Kristin Kopf im Rahmen der Kandidatenuntersuchung findet man, ebenso wie eine Laudatio von Anatol Stefanowitsch, im Sprachlog.

Wer Klickstrecken mag, wird sogar schon von sueddeutsche.de bedient!

Damit hat die Anglizismenwahl für 2013 ein würdiges Ende gefunden — und 2014 steht jetzt unter Beobachtung für die kommende Wahl. In diesem Sinne: Keep on talking like euch der Schnabel gewachsen ist.

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