Heute habe ich das soeben erschienene Wörterbuch zur Lexikographie und Wörterbuchforschung von Herbert Ernst Wiegand, Michael Beißwenger, Rufus H. Gouws, Matthias Kammerer, Angelika Storrer und Werner Wolski (und 13 Bearbeitern von terminiologischen Äquivalenten, siehe die vollständige Liste auf www.fabulex.de) vor mir liegen. Über 800 Seiten, davon über 500 Seiten Wörterverzeichnis. Und das ist nur Band 1, von AC, dabei nimmt die Artikelstrecke A mit fast 400 Seiten deutlich den Löwenanteil ein. Ein Mammutwerk  jedenfalls, einmal mehr, nach der Internationalen Bibliographie zur germanistischen Lexikographie und Wörterbuchforschung und der Wörterbuchforschung (Wiegands — noch? — „Unvollendete“). Auch in diesem Wörterbuch hat Wiegand die meisten Artikel selbst bearbeitet.

Dies wird jetzt keine Rezension, dazu fühle ich mich aus unterschiedlichen Gründen nicht berufen. Einige Kommentare will ich aber doch abgeben. Nicht unbedingt über die etwas lieblos gestaltete beigelegte CD-ROM. Eher etwa über die enthaltene Systematische Einführung, die auf rund 100 Seiten und in 37 Paragraphen in den Themenbereich einführt und die man eigentlich allen, die sich in kompakter Form ein Bild von der Lexikographie und Wörterbuchforschung (Wiegandscher Prägung) machen wollen, nur empfehlen kann. Diese Einführung könnte glatt auch als eigenes Büchlein veröffentlicht werden. Dass einige Aspekte detaillierter ausgeführt werden könnten oder diskutiert werden könnten, ist dabei klar. Vielleicht in einem späteren Beitrag mehr dazu.

Interessant auch, dass es zu allen Definitionsartikeln (also den Artikeln, die keine Verweisartikel sind) Äquivalente in neun Sprachen (Afrikaans, Bulgarisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch und Ungarisch) gibt. Da die meisten der Wiegandschen Termini bisher nur auf Deutsch existierten, mussten in diesen Sprachen „Äquivalentangebote geschaffen werden […], für die man in der jeweiligen Zielkultur nur auf Akzeptanz hoffen kann“ (S. XXV). Ich ganz persönlich bin jetzt schon dankbar für diese Äquivalentangebote, denn da ich mich in meiner Arbeit durchaus an Wiegand orientiere, bin ich froh über solch eine Hilfe beim Verfassen englischer Texte.

Bei aller Würdigung der detaillierten Ausarbeitung kann man sich aber doch fragen, ob Verweisartikel wie der mit dem Lemma abstrakte außentextinterne vollständig eingangsfokussierte und eingangsintern sowie eingangsextern angereicherte Adressierungsstruktur jemals werden nachgeschlagen werden. Im Zweifel bin ich aber auch dafür, lieber ein paar Artikel mehr aufzunehmen als einen zu wenig.

Ich vermute sehr, dass sich bei der weiteren, detaillierten Beschäftigung mit diesem Wörterbuch noch einige Punkte ergeben werden, über die hier zu sprechen sein wird. Vorerst, und ich vermute das wird auch so bleiben, bin ich überzeugt, dass dieses Nachschlagewerk der Lexikographie und Wörterbuchforschung sehr gute Dienste leisten wird.

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